Konzert in der Stadthalle Verden begeistert die mehr als 600 Zuhörer

Bestens aufgelegter Axel Prahl

Das Publikum zeigte sich fasziniert von der Spielfreude und musikalischen Vielseitigkeit von Axel Prahl und Band.

Verden - Der Ruf, der Axel Prahl und seinem Inselorchester vorauseilt, ist ausgesprochen gut, und schnell hat sich auch beim Frühjahrskonzert der Verdener Jazz- und Blues-Tage bestätigt, dass sämtliche der ihnen zugedachten Attribute stimmen. Und so blieb den Besuchern zunächst einmal nichts anderes übrig, als sich kräftig die Ohren zu reiben, weil der Mann, der vielen bislang vor allem als Münsteraner Tatortkommissar Frank Thiel bekannt war, doch tatsächlich richtig gut singen kann.

Kein Vergleich mit dem Gekrächze, von manch einem aus Prahls singendem, schauspielerndem Kollegenkreis. Bei Prahl und dem ihn stets kongenial begleitenden Inselorchester war alles vom Feinsten, und demnach ist es im Nachhinein nicht verwunderlich, dass das Konzert in der Verdener Stadthalle schon Wochen im Voraus restlos ausverkauft war.

Prahl ist tatsächlich kein musikalischer Neuling, sondern ein langjähriger und gestandener Musiker. Die neugierige Euphorie auf den mit über 600 Menschen dicht besetzten Rängen war spürbar. Und da kam er mit einem „Moinsens Verden“ endlich auf die Bühne: Gekleidet in lässigem Freizeitlook, einer Flasche Bier in der einen und das Mikro in der anderen Hand. Ein Typ, der nach eigener Aussage das Gitarrenspiel gelernt hat, um die Mädchen zu beeindrucken. Das habe zunächst nicht funktioniert, aber er habe sehr viel geübt und heute zahlten die Damen, die ihn dereinst verschmäht hätten, viel Geld.

Das Konzert war in zwei Teile gegliedert, das der bestens aufgelegte Prahl mit Gershwins „Summertime“ eröffnete, bei dem er sich selbst mit der Gitarre begleitete. Es folgte „With a Little Help from My Friends“, zu dem das neunköpfiges Inselorchester die Bühne betrat und den Song als wunderbar lässige Variante zwischen Jazz und Pop interpretierte, um wenig später die alte Roy-Black-Schnulze „Du bist nicht allein“ in eine herrlich dunkel akzentuierte Nummer verwandelte. Überhaupt wurden im ersten Konzertteil überwiegend Coverversionen von Liedern gespielt, die Prahl durch sein bislang 55-jähriges Leben begleitet haben.

Erst nach der Pause waren die Songs aus seinem Debütalbum „Blick aufs Mehr“ dran, die er teils selbst geschrieben und komponiert hat und die sowohl die Vielseitigkeit als auch die Qualität des Künstlers als Sänger und Gitarrist zeigten. Denn ob dramatisches „Reise, Reise“, balladeskes „Wieso bist du immer noch da“ oder wirbelnd-rockiges „Ich bin nun mal so“, alles kam wunderbar rund und stimmig daher, und bei den Anleihen an Chansons kamen einem sogar Größen wie Gilbert Bécaud in den Sinn.

Das vom brillanten Bandleader, Arrangeur und Songschreiber Danny Dzuik angeführte Inselorchester – die neun Musiker wurden von Prahl mit einer musikalischen Endlosschleife vorgestellt und gewürdigt – brachte immer punktgenau das Maß an Zusatzpower, das über Stunden die instrumentale Spannung hochhielt und unterstrich. „Wenn zwei zueinander passen“, hieß es zutreffend in einem Song, den Prahl und Dzuik gemeinsam zum Besten gaben. Sie verstehen sich nicht nur auf der Bühne prächtig.

Axel Prahl singt in Verden

Gut gelaunt sang Prahl von Liebe und Leben, vom Unterwegssein und vom Singen. Und das sogar in einem afrikanischen Song, den er vor Jahren von einem Vietnamesen in einem Berliner Spätkauf gelernt haben will. In der Ballade „Wieso bist du immer noch da?“ reflektierte er melancholisch Vergangene, in „Blablabla“ prangerte er überflüssiges Geplapper in Politik und Alltag an.

Das Publikum war jedenfalls fasziniert von der Spielfreude, der musikalischen Vielseitigkeit und dem Charisma, mit dem Prahl und die Musiker ihre Bühnenshow abzogen und sich fast durch sämtliche musikalischen Genres von Klassik über Rock und Rap bis zum Shanty bewegten. Die Zuschauer konnten gar nicht genug bekommen. Es lag den Künstlern förmlich zu Füßen, ließ sich zum Mitsingen animieren und sich erst nach rund drei Stunden und mehreren Zugaben zum Abschied bewegen.

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