Verdenerin sammelt für humanitäre Organisation

Medikamente für Venezuela

Anne Strebe (mit Tochter Natalia Olivero Strebe) sammelt Medikamente für Venezuela. - Foto: Haubrock-Kriedel

Verden - Venezuela hat die größten Erdölreserven der Welt. Trotzdem ist die humanitäre Lage in dem südamerikanischen Land katastrophal. Wegen der gefallenen Ölpreise und der Misswirtschaft unter Präsident Nicolás Maduro fehlt es selbst an Grundnahrungsmitteln, von der Versorgung mit Medikamenten ganz zu schweigen. Anne Strebe hat das alles am eigenen Leib erfahren und will helfen.

Von 1982 bis 2015 hat sie mit ihrer Familie in Puerto Ordaz, Venezuela, gelebt. Wegen der immer schlechter werdenden Lage kehrte sie im vergangenen Jahr nach Verden zurück. Die 68-Jährige ist Mitglied von Programa de Ayuda Humanitaria para Venezuela (PAHP), einer Organisation, die Medikamente für Venezuela sammelt. Nun bittet sie in Verden und Umgebung um Spenden.

1982 ließ sich Anne Strebe nach Venezuela versetzen, sie arbeitete dort in leitender Position auf einer Großbaustelle. Die Verdenerin heiratete einen Venezolaner, bekam drei Kinder. Nach dem Tod ihres Mannes 2013 fasste sie den Entschluss zurückzukehren. Ein Sohn lebt schon seit neun Jahren in Deutschland und kürzlich kam auch die Tochter mit Familie nach Verden. Ein weiterer Sohn lebt weiterhin in Venezuela.

Als Hugo Chávez noch Präsident in Venezuela war, sei es besser gewesen, erzählt Anne Strebe. Doch seit Maduro 2013 an die Macht kam, habe sich die Lage heftig verschlechtert. Den dramatischen Preisanstieg für Lebensmittel verdeutlicht sie an einigen Beispielen: Kosteten im April 2015 30 Eier noch 280 Bolivar, so musste man im Juni 2016 für die gleiche Menge bereits 4.500 Bolivar bezahlen. Der Preis für Zucker stieg von 150 Bolivar auf 2.000. Die Inflation ist enorm. Vor zwei Jahren wurde der Bolivar auf dem Schwarzmarkt noch bei rund 70 je Dollar gehandelt, inzwischen sind es fast 1.000.

95 Prozent der unentbehrlichen Medikamente fehlen

„Um Lebensmittel zu bekommen, muss man sechs bis acht Stunden anstehen. Um drei Uhr morgens ist man schon die Nr. 100 in der Schlange. Dabei weiß man gar nicht, was überhaupt zu bekommen ist“, schildert Strebe die Situation. Noch dramatischer ist die Not bei Medikamenten. 95 Prozent der laut der WHO-Liste unentbehrlichen Medikamente fehlten. Altenheime müssten schließen, weil sie für ihre Bewohner weder Nahrung noch Medikamente hätten. 

Krebspatienten erhielten keine lebensrettende Chemotherapie mehr und Kinderkrankheiten kehrten zurück, weil der Impfstoff fehle. Auch Kinder- und Müttersterblichkeit nehmen zu. „Es gab Säuglinge, die starben, weil ein Medikament nicht vorhanden war. Doch die Regierung hat verboten, dass Medikamente verschickt werden. Unsere und andere Organisationen haben Hilfe angeboten, aber die Regierung erlaubt es nicht“, erzählt Strebe.

Auf Schleichwegen versuche man jetzt, die Medikamente ins Land zu bringen. „Gegenwärtig haben wir mehr als 50 Freiwillige in Venezuela und viele weitere in den USA und Europa. 150.000 Kilo medizinische Güter wurden bereits an venezolanische, nicht regierungsabhängige Einrichtungen geschickt und verteilt“, so Strebe.

Viele Menschen gehen auf die Straße

Die Bevölkerung wird ob dieser Situation immer verzweifelter, Gewaltdelikte nehmen zu. Dem Aufruf der Opposition zu einer Großdemonstration in Caracas am 1. September folgten viele tausend Venezolaner. Mit der „Einnahme von Caracas“ wollen die Gegner der sozialistischen Regierung ein Referendum gegen Präsident Maduro erzwingen. Auch in anderen Städten gehen viele Menschen auf die Straße.

Doch vorerst wird sich die Lage in Venezuela kaum ändern. Medikamente und Geld für den Versand der gespendeten Artikel werden daher dringend benötigt. „Wir nehmen auch gern angefangenen Medikamentenpackungen oder Muster an, sofern sie noch nicht verfallen sind“, sagt Anne Strebe. Für weitere Fragen steht sie unter Telefon 0176/57921818 oder E-Mail an anne.strebe@gmail.com gern zur Verfügung, Internet www.ayudahumanitariavenezuela.org. 

ahk

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