18. Verdener Stadtlauf mit internationalem Flair

Japanische Lehrerin startet mit zehn Flüchtlingen

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Dr. Hitomi Otsuka mit den Flüchtlingen, denen sie Deutsch beibringt.

Verden - Von Jürgen Thiele. Als wir uns zum ersten Mal verabreden und sie in ihrer Muttersprache mit „Konnichiwa“ (Guten Tag) begrüßt wird, lächelt sie überrascht. Dr. Hitomi Otsuka ist Japanerin, geboren in Tokyo. Ihre Muttersprache wird international wenig gesprochen. In Verden sowieso nicht. Aber es freut sie, dass sie so begrüßt wird.

Sie arbeitet als Dozentin für Deutsch als Zweitsprache an der Volkshochschule Verden, wo die 38-Jährige eine Gruppe junger Migranten betreut. Deren Sprachkurs wird von der Agentur für Arbeit finanziert. Die Arbeit ist sehr berufsbezogen, das Programm heißt „Intega“. Diese Ausbildung umfasst neun Module und steigert sich immer weiter in der Anforderung an die Lernenden. Es ist aber auch eine Herausforderung für die Lehrenden, also auch für Hitomi. In ihrer Klasse unterrichtet sie 16 junge Männer. Sie kommen aus dem Iran, Irak, Syrien und Afghanistan. In der Vorstellungsrunde, ganz am Anfang der Ausbildung, haben alle von ihren persönlichen Vorlieben erzählt. Bei vielen war das der Sport.

Und daran erinnerte Hitomi sich, als sie in ihrer Klasse auf den Stadtlauf am Freitag, 26. August, hinwies, bei dem Flüchtlinge ohne Startgebühr laufen dürfen, wenn sie von ihrem Lehrer oder Integrationslotsen angemeldet werden. Spontan meldeten sich acht Läufer für die zehn Kilometer lange Strecke und zwei für den Lauf über viereinhalb Kilometer. Das bringt die Tennisspielerin und Läuferin in einen persönlichen Konflikt. Sie selbst ist eine engagierte Läuferin, in Deutschland hat sie in den letzten Jahren drei Marathonläufe absolviert. Soll sie in Verden ihr eigenes Tempo laufen oder sich lieber dem Tempo ihrer Schützlinge anpassen? „Das muss einfach die Situation ergeben, das Problem löst sich dann beim Lauf selbst“, so Hitomi.

Den letzten Marathonlauf hat sie im vergangenen Jahr in Bremen absolviert, in 3 Stunden und 42 Minuten. In Erinnerung geblieben aber ist ihr vor zwei Jahren der Lauf in Lindau: Vor dem Lauf hatte sie sich einen Ermüdungsbruch zugezogen, ist aber trotzdem die ganze Distanz gelaufen, in 4 Stunden und 28 Minuten. Eine zähe, willensstarke Japanerin. Das soll in der zweiten Jahreshälfte besser werden – dann wieder beim Bremen-Marathon. Vielleicht kann sie dort wieder ihre Medaillen-Sammlung erweitern.

Offene und nette Menschen

Auf die Frage, worauf sie besonders stolz ist, kommt die Antwort von der Japanerin spontan: „Ich bin jetzt schon 14 Jahre in Deutschland.Ich mag die Kultur, und die immer offenen und netten Menschen hier.“ Da verwundert es nicht, dass sie neben den Hobbies Laufen und Tennisspielen auch gerne Klavier und Klarinette spielt. Außerdem mag Hitomi Volksmusik: „So mit Polka und Ähnlichem.“ Das verwundert dann ihren Gesprächspartner sehr.

Ihre Lieblingssportart sei Tennis und ihr Lieblingsspieler Kei Nishikori – der Japaner, der gerade erst Bronze in Rio gewonnen hat. Einen speziellen Geschmack hat Hitomi auch bei einem Lieblingssprichwort. Da zitiert sie den englischen Komponisten Benjamin Britten „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Sobald man aufhört, treibt man zurück.“ Das passt zu ihr und ihrem Blick in die Zukunft: Unterrichten an einer Universität, in Japan oder Deutschland. Das Gespräch beendet der Deutsche auf Japanisch: „Domo arrigato – herzlichen Dank“. „Dozo – bitte sehr“. Da lächelt Hitomi nicht, nein – sie strahlt.

Informationen zum Verdener Stadtlauf gibt es unter www.lgkv.de, aber auch auf der Facebookseite „Vastl Verden. Nachmeldungen für den Lauf sind am Veranstaltungstag bis zwei Stunden vor Laufstart möglich am Stellplatz im Domeingang.

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