Alpha-E-Variante und zweigleisiger Ausbau von Verden nach Rotenburg

Mehr Züge, weniger Lärm

Blick auf das Gelände um den ehemaligen Güterbahnhof in Verden. Kommt der zweigleisige Ausbau nach Rotenburg, sollen alte Gleise und Oberleitungen abgerissen und Schallschutzwände gebaut werden. - Foto: Wienken

Verden - Weitere Gleise, mehr Züge, die durch Verden rollen, aber trotzdem weniger Belastungen, so planen die Beteiligten die Umsetzung der sogenannten Alpha-E-Variante. Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann dazu: „Wir stellen keine Forderungen sondern klare Bedingungen, die nicht verhandelbar sind.“

Alpha-E-Variante statt Y-Trasse, darauf werden die Pläne der Deutschen Bahn in den kommenden Jahrzehnten hinauslaufen. Was auf Verden zukommen könnte, war am Mittwochabend Thema im Ausschuss für Stadtentwicklung. Erstes Projekt der Alpha-E-Variante ist der zweigleisige Ausbau der Strecke Rotenburg-Verden. Mit dem Planungen wird schon jetzt begonnen. Die Linie ist aktuell Bestandteil des derzeit gültigen Bundesverkehrswegeplans. Statt 260 könnten bis zu 300 Züge durch die Reiterstadt fahren.

Hinter den Ausbauplänen steht das Dialogforum Schiene Nord (DSN). Es setzt sich zusammen aus 94 Vertretern der Landkreise, Region Hannover, Kommunen, der Umwelt- und Verkehrsverbände, Hafenwirtschaft, Bürgerinitiativen, der beteiligten Bundesländer und der BahnAG. Damit die mit den Ausbauplänen verbundenen Bedingungen vor Ort effizient umgesetzt werden, hat sich zudem in der hiesigen Region ein Projektbeirat gegründet, dem acht kommunale Vertreter, auch aus Stadt und Landkreis Verden, angehören.

Ganz oben auf der Liste steht das Wohl von Mensch und Umwelt. „Dazu gehören aktiver Lärm- und Erschütterungsschutz, und zwar über das bisherige gesetzliche Maß hinaus“, so Brockmann. Der Projektbeirat will, dass der Schutz vor allem durch Maßnahmen direkt an der Strek-ke und nicht durch Lärmschutzfenster erreicht wird. „Sinn dieser Bedingung ist, auch die Außenwohnbereiche wie Gärten, Terrassen, Spielplätze und Grünanlagen für die Bevölkerung weiterhin erlebbar zu machen“, heißt es weiter.

Vollschutz gegen Bahnlärm soll aber nicht nur für die von Ausbau- und Neubaumaßmnahmen betroffenen Abschnitte gelten, sondern auch für die Bereiche, die aufgrund von Baumaßnahmen auf anderen Trassen mit deutlich mehr Verkehr rechnen müssen. Mit „deutlich“ meinen die Vertreter des Projektbeirates Steigerungen im Bereich zwischen 1 dB(A) am Tag sowie 0,1 dB(A) in der Nacht. Langfristig wollen die Beteiligten in Wohngebieten Werte von 45 dB(A) und im Umfeld von Krankenhäusern und Sanatorien von 35 bis 40 dB(A) anstreben. Dafür sorgen soll auch bessere Technik. „Schon heute gibt es moderne Güterwaggons, die sehr leise fahren“, deutete Brockmann an, wohin die Reise geht. Keine Angst müssen Anwohner haben, dass sie künftig vor geschlossenen Schranken stehen. „Unsere Planungshoheit ist unangetastet, alle Bahnübergänge bleiben erhalten“, verspricht der Projektbeirat.

Profitieren sollen vom Ausbau des Schienennetzes nicht nur der überregionale, sondern auch der Nahverkehr mit weiteren Bahnhöfen und einer besseren Vertaktung. „Für Verden zählen dazu der Halt in Dauelsen und gegebenenfalls auch in Walle“, betonte die Verwaltung. Und eine weitere „Baustelle“ im Stadtkern könnte abgearbeitet werden: „Ein Rückbau des stillgelegten Güterbahnhofs inklusive Oberleitungen gehört dazu“, sagte Brockmann.

Wegen der zahlreichen Nebengleise und deren sporadischer Nutzung hat die Bahn im Rahmen der Lärmsanierung bislang den Bau von durchgehenden Schutzwänden in diesem Bereich abgelehnt. Mit dem Abriss der alten könnten die neuen Wände direkt an den Hauptgleisen errichtet werden. „Das würde für die angrenzenden Gebiete erheblich mehr Wohnqualität bedeuten“, heißt es in der ausführlichen Vorlage. „Das heißt durchgehender Lärmschutz bis zur Aller“, so die Vorstellung des Verwaltungschefs.

Der Lärmschutz, auch das wurde deutlich, wird eine Stange Geld kosten. „Bislang ist die Bahn allerdings nicht legitimiert, entsprechende Zusagen zu machen“, unterstrich Tina Rulffes von der Stadtverwaltung. Der Gesetzgeber müsse die dafür notwendigen Voraussetzungen schaffen. „Da wären dann die Bundes- und Landtagsabgeordneten gefragt“, meinte Rulffes mit Blick in die Runde der Kommunalpolitiker.

Die hatten offensichtlich verstanden, wie es gemeint war. Im Ausschuss stimmten alle Fraktionen für die Vorlage der Verwaltung. - mw

www.dialogforum-schiene-nord.de

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