Persönliche Erfahrungen mit Inklusion

Schauspielerin Carina Kühne spricht über ihr Leben mit Down-Sydrom

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Carina Kühne mit einem Bild, das sie vor ihrem Vortrag im Atelier des Arbeitskreises gemalt hat. Es zeigt ihren weißen Schäferhund. „Mein bester Freund“, sagte sie. 

Verden - Carina Kühne ist preisgekrönte Schauspielerin, Sprecherin, Bloggerin und engagierte Aktivistin für Inklusion. Und sie hat das Down-Syndrom. Am Dienstagabend hat sie auf Einladung des Arbeitskreises Down-Syndrom erzählt, wie sie die Welt sieht und von persönlichen Erfahrungen mit Inklusion berichtet.

Carina Kühne ist eine offene, sympathische junge Frau, die gerne und viel lacht. „Ich lebe auch sehr gerne“, sagt sie. Ihr Leben sei gut, so wie es ist. Das Schauspielern bereite ihr große Freude, sie genieße die Fotoshootings und finde es schön, im Rampenlicht zu stehen. „Ich bin behindert, ich bin nicht krank“, verdeutlicht sie, und dass sie unter dem Down-Syndrom nicht leide. „Ich leide aber manchmal an den Reaktionen meiner Umwelt. Wenn Menschen mich aufgrund meines Andersseins respektlos behandeln.“

Einen Schulabschluss mit Down-Syndrom schaffen? „Das geht“, sagt Carina Kühne, die den Hauptschulabschluss mit dem Notendurchschnitt von 2,3 geschafft hat. „In ihrem Leben ging es immer ums Weiterkommen und Weitermachen. Carina hat schon als Kind nie aufgegeben und allen Rückschlägen zum Trotz immer weiter gemacht“, erzählt ihre Mutter, die die Tochter zum Vortrag begleitet hat. „Sie wollte immer zeigen, dass sie es schafft, getreu dem Motto jetzt erst recht.

Dass sie natürlich weiß, dass sie anders ist, verhehlt Kühne nicht. Aber sie fordert das Recht auf ihre und auf die Eigenständigkeit aller Menschen und akzeptiert nicht, dass Menschen, nur weil sie ein Handicap haben, Konzepte übergestülpt bekommen. „Ich weiß selbst am besten, was gut für mich ist“, sagt sie selbstbewusst. Die Zuhörer, darunter vor allem behinderte junge Menschen und deren Eltern, applaudierte.

Vorurteile von Pädagogen

Wenn die junge Frau auf ihre Kindheit und Jugend zurückblickt oder von schulischen und beruflichen Ereignissen erzählt, wird deutlich, dass längst nicht immer alles ein Kinderspiel war. Vor allem nach der Grundschulzeit sahen sich Carina und ihre Mutter zunehmend mit Vorurteilen von Pädagogen konfrontiert. Der Weg sei steiniger geworden.

Man habe ihr das schulische Leistungsvermögen einfach abgesprochen und ihr teils sogar die Teilhabe am Unterricht verboten, erzählt Kühne, die sogar eine Zwangseinweisung auf eine Förderschule erhalten hat. „Auf der Regelschule habe ich mich wohl gefühlt. Ich habe dazu gehört. Doch dann habe ich eine neue Lehrerin bekommen, die mir das Leben schwer gemacht hat. Sie war der Meinung, dass ich dies und jenes gar nicht können kann.“

So habe sie Druckschrift schreiben müssen, was ihr sehr schwer gefallen sei, habe nicht am Fahrradtraining teilnehmen dürfen oder täglich bestimmte Sätze schreiben müssen. Mit dem Rektorenwechsel sei es dann besser geworden. „Schließlich habe ich es dann geschafft“, sagt Kühne, die stolz in einer Filmsequenz zeigt, wie sie ihren Hauptschulabschluss entgegennimmt.

"Ich bin ein Fan der Inklusion"

Als eine Frau aus dem Publikum fragt, ob sie, ebenso wie die Nicole, die Kühne in dem Film „Be my Baby“ verkörpert, heiraten und ein Kind bekommen möchte, antwortet diese, dass sie sich durchaus vorstellen könne, eine Familie zu gründen. Trotzdem habe sie sich gegen Kinder entschieden. „Ich habe das Down-Syndrom und Angst, dass ich es vielleicht vererben würde, zumal eine Fruchtwasseruntersuchung während der Schwangerschaft für mich nicht infrage kommt. Da ich aber weiß, wie schwer es für Menschen mit Behinderung ist, einen Platz in der Regelschule, auf dem Arbeitsmarkt oder eine ganz normale Rolle in einem Film zu bekommen, möchte ich das meinem Kind ersparen.“ Und abschließend: „Ich bin ein Fan der Inklusion. Ich habe nie eine Behinderteneinrichtung besucht und, unterstützt und gefördert durch meine Familie, stets Inklusion gelebt. Das wünsche ich mir auch in den Filmrollen, wo ich nicht immer die Behinderte spielen möchte. Ich würde mich freuen, wenn ich auch im Film Inklusion leben dürfte. Ich möchte gerne zeigen, dass auch Menschen mit Down-Syndrom etwas leisten können und dass sie dazu gehören.“ - nie

Weitere Infomationen über Carina Kühne unter

www.carinakuehne.de

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