Jörg Widmann und die Kammerakademie Potsdam begeistern in der Stadthalle

Kongeniale Partner

Jörg Widmann (Mitte) bewies als Klarinettist, Komponist und Dirigent seine musikalische Vielseitigkeit. - Foto: Kreissparkasse Verden

Verden - Von Ilse Walther. Im Rahmen der 30. Niedersächsischen Musiktage, mitveranstaltet von der Stiftung der Kreissparkasse Verden, war am Donnerstag der Klarinettist Jörg Widmann gemeinsam mit der Kammerakademie Potsdam in der sehr gut besuchten Stadthalle zu Gast. Der 43-jährige Widmann ist nicht nur ein exzellenter Instrumentalist, gleichzeitig ist er ein sehr agiler und inspirierender Dirigent, und komponieren kann dieser vielseitige Musiker auch.

Die renommierte Kammerakademie Potsdam war ihm ein kongenialer Partner. Man verstand sich, und das Orchester war stets bereit, den Ideen des Musikers zu folgen. Das Ensemble musizierte mit durchdachten Phrasierungen von fast atemlosem Pianissimo bis zum intensiven Forte. In allen Streichergruppen spielte man dicht und homogen, ebenso die Bläser, die ihre besondere Klangfärbung durch den Einsatz von Naturtrompeten und Naturhörnern hatten. Soli kosteten Bläser wie Streicher wunderbar aus.

Eröffnet wurde der Abend mit der überaus farbig, abwechslungsreich und temperamentvoll gebotenen Ouverture zu „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Gemeinsam entwickelten Orchester und Dirigent die sowohl unheimliche wie auch dann lebensfrohe Stimmung perfekt.

Jörg Widmann schrieb als 20-Jähriger „180 beats per minutes“, ein minimalistisch angelegtes Sextett für zwei Violinen, eine Viola und drei Celli. Die sechs Instrumentalisten vollzogen dieses rhythmisch gesteigerte Werk, in dem die Motive immer wiederkehren, in Rhythmus verdreht oder synkopisch gefärbt, perfekt nach. Man konnte teilweise wie ein Perpetuum Mobile einen Zug hören, der immer schneller wurde.

Ganz großartig war dann der Klarinettist Widmann zu erleben in dem bekannten Klarinettenkonzert Nr. 1 f-moll op. 73 von Carl-Maria von Weber, einem wunderbar gesanglichen Werk, das vom Solisten perfekte Technik und einen beseelten Ansatz fordert. Dem wurde Widmann von Anfang an voll gerecht.

Sein Ton war beseelt, virtuos verspielt und warm, der Solist hatte einen langen Atem und keinerlei Ansatzgeräusche, er sang und erzählte mit seinem Instrument. Mühelos waren seine perlenden Läufe über alle vier Oktaven, klar und spritzig in der Höhe und füllig in der Tiefe.

Wie er gleichzeitig mit dem ganzen Körper auch das Orchester leitete, begeisterte. Dieses war ein ganz einfühlsamer Partner, abschattierend in den reinen Begleitpassagen und blühend intensiv in den Orchesterpartien.

Besonders schön waren die Dialoge, alle ungemein frisch und abwechslungsreich geboten. So die Partien des Solisten, der seine Soli aus dem Pianissimo aufblühen ließ, und dann die Antworten von Horn, Fagott, Flöte.

Im zweiten Satz waren schon Motive wie aus dem „Freischütz“ hörbar. Hier waren diese Partien zwischen den Hörnern und dem Solisten ein Traum, ebenso die der Klarinette und dem Fagott, fein untermalt vom Pizzicato der Streicher. Im dritten Satz spielten Kobolde um die Wette, es war ein jugendlich frisches und mitreißendes Musizieren, leichtfüßig, auch markant, einfühlend in der Pauke. Alles trieb herrlich farbig und tempogeladen bis zur spannenden Stretta am Ende des Satzes. Eine wirklich großartige, meisterliche Wiedergabe von Solist und Orchester.

Felix Mendelssohn-Bartholdy schrieb seine Sinfonie Nr. 1 in c-moll op. 11 im Alter von 15 Jahren. Seine Begeisterung für Weber hat er mit einfließen lassen in diese schon so eigenständige Musik, ein Werk voller sprühender Ideen und jugendlicher Begeisterung. Und das setzte die Potsdamer Kammerakademie perfekt um, spritzig, farbig, mit voranstrebenden Passagen und fabelhaft ausgesungenen Legatobögen. Ein wunderbarer Hornüberhalt ging über in wiegendes Schwärmen, der erste Satz endete mit markanten Schlussakkorden.

Stimmungsvoll war der dicht und gesanglich musizierte 2. Satz, wie ein schöner Frühlingstag. Das Menuett war dann animiert und markant, mit bezaubernd liebevoll gebotenem Trio. Es folgten der vierte Satz und das Finale dann energisch, pulsierend, tempogeladen, farbig, mit schönen Dialogen und unaufhaltsam im Tempo und Feuer gesteigert bis zum spannenden Finale.

Ein langer, sehr herzlicher Beifall beendete diesen großen Konzertabend.

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