Theaterstück zu Demenz und Partnerschaft

Wie eine Raupe im Gehirn

Thomas Borggrefe gab mit seiner Darstellung der ehemaligen Lehrerin Else Einblicke in die Gefühlswelt Demenzkranker. - Fotos: Haubrock-Kriedel

Verden - Erkrankt ein naher Angehöriger an Demenz, ändert sich vieles. Besonders für den Ehepartner ist es schwer, zu akzeptieren, dass der geliebte Mensch sich verändert. Schauspieler und Seelsorger Thomas Borggrefe hat sich dieses sensiblen Themas mit seinem einfühlsamen Theaterstück „Zweimal-eins – eine Liebesgeschichte“ angenommen. Auf Einladung des Cura Seniorenzentrums trat er mit seinem Ein-Mann-Stück im Niedersachsenhof auf.

Borggrefe kommt bei seiner überzeugenden Darstellung mit minimalistischen Mitteln aus. Drei Stühle reichen als Kulisse. Im Mittelpunkt steht die ehemalige Mathematiklehrerin Else Henschke. Sie leidet an fortschreitender Demenz und lebt in ihrer eigenen Welt. Sie ist wieder Lehrerin und übt mit ihren Schülern das Einmaleins. „Ich bin noch die alte Else, aber die klare Else ist weg“, sagt sie in einem lichteren Moment.

Ehemann Anton ist ihr großer Halt, sie nennt ihn ihre „Gedächtnisstütze“. Immer öfter lebt Else in ihrer Kindheit, hört die Sirenen des Krieges und durchlebt wieder die Bombennächte im Luftschutzkeller.

Seine Partnerin entfernt sich von ihm

Nach der Vorstellung bestand Gelegenheit, mit dem Schauspieler und Experten zu sprechen.

Ihr Ehemann leidet mit ihr. „Else, ich mache mir Sorgen. Ich bewundere dich, ich sehe wie du kämpfst“, sagt er. Ein Arzt macht ihm schließlich klar, dass die Demenz unumkehrbar ist. Seine Partnerin entferne sich immer mehr von ihm. Anton fällt es sehr schwer, diese Wahrheit zu akzeptieren. Else spricht von einer „Raupe im Gehirn“, die ihr alles wegfrisst. Sie wird unruhiger, durchlebt immer öfter die Zeit ihrer ersten Ehe, die von Gewalt geprägt war. Sie wird orientierungsloser, findet sogar die Toilette nicht mehr. Anton ist mit der Situation zunehmend überfordert. „Else, ich kann nicht mehr“, gesteht er schließlich. Die Unterbringung im Pflegeheim lässt sich nicht mehr aufschieben. Die Ärzte raten ihm, etwas Abstand zu halten und ein eigenes Leben aufzubauen. „Lass mich los, ich möchte gehen“, sagt Else schließlich und die Pflegekräfte bereiten sie liebevoll für ihre letzte Ruhe vor.

Zuschauer waren berührt

Die Zuschauer in dem gut besuchten Saal waren berührt von Borggrefes authentischer Darstellung der Gefühlswelt Demenzkranker und deren Partnern. Nach der Vorstellung hatten sie Gelegenheit, mit dem Schauspieler und einer Expertengruppe zu sprechen. Viele sind selbst Angehörige von Demenzkranken. „Das weckt in mir viele Erinnerungen an meinen Vater“, sagte eine Dame. „Ich habe alles, was in dem Stück vorkam, selbst erlebt“, so eine andere Zuschauerin.

Axel Kelm, Demenzkoordinator im Klinikum Bremen-Nord und Leiter der Angehörigengruppe für Demenzkranke riet, mit den Gefühlen, die Demenzkranke durchleben „mitzugehen“ und ihnen nicht zu widersprechen. Gut seien wiederkehrende Rituale. Wenn es einmal zu viel werde, oder die Kranken aggressiv würden, sollten sich die Angehörigen nicht scheuen, den Raum zu verlassen. 

ahk

Mehr zum Thema:

Hannover festigt Rang drei - St. Pauli holt Punkt

Hannover festigt Rang drei - St. Pauli holt Punkt

Weihnachtsmarkt in Diepholz

Weihnachtsmarkt in Diepholz

Mitmachtag der Kita Dörverden

Mitmachtag der Kita Dörverden

Unfälle auf der A1 in Richtung Bremen

Unfälle auf der A1 in Richtung Bremen

Meistgelesene Artikel

Großer Andrang beim Weihnachtsmarkt um Blocks Huus

Großer Andrang beim Weihnachtsmarkt um Blocks Huus

Atemberaubende Aufnahmen

Atemberaubende Aufnahmen

Zwei Panzerfäuste in Achim gefunden

Zwei Panzerfäuste in Achim gefunden

Erneut Vollsperrung an der L 158

Erneut Vollsperrung an der L 158

Kommentare