DGB lädt zur Diskussion über sozialen Wohnungsbau 

„Bezahlbarer Wohnraum ist ein Recht“

Auf dem Podium im Hotel Höltje diskutierten Sonja Toaspern, Henning Wittboldt-Müller, Michael Otten, Dietmar Teubert, Ulla Schobert und Jens Richter (von links). - Foto: Haubrock-Kriedel

Verden - „Alle Menschen sollten die Möglichkeit haben, in bezahlbaren, familien- und altersgerechten Wohnraum leben zu können. Doch wie steht es im Landkreis Verden mit dem sozialen Wohnungsbau? Leistet die Wohnungsbaugenosssenschaft Kreisbau gute Arbeit? Welche Gestaltungsräume sehen die Parteien?“ Um diese und andere Fragen ging es am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion, zu der der DGB alle interessierten Bürgerinnen und Bürger ins Hotel Höltje eingeladen hatte.

Rainer Hamann, IG Bau Weser Ems, moderierte die Veranstaltung.

DGB-Kreisvorsitzender Dietmar Teubert begrüßte auf dem Podium Michael Otten (SPD), Fraktionsvorsitzender im Stadtrat Verden, Ulla Schobert (Bündnis 90/Die Grünen), Fraktionsvorsitzende im Kreistag Verden, Jens Richter (CDU), Fraktionsvorsitzender im Stadtrat Verden und Geschäftsführer der CDU, Sonja Toaspern (Die Linke) und Henning Wittboldt-Müller (FDP), Stadtrats- und Kreistagsmitglied aus Verden. Moderiert wurde die Veranstaltung vor halbvollem Saal von Rainer Hamann, IG Bau Weser Ems.

Zunächst gaben die Diskussionsteilnehmer ein kurzes Statement ab. Jens Richter wies darauf hin, dass es im Landkreis bereits Ausbauzuschüsse und günstige Baukredite gebe. „Wir brauchen dringend Wohnungen für Azubis“, stellte er fest. Ein Schwerpunkt im Wohnungsbau müsse sein, bestehende Immobilien weiter auszubauen.

„Bezahlbarer Wohnraum ist ein Menschenrecht“, stellte Ulla Schobert klar. Im Landkreis Verden würden 2 000 Wohnungen fehlen. Zwar habe der Kreistag ein Zuschussprogramm zur Erweiterung, Instandsetzung und Renovierung von Wohnraum aufgelegt, es seien aber erst 34 Anträge eingegangen.

Michael Otten verwies darauf, dass der Stadtrat im April 2016 den SPD-Antrag beschlossen habe, einen Zukunftsfond Wohnungsbau einzurichten. Dort stünden eine Million Euro bereit, um Land für Mietwohnungsbau zu entwickeln.

Henning Wittbold-Müller vertrat die Ansicht, dass es neben dem sozialen Wohnungsbau ebenso wichtig sei, Wohneigentum zu fördern. „Jeder, der in ein Eigenheim zieht, macht eine Mietwohnung frei.“

Sonja Toaspern sagte, das Problem, dass es zu wenig bezahlbare Wohnungen gebe, sei hausgemacht. Seit 1988 sei vielen Wohnungsbaugenossenschaften die Gemeinnützigkeit aberkannt worden, was zur Auflösung vieler Genossenschaften geführt habe.

Zur Wohnungssituation sagte Michael Otten, der auch Leiter einer Wohnungsbaugenossenschaft ist, er sei erschrocken darüber wie viele Bewerber sich auf eine frei werdende Wohnung melden. „Ich kann nur jedem Fünften eine Wohnung anbieten, da hätte mehr passieren müssen.“

Ulla Schobert betonte, sie sei froh, dass es die Kreisbau gibt, es sei aber zu wenig getan worden, um Wohnraum zu schaffen. Auch seien neun Euro Miete pro Quadratmeter für eine Neubauwohnung zu teuer. „Hier fehlt mir die Initiative und die Phantasie, auf günstigere Modelle umzusteigen.“

Jens Richter bescheinigte der Kreisbau eine gute Arbeit. Es müsste allerdings mehr Geld in die Sanierung bestehender Gebäude gesteckt werden. Das dürfe man aber nicht allein der Kreisbau anlasten. „Hier ist auch die Landes- und Bundesebene gefordert. Es müssen Programme her, die ineinandergreifen.“

„Wir brauchen überhaupt Wohnraum, nicht nur sozialen“, sagte Wittbold-Müller. In Verden müssten mehr Baugebiete ausgewiesen werden. Die Quadratmeterpreise in Verden seien jedoch zu hoch. Bezüglich des hohen Mietpreises für Neubauten regte Jens Richter an, ob es unbedingt erforderlich sei, die Standards beizubehalten „Ich frage mich, ob man Barrierfreiheit auch für jüngere Leute umsetzen muss.“

Dem stimmte Michael Otten zu. „Müssen Wohnungen in den oberen Etagen wirklich barrierefrei sein?“, fragte er. Auch könne man an den Aufzügen sparen. Um die stark gestiegenen Baukosten zu senken, schlug er vor, die Energiesparmaßnahmen zu überdenken. „Die erste Investition bietet einen guten Effekt. Will man mehr erreichen, muss man überproportional investieren. Da muss man bereit sein, Abstriche zu machen.“

Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass es mehr günstigen Wohnraum für sozial Schwache, Ältere, junge Familien und Azubis geben müsse. Das sollte nun fraktionsübergreifend vorangetrieben werden. 

ahk

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