20 Jahre Haus der Lebenshilfe Rotenburg-Verden am Oderplatz: Mitarbeiter und Bewohner blicken gemeinsam zurück

Damals erste Einrichtung für betreutes Wohnen im Landkreis

Präsentkörbe für Männer und Frauen der ersten Stunde: Rita Thalies, Bereichsleiter Hans-Joachim Hopfe, Kerstin Wilmer und Ulf Hennig (v. l.).
+
Präsentkörbe für Männer und Frauen der ersten Stunde: Rita Thalies, Bereichsleiter Hans-Joachim Hopfe, Kerstin Wilmer und Ulf Hennig (v. l.).

Verden - 20 Jahre Wohnhaus Oderplatz in Verden: Dieses Jubiläum war gleich zu Beginn des neuen Jahres für alle Mitarbeiter und Bewohner ein Anlass zum Feiern und zu einem erfreulichen Rückblick. Mit Hauswirtschaftsleiterin Rita Thalies, Erzieherin Kerstin Wilmer und Erzieher Ulf Hennig waren gleich drei Mitarbeiter von der ersten Stunde an mit dabei.

Hans-Joachim Hopfe, der den Bereich Wohnen der Lebenshilfe Rotenburg-Verden leitet, hatte damals in den beiden oberen Etagen des Miethauses am Oderplatz ein Wohnhaus für Menschen mit geistiger Behinderung angemietet und die neuen Mitarbeiter eingestellt. Und da sei, wie er augenzwinkernd bemerkte, „kein Fehlgriff dabei“ gewesen. So konnte er sich selbst ebenso wie den Kollegen zu 20 Jahren erfolgreicher Arbeit gratulieren.

„Dieses Wohnhaus war unsere erste Einrichtung im Landkreis Verden“, sagte Hopfe, „noch vor der Eröffnung der Werkstätten in Dauelsen.“ Damals seien die Bewohner mit Bussen zur Arbeit nach Rotenburg oder Walsrode gebracht worden. Das damals innovative Wohnprojekt sei ein Vorgriff auf die Inklusion gewesen, obwohl man den Begriff noch nicht einmal gekannt habe.

Ulf Hennig, der am 1. Januar 1996 als Erzieher eingestellt wurde, war damals der einzige Mann in dem jungen Team am Oderplatz. Auch wenn sich seitdem vieles gewandelt habe, sei eines unverändert geblieben. In einem der ersten Zeugnisse nämlich habe gestanden: „Sein Umgang mit den Bewohnern war geprägt von Ruhe, Geduld und Einfühlungsvermögen.“ Damit habe er maßgeblich zu der besonderen, herzlichen und angenehmen Atmosphäre beigetragen.

„Wir haben eigentlich nie das Gefühl gehabt, dass die Nachbarn uns als Wohnheim wahrgenommen haben“, so Hennig. Unsere Bewohner gehörten von Anfang an mit zur Nachbarschaft, und das Umfeld war ihnen gegenüber immer aufgeschlossen.“

Auch Kerstin Wilmer, ebenfalls als Erzieherin von Anfang an mit am Start, habe sich stets mit großem Einsatz eingebracht, so Hopfe. Mittlerweile ist sie Abteilungsleiterin im ambulant betreuten Wohnen und immer noch fühlt sie sich dem Wohnhaus verbunden. Bei ihren Besuchen von den Bewohnern werde sie angesprochen, als sei sie erst gestern dort gewesen. „Manchmal suche ich sogar noch meine Schlüssel in der Tasche“, sagt sie.

Rita Thalies sei als Hauswirtschafterin ins Team gekommen, und schon in ihrem Bewerbungsschreiben habe man die zupackende Energie gespürt, mit der sie seitdem alles im Griff habe.

„Ich habe von ihr gelernt, wie man Wäsche wäscht“, bekannte Hennig, und Kerstin Wilmer fügt hinzu: „Ich habe unter ihrer Anleitung meine erste Mehlschwitze gemacht.“ Thalies' Beitrag zur Verselbständigung der Bewohner ist denn auch unschätzbar; eine ganze Zahl von Bewohnern konnte inzwischen ins ambulant betreute Wohnen oder in eine Wohngruppe wechseln.

Heute wohnen hier sechs Menschen, die vom Einzugstag am 2. Januar 1996 an dabei waren. Eine von ihnen ist die 55-jährige Karin Holzenleiter. „Davor hab ich bei meinen Eltern gewohnt“, erzählt sie, „und ich hatte ein bisschen Angst.“ Doch das sei besser geworden, „weil alle so nett waren. Ich bleib für immer hier“, ist sie überzeugt.

Das Allerspannendste und Bewegendste in diesen 20 Jahren war die Geburt der kleinen Nathalie. Die Tochter eines Paares mit geistigen Behinderungen war bereits „vor ihrer Geburt eingezogen“. Nach eingehenden Diskussionen „zwischen der Kopf- und Bauchfraktion“, so Hennig, habe man sich entschlossen, diese damals so ungewöhnliche Mutterschaft gemeinsam zu begleiten. Daraus sei, erzählt Kerstin Wilmer stolz, „eine fröhliche, lebensbejahende junge Frau von 19 Jahren geworden, die im ambulant betreuten Wohnen super zurecht kommt.“

Mehr zum Thema:

Von der Leyen in Ankara: Kein Durchbruch im Streit um Incirlik

Von der Leyen in Ankara: Kein Durchbruch im Streit um Incirlik

Erste Shelby Cobra wird versteigert

Erste Shelby Cobra wird versteigert

Bürgerschießen in Hoya

Bürgerschießen in Hoya

Meistgelesene Artikel

Brexit: Es ist wie ein böser Traum

Brexit: Es ist wie ein böser Traum

„Ihr seid keine Menschen mehr“

„Ihr seid keine Menschen mehr“

Nötigungsprozess: „Ihr seid keine Menschen mehr“

Nötigungsprozess: „Ihr seid keine Menschen mehr“

Unter Doping-Verdacht vorm Amtsgericht

Unter Doping-Verdacht vorm Amtsgericht

Kommentare