Toxikologe Dr. Hermann Kruse in Walle

Keine Förderung ohne Gifte

Referent Dr. Hermann Kruse vom Toxikologischen Institut der Universität Kiel.

Walle - Welche Stoffe entstehen bei der Förderung von Erdgas? Und vor allem: Welche Gefahren gehen von ihnen aus. Mit diesen Fragen befasste sich ein Vortrag in Walle, zu dem die örtliche Bürgerinitiative (BI) gegen Gasbohren gemeinsam mit Bärbel Rater aus Dauelsen und der Kreisgruppe Verden des BUND eingeladen hatte. Das Interesse an dem Thema war groß; Dr. Hermann Kruse vom Toxikologischen Institut der Universität Kiel referierte vor rund 60 Zuhörern im Dörpshus.

Kruse untersucht schon seit Jahren die toxikologischen Auswirkungen einer Erdgasförderung auf Mensch und Umwelt. In Walle habe er deutlich gemacht, dass es keine umweltverträgliche Förderung von fossilen Brennstoffen, sei es nun Erdgas oder Erdöl, ohne Ausstoß von umweltschädlichen Stoffen geben könne, berichtet BI-Sprecher Martin-P. Busch. Es fielen dabei beispielsweise Benzol, Xylol und Toluol l an, die stark toxisch auf Mensch und Umwelt wirkten.

Insbesondere sei Kruse auf das Lagerstättenwasser ein, das laut Busch in Zukunft an der Bohrstelle Völkersen-Nord Z3 und Z2 nahe dem Waller Moor und dem Spanger Forst erst probeweise und dann endgültig verpresst werden solle – in einer Größenordnung von zwei Millionen Litern. Dabei sei zu berücksichtigen sei, so Kruse, dass selbst kleinste Mengen das Fass der Belastung für Mensch und Natur zum Überlaufen bringen könnten.

Zudem habe der Toxikologe darauf hingewiesen, dass allein beim Abfackeln der überschüssigen Gase im Rahmen einer Bohrung umweltgefährdende und -schädigende Stoffe abgegeben würden, die sich über die Luft in der Umgebung verbreiten würden. Dies ließe sich auch durch einen noch so starken Filter nicht verhindern.

Die Forderung Kruses nach umfangreichen Messungen mit dem Ziel, objektive Daten zu erlangen, stieß bei den Zuhörern auf breite Zustimmung. Objektiv bedeute eine Erfassung durch unabhängige Gutachter, die von der öffentlichen Hand bestellt und von der Industrie bezahlt werden müssten.

Für ihn sei es absolut unverständlich, dass solche Untersuchungen bislang nicht oder nur unvollständig und schon gar nicht unter den notwendigen wissenschaftlichen Voraussetzungen erhoben worden seien, betonte Kruse. Denn es sei ein Unding, bei heutigen Messungen nicht auf die Daten zu einem früheren Ist-Zustand zurückgreifen zu können.

Der Toxikologe forderte die Anwesenden auf, politisch aktiv zu werden, sich bei den verantwortlichen Kommunen, Landkreisen und auch dem Land Niedersachsen für eine umfangreiche Datensammlung einzusetzen, die auch der Bevölkerung zugänglich gemacht werden.

Seine Ausführungen schloss Kruse mit Forderungen nach einer umfassenden Umweltverträglichkeitsprüfung aller Anlagen und oberirdischen Produktleitungen sowie dem Verbot der Verpressung von Lagerstättenwasser in Wasserschutzgebieten. Darüberhinaus verlangte er die Erstellung humantoxikologischer Gutachten sowie ein umfassendes Humanmonitoring und eine umfassende Erhebung von gesundheitsbezogenen Zuständen und Ereignissen in der Bevölkerung im Zusammenhang mit Erdgasförderung.

In der anschließenden Diskussion, berichtet Martin P. Busch, seien zahlreiche Stimmen laut geworden, die dem für die Erdgasförderung zuständigem Landesbergamt für Energie und Bergbau eine Objektivität absprachen. Der Behörde sei insbesondere eine zu große Nähe zur Industrie und eine mangelnde Transparenz gegenüber interessierten und betroffenen Bürgern vorgeworfen worden, so der BI-Sprecher weiter. Auch die Frage nach einer entsprechenden personellen und materiellen Ausstattung wurde gestellt.

„Seitens der Politik müssten schnell Maßnahmen ergriffen werden, die Voraussetzungen schaffen, entsprechende Daten erheben zu könnnen und diese den Betroffenen zur Verfügung zu stellen“, zitiert Busch aus der Versammlung. Es könne nicht sein, dass sich die Industrie mit dem Hinweis auf Datenschutz und Betriebsgeheimnisse den Interessen der Menschen entgegenstelle.

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