Verdener Männerchor von 1876 feiert 140. Geburtstag

Freude an der Musik und viel Humor beim Miteinander

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Der Verdener Männerchor feiert sein 140-jähriges Bestehen.

Verden - Von Markus Wienken. Es ist schon deutlich zu spüren, da hat einer wirklich große Freude an der Musik. „Sonst würde ich das bestimmt nicht mehr machen“, lacht Richard Rust, erster Vorsitzender des Verdener Männerchors. Am 3. Dezember feiert das Ensemble seinen 140. Geburtstag.

Das ein Chor überhaupt so alt werden kann, ist eben auch ein Verdienst von Menschen wie Rust, die sich ehrenamtlich engagieren, trotz eines – mit Verlaub – gesetzten Alters von mittlerweile 80 Jahren.

Die Freunde an der Musik, der Humor im Umgang mit den Kollegen des Chors sind dann auch sicherlich die Gründe für den Fortbestand des etwa 50-köpfigen Ensembles. „Klar, wir sind schon etwas in die Jahre gekommen“, so Rust mit Blick auf seine Mannschaft. 

Rainer Heitmann, zweiter Vorsitzender, sitzt neben ihm und stimmt ihm zu. „Zusammen sind wir mit 145 Jahren mittlerweile älter als der Chor – aber schreiben Sie das bloß nicht“, lacht er mit einem Augenzwinkern. Rust singt schon seit über 50 Jahren im Verdener Männerchor, Heitmann immerhin 27 Jahre.

Die Geschichte des VMC beginnt 1876 und ist urkundlich belegt. Im Jahre 2011 wurde ein Dokument im Archiv des VMC gefunden, das aus dem Gründungsjahr datiert. Die handschriftlich in Sütterlin verfassten Statuten des Schützen-Gesangvereins, in Kraft getreten am 3. Mai 1901. 27 Aktive des Verdener Schützenvereins gründeten den „Schützen-Gesangverein Verden“. Unter der Chorleitung von Gustav Leonhard jun. sollte sich der Männergesangsverein von 1876, oder MGV v. 1876, wie er sich verkürzt nannte, zum rührigsten der Verdener Chöre entwickeln.

Happen mit Wurstzipfel und Hackepeter

Der Erste Weltkrieg führte zu einer deutlichen Zäsur im Vereinsleben. Aber im Jahr 1926, so ist in der Chronik nachzulesen, konnte der Chor wieder 40 Mitglieder verzeichnen – darunter acht Schlachtermeister – die sich jeden Donnerstag beim „Sandwirt“ Fritz Winkel im Kleinbahnhof trafen. Aus dieser Zeit ist auch noch das traditionelle Happenschneiden erhalten -– Wurstzipfel und Hackepeter.

Die Zeit des Nationalsozialismus' brachte einen weiteren Einschnitt. Eine Verordnung von 1933 legte fest, dass nur Chöre mit einer Mitgliederzahl über 40 Sänger eigenständig bleiben durften. Aus diesem Grund hatten sich die Verdener Liedertafel von 1835, Fortschritt-Harmonie, Concordia und der MGV zu der Arbeitsgemeinschaft der Verdener Gesangvereine zusammengeschlossen. Nach vielen Austritten aus Anlass nationaler Veranstaltungen wurde der Chorbetrieb mangels Beteiligung geschlossen.

Der Zweite Weltkrieg bedeutete wieder eine Zäsur. Durch die Einberufung der meisten Sänger zum Wehrdienst gab es zu wenig Aktive, sodass die Liedertafel eine Zwangspause eingelegt hatte. Die verbliebenen Sänger waren beim MGV zu Gast und entschlossen sich nach 1946 zum Übertritt.

In der Nachkriegszeit baute der Chor sein Repertoire und vor allem seine Kontakte zu anderen Chören aus. „Das Jahr 1976, unser 100-jähriges Jubiläum, bot viele Höhepunkte“, erinnert sich Rust. Beim Jubiläumskonzert wirkte die Musikvereinigung „Stedelijke Harmonie Harderwijk“ aus den Niederlanden mit – ein Blasorchester mit Drum-Band und Tanz-Garde. Und es gab eine Reise nach New York. „Wir besuchten den Heimatverein ,Amt Verdener Club, New York’ und nahmen an der Steuben-Parade teil“, so Rust.

Zu Hause, so darf ohne Übertreibung gesagt werden, fühlt sich der VMC seit 1982 im Sängerheim „Bella Vista“. Das Gebäude von 1862 wurde zuvor verschiedentlich genutzt, drohte zu verfallen, bis der Männerchor 1982 dasHaus an der Aller von der Stadt Verden pachten konnte und in Eigenarbeit vollständig restaurierte. Seitdem ist das „Bella Vista“ Treffpunkt verschiedener Verdener Chöre geworden und das Zentrum des Verdener Männerchors.

Proben donnerstags im „Bella Vista“

Auch die Tradition zog mit in das Haus ein: Wie in den Jahrzehnten zuvor finden im „Bella Vista“ jeden Donnerstag die Proben statt, werden die Sitzungen des Vorstandes durchgeführt, wird das umfangreiche Notenarchiv vorgehalten und werden verschiedene Festlichkeiten ausgerichtet. „Zuletzt haben wir 2001 einen Empfang anlässlich des 125-jährigen Bestehens des VMC gegeben“, erinnert sich Rust. Höhepunkt war damals ein Konzert mit Gunther Emmerlich und der Eintrag aller Sänger in das Goldene Buch der Stadt Verden.

Das Repertoire des Chores umfasst nach 140 Jahren alle Richtungen, darunter klassische Männerchorstücke, Schlager, Volkslieder, Shantys bis hin zu Gospel, aber natürlich auch neue und alte Chormusik. Über die Jahrzehnte hat sich der VMC unter den jeweiligen Dirigenten und Vorständen auch international entwickelt. 

Die im Laufe der Jahre durchgeführten Chorreisen des VMC nach Amerika, Island, Kanada und innerhalb vieler Länder in Europa belegen, dass nicht nur in Deutschland, sondern auch international ein großes Interesse an Männerchören besteht. 

Und so blickt der Vorstand zufrieden auf das Geleistetet zurück: „Kontinuierlich singen, von Generation zu Generation immer wieder die Lebensfähigkeit behaupten, allem Neuen aufgeschlossen gegenüberstehen, das ist für den Verdener Männerchor eine Leistung, auf die die Sänger stolz sind“, so Rust. Willkommen ist in der Runde des Chores jeder, egal ob Jung oder Alt. „Voraussetzung ist lediglich der Spaß und die Freude am Singen“, sagt Rainer Heitmann.

Gefeiert wird der hohe Geburtstag am 3. Dezember mit einem vereinsinteren Programm. Wer sich ein Bild von der Leistungsfähigkeit des Chores machen will, der ist am vierten Advent zum traditionellen Konzert im Verdener Dom eingeladen.

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