Schlachterei Stelling nach 44 Jahren am Samstag für immer dicht

Um 14 Uhr ist endgültig Schluss

Die Schlachterei Stelling präsentierte sich in dieser Form über 44 Jahre in der Großen Straße 110 der treuen Stammkundschaft. Wurstwaren und Salate sowie diverse Spezialitäten aus eigener Herstellung wurden angeboten. - Foto: Koy

Verden - Von Volkmar Koy. Diese Nachricht dürfte bei vielen Verdenern Schluckbeschwerden hervorrufen. Innerhalb von vier Wochen schließt am Samstag die zweite Schlachterei in der Innenstadt. Nach Bilges (wir berichteten) hängt Jochen Stelling altersbedingt das Schlachterwerkzeug an den Haken. Um 14 Uhr ist endgültig Schluss.

44 Jahre lang stand der heute 67 Jahre alte Stelling hinter dem Tresen und hatte alle Wünsche seiner treuen Stammkundschaft in freundlicher Form erfüllt. Die Große Straße 110 dürfte ein wenig verwaist wirken, wenn am Dienstag die Oktobersonne den allseits bekannten Ladenbereich bescheint. Doch es gibt auch Hoffnung: Die „Futterkrippe“, ein extrem beliebtes, gutbürgerliches Restaurant gleich neben der Schlachterei, wird zunächst nicht geschlossen. Da scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen zu sein, würde der unbeteiligte Beobachter den Worten von Stelling und seiner 38-jährigen Tochter Stephanie bis ins Detail folgen.

Und dennoch: Am Samstag schließt eine Verdener Institution für immer seine Türen. Als Stelling im Jahre 1972 erst den „Imbiss“ (wie er selbst damals formulierte) und kurz danach die Schlachterei eröffnete, musste er manche Hürde überwinden. Geboren in Rotenburg/Wümme, absolvierte er die Pflichtzeit beim Bundesgrenzschutz, machte in Hamburg eine Lehre als Schlachter und fühlte sich mit 22 Jahren fit für die Selbstständigkeit.

Verden kam da wie gerufen, wenn da nicht die Planungen für eine neue Fußgängerzone gewesen wären. Ur-Verdener werden sich noch an die Große Straße als Durchgang erinnern. Die Bauarbeiten vor der Haustür waren nicht unbedingt verkaufsfördernd. Jochen Stelling suchte sich ein zweites Standbein, eröffnete eine Diskothek in Visselhövede. „Die lief wie geschmiert“, erinnert sich Stelling an eine Zeit, die heute kaum nachvollziehbar erscheint. Abends Disko, morgens Schlachterei – und das ganze drei Jahre lang.

Als am 8. November 1975 der erste Abschnitt der Fußgängerzone freigegeben wurde, hatten die Umsatzeinbußen endlich ein Ende. Und Stelling lernte schnell, dass in der Schlachterei „keine Möbel zu verkaufen waren“, sondern Wurstwaren und Salate unter fachkundiger Beratung. „Höhen und Tiefen hat es immer gegeben“, sagt der 1979 mit einem Meisterbrief ausgezeichnete Stelling. Die „Futterkrippe“ wurde praktisch gespeist von der Schlachterei, Stellings „Wurst-Eck“ kam auf zahlreichen Veranstaltungen dazu, Catering außer Haus wurde immer beliebter und Sonderwünsche der Kundschaft wurden gern und oft entgegengenommen.

16 Angestellte und einige Außendienst-Mitarbeiter sorgten für die Rahmenbedingungen, die speziell zu Stoßzeiten wie Weihnachten schon mal einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb erforderten.

Die Stammkunden der „Futterkrippe“ werden sich in naher Zukunft auf eine etwas andere Speisekarte einstellen müssen. Doch ganz lassen vom Geschäft möchte Stelling nicht: „Beim Weihnachtsmarkt bin ich diesmal wieder dabei.“ Als Zeichen der jahrzehntelangen Verbundenheit möchte Stelling allen Kunden auf diesem Wege noch einmal ganz herzlich für die Treue danken.

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