Workshop in der Gemeinde St. Josef 

Fremdsein und das Empfinden von Heimat

Besondere Begegnung in Verden: Deutsche und Flüchtlinge tauschten sich über ihre Erfahrungen aus und erlebten einen Dialog auf Augenhöhe. - Foto: Katholisches Familienzentrum

Verden - Von Flucht und Fluchtursachen ist seit zwei Jahren viel zu lesen und zu hören. Im Workshop „fremde heimat – stranger at home“ warfen die Teilnehmer ihren Blick auf das Ankommen, auf Fremdheits- und Heimaterfahrungen, die sowohl Bürger als auch Geflüchtete in Verden gleichermaßen machen.

Das Netzwerk katholisches Familienzentrum St. Josef hatte in Kooperation mit dem Art Peace Project Hamburg zu dem Workshop eingeladen, gedacht für Bürger und Neubürger in Verden. Mittels kreativer und theaterpädagogischer Methoden wurde sich über eigene Fremdheitserfahrungen und die persönliche Bedeutung von Heimat ausgetauscht. Unter den zwölf Aktiven waren neben deutschen Teilnehmern Geflüchtete aus Syrien, Irak, Eritrea, Somalia, Sudan und Afghanistan.

Nach ersten Kennlernspielen und Körperübungen zum Aufwärmen, wurde von den Beteiligten in einem längeren Prozess ein eigenes Standbildkonzept erarbeitet, das den ganz persönlichen Bezug zum Fremdsein oder dem Empfinden von Heimat in Verden Ausdruck verleihen sollte. Eine wichtige Frage

Viele Leute kennengelernt

war, ob es bestimmte Orte in Verden für diese Erfahrungen des Fremdseins oder des Dazugehörens gibt. Am zweiten Tag wurden diese Standbilder dann an diesen verschiedenen Orten in Verden fotografiert.

Der Workshop ermöglichte so einen wichtigen und die Integration fördernden Austausch über die unterschiedlichen Erfahrungen in Deutschland, die Unterschiede zwischen der Kultur des Herkunfts- und des Aufnahmelandes sowie kulturell bedingte Verhaltensweisen.

Der abschließende Austausch und das Fazit der Teilnehmer zeigte, dass der Workshop ein Erfolg war. Durchweg positiv wurde der Prozess von allen Teilnehmern aufgenommen. So hielt Suhib Ali, einer von ihnen, abschließend fest: „Ich freue mich, dass ich hier neue Leute kennengelernt habe. Die zwei Tage waren zwei sehr schöne Tage. Ich hoffe, dass wir einen solchen Workshop vielleicht noch einmal machen können.“

Adrian Giele, Projektmitarbeiter des Netzwerkes katholischen Familienzentrum, sowie die Workshopleiterinnen Juliane Tutein und Nathalie Dickscheid vom Art Peace Project Hamburg zogen eine positive Bilanz: „Von Seiten der Geflüchteten gab es deutlich mehr Interessierte an einer Teilnahme, als man schließlich aufnehmen konnte. Dies zeigt den hohen Bedarf und den Wunsch, sich über die Erfahrungen vor Ort und die Kulturunterschiede auszutauschen“, sagt Adrian Giele. Dass man noch deutlich länger über die mit den Fotos angeschnittenen Themen hätte sprechen können, stellte am Ende des Workshops Juliane Tutein fest: „Integration braucht einen offenen Dialog auf Augenhöhe und das benötigt Zeit.“ Ziel der Veranstalter ist, mit dem Projekt den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen mithilfe eines konstruktiven künstlerischen Prozesses zu begegnen.

Die Abschlussfotografien im Rahmen einer Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wird derzeit von den Veranstaltern überlegt. Das Art Peace Project ist eine Initiative an der Universität Hamburg. Sie ist aus mehreren Experimenten erwachsen, die untersuchen, inwieweit die Gestaltung und Analyse von Kunstwerken Wege eröffnen, sich selbst und die Welt neu zu sehen und dabei Anreize für eine Kultur des Friedens und der Menschenrechte zu schaffen.

Zum Netzwerk katholisches Familienzentrum St. Josef gehören seit dem Jahr 2012 die Propsteigemeinde St. Josef, das Caritasstift und der Kindergarten St. Josef sowie Caritasverband und Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Durch eine engere Zusammenarbeit stellen sich die Netzwerkpartner gemeinsam gesellschaftlichen Entwicklungen aus dem christlichen Glauben heraus und wollen in Verden Möglichkeiten der Begegnung und Angebote für Menschen schaffen.

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