Die Mittwoch-Kolumne von Rolf Zepp

Immer nur Lächeln

Rolf Zepp

Von Rolf Zepp. Heute schon gelacht? Zumindest gelächelt? Ja? Gut! Folgt man dem Philosophen Kant, ist das schon mal eines von drei Dingen, die helfen, die Mühen des Tages zu tragen. Auch an einem Mittwoch.

Die beiden anderen Dinge, die uns helfen, gut durch den Tag zu kommen, sind die Hoffnung und der Schlaf. Letzteres hatten Sie hoffentlich schon. Na, und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Mithin sollten Sie alle Helfer beisammen haben, um heute für den Transport der täglichen Mühen des Lebens gerüstet zu sein. Wenn Sie jetzt nicht die Dinge, sondern einfach nur Ihre Einstellung zu ihnen ändern, dann wird wirklich alles gut, an diesem Mittwoch! Sie müssen die Geschehnisse des Tages eigentlich nur zur Farbberatung schicken. Und dann kann dieser Mittwoch kommen (wenn er nicht schon da ist). Er wird einen guten Verlauf nehmen, er wird derart Fahrt aufnehmen, dass selbst unerwarteter Graupel, Hagel, durch scharfen Ostwind hereinflatternde Rechnungen oder andere Verhaltensauffälligkeiten „Ihrem“ heutigen 21. September-Mittwoch nichts mehr anhaben können. Kopf hoch! Was der anfangs zitierte Königsberger Philosoph einst eher „kantig“ formuliert, nennen seine Nachfolger der Gegenwart „positives Denken“ oder eben deutlich cooler „Cheer up“, mach dir die Welt, so wie sie dir gefällt. Motto: Lächle und die Welt lächelt zurück. Wenn nötig, dazu noch schnell eine Face-Lift-App auf‘s Smartphone laden. Und, Smiley, der Tag flutscht.

Doch Stopp an dieser Stelle. Schließlich lassen sich beim besten Willen nicht alle Probleme unseres Erdenseins einfach mal so weglächeln. Schon gar nicht durch Dauerlächeln oder, noch schlimmer: zwanghaftes Lächeln. Frag ich Sie: Heute schon wiederholt gelächelt? Ja? Wohlmöglich anhaltend? Gar dauerhaft? Gar gezwungenermaßen? Oh! Vorsicht, das könnte Sie sogar krank machen! Davor warnt nämlich ein ganzes Rudel internationaler Neuropsychologen, die sich immerhin schon seit gut 20 Jahren mit den medizinischen Folgen „erzwungenen“ Lachens befassen. Korreliert nämlich dieses Zwangslachen mit Regionen unseres Gehirns, die dazu da sind, negative Gefühle auszulösen, dann kann das zwanghafte Dauerlächeln im schlimmsten aller Fälle sogar zu einer Unterversorgung des Herzens mit Sauerstoff führen. Und, Sie ahnen es schon, dann wären wir nicht mehr weit weg vom viel zitierten Totlachen. Wohlweislich ein anderes, als das aufrichtige, das Herz zu Herz verbindende, laute und ansteckende Lachen. Genau das heute zu hören,wünsch ich uns …

… an diesem Mittwoch.

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