Die Fleischerei Bilges schließt zum Ende des Monats

Nach 46 Jahren ist Schluss

Die Kunden kaufen heute anders ein: Fleischerei Bilges im Verdener Zentrum schließt seine Türen ende des Monats für immer. - Foto: Wennhold

Verden - Von Erika Wennhold. 46 Jahre lang gab es sechs Tage in der Woche frische Fleisch- und Wurstwaren in der Großen Straße 67 in Verden. Fast 30 Jahre lang wurden von Montag bis Freitag um die Mittagszeit herum mehrere warme Mahlzeiten aus eigener Herstellung angeboten. Damit ist jetzt Schluss.

Die Fleischerei „Bilges GmbH“ schließt Ende des Monats ihre Ladentür – für immer. So sieht es zumindest aktuell aus. Denn alle Bemühungen von Wolfgang und Christiane Bilges, einen Nachfolger für Fleischermeister und Pächter Georg Lutsch zu finden, scheiterten bisher. Zunächst positiv verlaufende Verhandlungen mit verschiedenen Filialisten zerschlugen sich aus unterschiedlichen Gründen.

Seit dem Umbau der Fußgängerzone und der Schließung für den Fahrzeugverkehr hat sich das Kaufverhalten speziell der älteren Generation stark verändert. So stellen sich die Dinge jedenfalls für Wolfgang Bilges dar: „Der Kunde ist nicht mehr bereit, schwere Einkaufstaschen zu weit entfernten Parkplätzen zu schleppen.“

Das war mal anders. Am Wochenmarkttag Dienstag musste man Zeit mitbringen, die Kundenschlange reichte bis an die Eingangstür, und jeder übte sich in Geduld – freitags und sonnabends spielte sich das ähnlich ab.

Vor 46 Jahren, als Wolfgang und Christiane Bilges das Geschäftshaus kauften und es im Erdgeschoss zu einer Fleischerei umbauten, zweifelte niemand an einer Erfolgsgeschichte. Immerhin eröffnete Fleischermeister Friedrich Stern hier eine Pachtfiliale. Der Stammsitz der Fleischerei Stern befand sich damals in der Windmühlenstraße 3 in Verden und hatte sich, was Qualität, Zuverlässigkeit und Service betraf, einen sehr guten Ruf in Verden und Umgebung erarbeitet. Verantwortlich dafür waren seit den 50er-Jahren die Eltern von Friedrich und Christiane Stern, in deren Betrieb das Ehepaar Bilges zunächst gearbeitet hatte.

Nachdem sich Wolfgang und Christiane Bilges hinter dem Geschäft Große Straße 67 in der Oberen Straße 2 eine neue Wurstküche gebaut hatten, begann das Ehepaar Bilges im April 1977 die Fleischerei mit eigener Produktion zu starten. Das Personal der Fleischerei Stern wurde je zur Hälfte aufgeteilt. Damit verlor keiner der Beschäftigten seinen Arbeitsplatz.

Zehn Jahre später wurde der Verkaufsraum komplett erneuert, und auch die Fassade bekam ein neues modernes Gesicht. Neben der Erweiterung des Warensortiments kam eine „Heiße Theke“ hinzu. An ein paar Stehtischen bekamen Berufstätige mit einer kurzen Mittagspause eine warme Mahlzeit, genauso oft wurde das Essen aber auch gut verpackt mitgenommen. Fleisch und Wurstwaren wurden vorwiegend in der Wurstküche in der Oberen Straße hergestellt.

Die hohe Qualität überzeugte viele Kunden. Zumal das Schlachtvieh noch direkt bei den Bauern in der hiesigen Region gekauft und dann sonntags im Verdener Schlachthof aufgestallt wurde, um sich über Nacht von den Strapazen des Transports auszuruhen und zu beruhigen. Montags wurden dann vollkommen ausgeruhte Schweine, Rinder, Kälber und Lämmer geschlachtet. Mit der damit verbundenen Qualität konnten die damaligen Supermärkte in keiner Weise mithalten.

Wohl jeder Kunde hatte im Laufe der Jahre bei Bilges seine Lieblingsprodukte gefunden, ob es nun das Knusperschnitzel war, der saftige Kasseleraufschnitt, die herzhaft hausgemachte Salami oder einer der raffinierten Salate. Die Rezepte trafen den Geschmack der Kunden und wurden auch nicht verändert, als Fleischermeister Georg Lutsch am 1. September 2005 die Fleischerei übernahm. Der hat den Pachtvertrag nun gekündigt und will beruflich neue Wege gehen.

15 bis 20 Mitarbeiter waren im Schnitt in der Fleischerei Bilges beschäftigt. Eine Vielzahl von männlichen und weiblichen Auszubildenden wurden in dieser Zeit dort ausgebildet.

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