Seltene Einblicke in die historische Stätten der Umgebung

Aufstieg in den Glockenturm

An einem Modell erklärte Hansjürgen Wiehe, wie in einer Orgel ein Ton entsteht. - Fotos: Haubrock-Kriedel

Verden - Vieles, was man sonst nur selten zu sehen bekommt, offenbarte sich den Besuchern beim gestrigen Tag des offenen Denkmals in Verden. Wer steile Treppen nicht scheute, hatte zum Beispiel die Gelegenheit, den Turm der Andreaskirche zu erklimmen. Einen interessanten Einblick in das Leben der jüdischen Mitbürger gab Günther Schmidt-Bollmann bei einer Führung über den sonst verschlossenen jüdischen Friedhof.

Gleich doppelt interessant war es in der St. Andreaskirche. Noch bevor es auf den Turm hinauf ging, lud Hansjürgen Wiehe zu einer Orgelführung für Kinder und Erwachsene ein. Anschaulich und auch für Kinder verständlich erklärte er die Funktionsweise der im Jahr 1974 erbauten Hillebrandorgel. „Eine kleine Chororgel mit großem Klang“, sagte Wiehe.

Die 785 Pfeifen sind teils aus Holz, teils aus Metall, aus Kostengründen, da Holz billiger ist als Metall, erfuhren die Besucher von Wiehe. Mittels eines Modells erklärte der Organist, wie Pfeifen, Register und Luft einen Ton erzeugen. „Auf die richtige Luftmenge kommt es an.“ Auch über den Aufbau der Pfeifen erfuhren die Besucher so einiges. So gibt es offene und gedeckelte Pfeifen; sind sie gedeckelt, klingen sie bei gleicher Länge eine Oktave tiefer als die offenen. „Wenn man Platz sparen möchte, kommt ein Stöpsel drauf“, so Wiehe. Die Pfeife, die den tiefsten Ton erzeugt, ist acht Fuß lang, das sind etwa 2,70 Meter und sie ist gedeckelt. Genauso lang, nur höher im Ton, ist die offene Pfeife, mit dem Klang einer Flöte.

Nichts für Menschen mit Höhenangst war der Aufstieg in den Turm. Zu jeder vollen Stunde ging es mit Reinhard Kiefer vom Kirchenvorstand hinauf in den Turm aus Sand- und Backstein. Er ist wesentlich jünger als die um 1220 erbaute Kirche. Früher war der Turm nicht so hoch wie heute, im dritten Stockwerk war Schluss. Dort befanden sich die Glocken. Heute kann man hier einen Blick auf das Uhrwerk werfen.

„Die Uhr ist aus den 50er-Jahren. Es wird erzählt, dass sie von den St.-Pauli-Landungsbrücken stammen soll. Warum das so ist, weiß aber niemand“, erzählte Kiefer. Eine weitere steile Treppe höher befinden sich heute die beiden Glocken. Sie hängen an einem Glockenstuhl aus alten Balken. Eine von ihnen stammt aus dem 13. Jahrhundert, die andere aus den 50er-Jahren. Im oberen Stockwerk kann man im Gewirr der Balken an Markierungen entdecken, dass die ältesten Balken, die hier verbaut wurden, aus den Jahren 1310 beziehungsweise 1320 stammen. Eine schöne Belohnung für den Aufstieg war aber auch der weite Blick über Verden, den man in alle vier Himmelsrichtungen genießen konnte.

Geschichtlich nicht minder interessant war ein Besuch auf dem jüdischen Friedhof am Ahornweg. Günther Schmidt-Bollmann, Hebräischlehrer aus Bremen, klärte über die Bedeutung der hebräischen Schriftzeichen auf den Grabsteinen auf. Die Besucher erfuhren, dass der älteste Grabstein auf dem Friedhof aus dem Jahr 1835 stammt. Auch das Grab des Friedhofsgründers Josef Herzberg Meir ist zu finden.

Schmidt-Bollmann wusste viel Interessantes über das jüdische Leben in Verden zu berichten, zum Beispiel über das zweier prominenter Verdener Bürger: Ascher und Röschen Lehmann. Die Memoiren von Ascher sind unter dem Titel „Urgroßvaters Tagebuch“ erhalten geblieben. Wer Interesse hatte, konnte sie gleich vor Ort kaufen.

Jennifer Hagendorn, Leiterin der AG „Schule ohne Rassismus“ am Gymnasium am Wall verkaufte die Broschüre gemeinsam mit zwei Schülern. Der Erlös ist für den Erhalt des jüdischen Friedhofs bestimmt. - ahk

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