Die Mittwoch-Kolumne zu "Schaufenster-Auslagen"

Hallo, Sommer?

Rolf Zepp.

Von Rolf Zepp. Ist er nun wirklich angekommen, der Sommer 2016 in Verden? Sind sie endlich da, die täglich wie selbstverständlich angekündigten zweistelligen Sonnenstunden mit hochsommerlichen Temperaturen nahe unbescheidener 30 Grad?

Ist jetzt wirklich Schluss mit dem Stelldichein der Wolken, die einem mit nervender Regelmäßigkeit den Sonnenschein vermiesen und eine Tageserwärmung nicht über bescheidene 18 bis 20 Grad gestatten? Zeitweise schienen wir vom Sommer in Verden ja schon so weit weg, wie die 16 Topfpalmen in unserer Fußgängerzone von der kanarischen Dattelpalme. Und, geht es Ihnen nicht auch so? Bisweilen hatte man schon den Eindruck, dass wir uns die Vorstellungskraft astreiner Sommerfreuden und dem damit verbundenen Lebensgefühl nur noch aus den Schaufenster-Auslagen des hiesigen Einzelhandels holen können. Denn da wimmelt es schließlich von verführerischen Strand- und Urlaubsszenen. Mut machende Sommermärchen werden verkündet – nicht nur im „Bücher-Sommer“ ortsansässiger Buchhandlungen. Großflächige Fenster-Deko kündigt vollmundig „24 Grad und sonnig!“ gar für den 12. Dezember 2016 an – allerdings nur für die Winterkatalog-Frühbucher eines Reisebüros.

Auf diejenigen, die so lange nicht warten wollen, lauert im weiteren Verlauf der Fußgängerzone (ab jetzt nenne ich sie unseren Sunset-Boulevard!) die Chance, „von der Sonne geküsst“ zu werden. Nur sollten diejenigen, die genau diese Chance suchen, zuvor auch wissen, „wie der Sommer duftet“. Dass ein Kuss von der Sonne ausschließlich dann „maximale Verträglichkeit“ garantiert, wenn „Höchster UV Schutz“ gegeben ist, wird ein paar Geschäfte weiter auf dem Weg in die Süderstadt (wie wär’s mit Southern Town?) in den pharmazeutischen Sommer-Auslagen mit einem überzeugenden Vorher-Nachher-Vergleich vi- sualisiert. Spätestens an diesem geographischen Punkt unseres Einkaufsboulevards spüren wir förmlich, wie wir unser bisheriges Sommersonnen-Defizit durch den Blick auf inzwischen schon mal zwölf (!) verheißungsvoll dekorierte Strand- und Urlaubs-Schaufenster kompensiert haben. Und würden wir nicht ständig vor, stattdessen in den Schaufenstern stehen, wir könnten uns in sonnengelben Liegestühlen fläzen, in feinmaschigen Fischernetzen verheddern oder barfüßig den Sand, die Muscheln und Seepferdchen zwischen unseren Zehen spüren – es sei denn, wir hätten sie vorher aus der Auslage gekauft, die drei-streifigen Badeletten für 29,95 Euro im (desillusionierenden) Sommer-Schluss-Verkauf…

… an diesem (heißen) Mittwoch

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