Stücke für neue Spielzeit ausgewählt

Vom „Kalten Herz“ bis zum „Hotel Paradiso“

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Der Theaterbeirat traf die Vorauswahl der Stücke. Stehend (v.l.) Eckhard Lenk, Hanna Meyer und Hans-Joachim Benner. Sitzend Dierk Westphal und Otto Pemöller. 

Verden - Schon jetzt stellt der Theaterbeirat die Weichen für die Spielsaison 2017/2018. Eine Vorauswahl der Stücke aus dem umfangreichen Programm deutscher Tourneetheater wurde bereits getroffen. Am Freitagabend hatten interessierte Theaterfreunde die Gelegenheit, gemeinsam mit dem Beirat zu bestimmen, welche Stücke in der neuen Spielzeit in der Stadthalle über die Bühne gehen.

Wie in den Vorjahren werden jeweils ein Stück aus den Bereichen Klassik und Klassische Moderne sowie zwei Stücke aus dem Bereich Zeitgenössisches Drama ausgewählt. Zuvor hatte die Sprecherin des Theaterbeirats, Kathrein Goldbach, noch einige Zahlen mitgebracht. Sie berichtete, dass durchschnittlich 360 Zuschauer pro Vorstellung ins Theater kommen, ein gutes Ergebnis. Für die neue Saison seien schon jetzt 221 Abos fest gebucht, bei den Mini-Abos sind es bislang circa 70.

Nach der Kurzvorstellung der vorausgewählten Stücke wurde abgestimmt. Bei den Klassikern fiel die Entscheidung eindeutig zu Gunsten des musikalischen Schauspiels „Das kalte Herz“ aus. Das Stück von Rebekka Kricheldorf nach Wilhelm Hauff wird in einer Aufführung des Rheinischen Landestheaters Neuss zu sehen sein.

Der Klassiker der Romantik erzählt die Geschichte vom Köhler Peter Munk, der beim Glasmännlein, einem guten Waldgeist, drei Wünsche frei hat. Der Wunsch nach Reichtum wird ihm zum Verhängnis, er verprasst sein Geld. Als ihm das Glasmännlein nicht mehr weiterhelfen will, verkauft er sein Herz an den dämonischen Holländer-Michel.

Peters neues Herz ist aus Stein und er wird wieder reich, aber auch zynisch und hartherzig. Als schließlich seine Frau durch sein Verschulden ums Leben kommt, befällt ihn Reue und er versucht verzweifelt, sein Herz aus Fleisch und Blut zurück zu erlangen.

Auch im Bereich Klassische Moderne gab es ein eindeutiges Ergebnis. Die Wahl fiel auf Tennessee Williams' „Die Glasmenagerie“, gespielt von der Komödie am Kurfürstendamm Berlin. Das Besondere ist, dass drei Generationen Thalbach an dieser Aufführung mitwirken. Katharina Thalbach inszenierte das Stück mit ihrer Tochter Anna und ihrer Enkelin Nellie in den Hauptrollen.

Drei Genrationen Thalbach

Amanda Wingfield lebt mit ihren beiden erwachsenen Kindern Tom und Laura in einer kleinen Wohnung in St. Louis. Seit dem Verschwinden des Vaters sind die drei ganz auf sich allein gestellt. Jeder versucht auf seine Weise, der Tristesse des ärmlichen Alltags zu entfliehen. So konzentriert sich Laura ganz auf ihre Sammlung zerbrechlicher Glastiere – ihre Glasmenagerie.

Mit Jim O'Connor, einem Arbeitskollegen von Tom, kommt Bewegung in das Leben der Familie. Für Mutter Amanda wäre er der optimale Heiratskandidat für Laura, tatsächlich kommen die beiden sich näher. Doch dann zerbricht eines von Lauras geliebten Glastierchen und damit auch der Traum, dass alles möglich gewesen wäre.

Bei den zeitgenössischen Stücken galt eins von vornherein als gesetzt, nämlich die Familie Flöz mit „Hotel Paradiso“. „Wir hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben, dieses Stück jemals zu bekommen“, so Dierk Westphal vom Theaterbeitrat.

Die schwarze Komödie spielt in einem heruntergekommenen Hotel. Der Familienbetrieb wird von der Seniorchefin mühsam aufrechterhalten. Als der erste Tote auftaucht, geraten alle, Personal und Gäste, in einen Strudel bitterböser Ereignisse. Der Niedergang des Hotels scheint besiegelt, denn Leichen sind in jedem Fall schlecht fürs Geschäft. Alle Schauspieler tragen Masken. Der einzige Ton der während der Aufführung zu hören ist, ist das Bellen eines Hundes. „Ohne Worte und doch enorm ausdrucksstark“, fasst Westphal zusammen.

Als zweites Stück in dieser Kategorie entschied man sich für „Geächtet“ von Ayad Akhtar in einer Inszenierung des Alten Schauspielhauses Stuttgart.

Amir Kapoor lebt den amerikanischen Traum: Der Sohn pakistanischer Einwanderer ist Anwalt und arbeitet in einer renommierten jüdischen Kanzlei in New York. Seine Strategie heißt Assimilation, doch das bedeutet auch die Abkehr von seinen Wurzeln, dem Islam. Seine Frau Emily, eine weiße Amerikanerin, entdeckt durch die Malerei die islamische Kultur für sich. Als beim Abendessen mit ihrem jüdisch-amerikanischen Kurator und dessen afroamerikanischer Frau eine Diskussion über religiöse Traditionen eskaliert, verliert Amir inmitten aller Positionen die Kontrolle, er holt zum Befreiungsschlag aus und bringt sein Selbstbild ins Wanken.

Auch Kabarett darf in der neuen Saison nicht fehlen. Zum zweiten Mal konnte Mathias Richling gewonnen werden. „Ein Garant für ein ausverkauftes Haus“, so Sabine Münzberg, Kulturförderung Stadt Verden.  

ahk

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