Autor und Kabarettist in Verden

Bov Bjerg liest in der Stadtbibliothek

Bov Bjerg las in der Stadtbibliothek. - Foto: Niemann

Verden - Erwartungsvolle Stimmung am Mittwochabend in der Stadtbibliothek. Und dann großer Beifall beim Eintritt des Autors und Kabarettisten Bov Bjerg, den der Förderverein der Bibliothek nach Verden geholt hatte. Er ist der, der den Erfolgsroman „Auerhaus“ geschrieben und unlängst den Erzählband „Die Modernisierung meiner Mutter“ nachgelegt hat.

Beide Bücher stellte der Erfolgsautor – bürgerlich Rolf Böttcher – vor und unterhielt sein Publikum damit ganz großartig.

„Auerhaus“ führt zurück in die schwäbische Provinz der 80er-Jahre. Protagonist ist der Ich-Erzähler Höppner Hühnerknecht, über dessen Haupt die nahende Abiturprüfung schwebt und der zudem mit zunehmender Sorge seiner Musterung entgegensieht, sofern es ihm nicht noch gelingt, rechtzeitig nach Berlin abzuhauen.

Doch dann geschieht etwas völlig Unerwartetes und der zuvor so lethargische Höppner wird aktiv: Sein Klassenkamerad Frieder, der von allen nur „der Bauer“ genannt wird, hat versucht, sich mit Tabletten das Leben zu nehmen. Er landet in einer Anstalt, wo ein Psychiater ihm rät, von daheim auszuziehen. Aber alleine wohnen soll Frieder auch nicht, und so ziehen Höppner, seine grünhaarige, kleptomane Freundin Vera, Frieder und Cäcilia, eine weitere Klassenkameradin, in das Haus von Frieders verstorbenen Opa. Weil der Madness-Song „Our House“ ziemlich oft aus dem Kassettenrekorder der WG dröhnt, bekommt das Haus von den anderen Dorfbewohnern kurzerhand die Bezeichnung „Auerhaus“ verpasst.

Doch das Zusammenleben der Heranwachsenden ist nur scheinbar unbeschwert und leicht. Höppner etwa sorgt sich unentwegt um Frieder und ist stets von der Vorstellung geplagt, nach Hause zu kommen und den Freund tot aufzufinden. So durchziehen das vordergründig fröhliche Geplänkel stets auch ein wenig Schwermut.

Im Anschluss las Bjerg aus „Die Modernisierung meiner Mutter“, in dem 22 Geschichten aus den vergangenen 20 Jahren zusammengefasst sind. Geschichten, die zwar unterschiedlich im Inhalt sind, im sprachlichen Duktus aber doch sehr an „Auerhaus“ erinnern.

Für seine Lesung hatte Bjerg gleich die erste Geschichte gewählt, die von einem Jungen erzählt, der bei seiner alleinerziehenden Mutter aufwächst. Ihre „Modernisierung“ besteht darin, dass sie den Führerschein macht, einen neuen Job findet und sich – wenn auch spät – endlich emanzipiert.

In Bjergs Geschichten steckt viel Selbsterlebtes, präsentiert von einem Mann, der ebenso amüsant und frech als auch liebevoll und nachdenklich machend schreiben kann. Seine Sprache ist eingängig, gewürzt mit vielen Gags, die der Autor allerdings nicht plump aneinanderreiht, sondern eher versteckt einstreut, wenn er die rührend-komischen Geschichten um seine Protagonisten zeichnet.

Etwa als die Mutter eine Haushaltsstelle bei den Eltern eines Mitschülers annimmt, einem mehr als frommen Lehrerpaar, das mit seinen Kindern auf Latein kommuniziert. Als die Mutter aus Höflichkeit das Lieblingsgericht ihres Sohnes nach einem Rezept ihrer bigotten Arbeitgeberin zubereitet, kommt es dort im Esszimmer der Familie zum lachtränentreibenden Showdown. Der gipfelt in einem aberwitzigen, nicht enden wollenden Erbrechen des Erzählers und ist Ausdruck von dessen Ablehnung der gesellschaftlich höhergestellten Familie.

Im Anschluss an die Lesung ließ sich der Autor auch noch Zeit für Fragen und ging auf Autogrammwünsche des Publikums ein.  

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