100 Jahre Romantische Orgel im Verdener Dom / Festprogramm ab dem 28. August

„Alte Dame“ klingt heute so jung wie anno 1916

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Kirchenmusikdirektor Tillmann Benfer vor der romantischen Orgel. Dessen Front, Prospekt genannt, gehört allerdings noch zum Vorgängerinstrument aus dem Jahr 1850.

Verden - Zugegeben: Im Vergleich zu den anderen historischen Orgeln im Landkreis Verden ist das Instrument auf der Westempore des Verdener Doms ein Jungspund. Allerdings zählt auch diese nun schon seit 100 Jahren zum festen Inventar des ehrwürdigen Gotteshauses. Diesen runden Geburtstag feiert der Förderverein Verdener DomMusiken nun mit einer Festwoche vom 28. August bis zum 4. September.

Im Mittelpunkt der Veranstaltungen steht – natürlich – die Romantische Orgel. Dabei ist es den Organisatoren gelungen, das prachtvolle Instrument bei jedem Termin auf eine andere Art und Weise ins Zentrum zu rücken (siehe Infokasten). Mal als Begleitung für Chor, Orchester oder Gesangssolisten. Mal als klangvolles Soloinstrument. Mal als das technische Wunderwerk, das die Orgel mit ihren rund 3 600 Pfeifen auch ist.

Wie ein roter Faden zieht sich dabei Max Reger durch das Programm. Der Komponist erlangte vor allem durch seine Orgelwerke Berühmtheit.

Zum Auftakt am Sonntag, 28. August, 10 Uhr, stellt sich die Orgel in den Dienst der Gemeinde und unterstützt den Gesang im Festgottesdienst. Die Choräle, so kündigt Kirchenmusikdirektor Tillmann Benfer an, werden an diesem Tag langsamer gesungen. Ganz so, wie es dem Zeitgeist von 1916 entspricht.

Die Musik, sie war schon immer Moden unterworfen, auch wenn sie in Kirchen erklingt. Diesem Umstand hat die Jubilarin ihre Existenz überhaupt erst zu verdanken. Denn gebaut wurde sie für die spätromantischen Kompositionen der damaligen Zeit. Nun war das Kriegsjahr 1916 nicht der beste Zeitpunkt für den Bau einer Orgel. Schließlich wurde Blei, neben Zinn Hauptbestandteil der Pfeifen, für andere Zwecke benötigt. In Verden griffen die Orgelbauer von Furtwängler & Hammer daher vielfach zu Holz und Zink. Dem Klang tat das keinen Abbruch. „Sie ist einfach gut intoniert“, sagt Tillmann Benfer.

Doch nur wenige Jahrzehnte später wandte sich der Geschmack hin zur Barockmusik. Und weil die auf einer Romantischen Orgel „nicht so klingt, wie der Komponist sie mal entworfen hat“, so Benfer, entstand 1968 an der Nordseite des Doms ein zweites großes Instrument: eine hochmoderne Barockorgel.

Das Instrument auf der Westempore fiel derweil in einen Dornröschenschlaf. „Die alte Dame ist einfach stehengeblieben“, formuliert es der Kirchenmusikdirektor. Diese „Ignoranz“ erweist sich heute als Glücksfall. Denn im Gegensatz zu anderen Orgeln, die umgebaut und damit barockisiert wurden, wurde das Verdener Exemplar 1986 lediglich umfangreich repariert. So klingt es heute noch wie vor 100 Jahren.

Tillmann Benfer ist seit 1990 im Dom tätig. Seitdem sei er schon oft gefragt worden, welche der Orgel er bevorzuge, sagt er lächelnd. „Das Spiel eines Instruments ist ein ständiges Reagieren“, holt er aus. „Man reagiert auf Licht, auf den Raum – und auf jeden Fall auf den Klang. Wenn ich an die Romantische Orgel gehe, dann tauche ich ein“, lässt der Musiker keinen Zweifel, für welches Instrument sein Herz mehr schlägt. „Das ist wie eine Zeitreise.“

Gleichzeitig weiß Benfer, dass der Dom mit zwei großen Instrumenten unterschiedlicher Klang art schon sehr gut aufgestellt ist. Dennoch erlaubt er sich zu träumen. „Auf die Südempore“, sagt er mit schwärmerischem Unterton, „würde noch eine schöne italienische Orgel passen.“ kp

Das Programm der Festwoche:

Sonntag, 28. August, 10 Uhr,

Gottesdienst mit Musik der Reger-Zeit.

Montag, 29. August, 19.16 Uhr, Orgelkonzert, Werke von Johannes Brahms, Max Reger, Sigfrid Karg-Elert, Carl Piutti, Gustav Mahler, Tillmann Benfer - Orgel.

Dienstag, 30. August, 15 Uhr, Major-PrinzipaI Vox Coelestis und Fernflöte, Orgelentdeckungen für Kinder im Dom zu Verden, Vorführung eines Orgelmodells, Annegret Schönbeck (Orgelakademie Stade).

Mittwoch, 31. August, 19.16 Uhr, Orgelmusik aufgeschlossen, „Straf mich nicht in deinem Zorn“, Choralfantasie op. 40,2, „Wie schön leucht uns der Morgenstern“, Choralfantasie op. 40 1; Max Regers Choralfantasien in Wort und Klang, Johannes von Hoff (Oldenburg) - Orgel, Domchor Verden, Leitung: Tillmann Benfer.

Donnerstag, 1. September, 19.16 Uhr, Orgel und Chor, Maorice Duruflé (1902-1986)‚ Requiem op. 9 für Solostimmen, gemischten Chor und Orgel, Stefan Kießling (Leipzig) - Orgel, Tillmann Benfer - Moderation.

Freitag, 2. September, 19.16 Uhr, Orgelnacht, „Klang und Fantasie“ - Buxtehude und Bach alla Straube, Käthe van Tricht: „Violine & Orgel“ - Werke von Max Reger und anderen; Vorstellung der Romantischen Orgel in Wort, Klang und Bild, Karin Gastell (Bremen) - Orgel/Moderation, Paul Bialek - Violine, Tillmann Benfer - Orgel/Moderation.

Sonnabend, 3. September, 19.16 Uhr, Konzert für Orgel und Orchester, Josef Gabriel Rheinberger(1839-1901) Konzert Nr. 1 op. 137 F-Dur für Orgel Streicher und drei Hörner; Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) Adagio und Fuge c-Moll KV 546 für Streichorchester; Francis Poulenc (1899-1963)‚ Konzert für Orgel Streicher und Pauken g-Moll, Kammer Sinfonie Bremen, Tillmann Benfer - Orgel, Leitung: Joachim Kluge.

Sonntag, 4. September, 19.16 Uhr, Abschluss, Werke von Reubke, Rogg, Reger, Langlais, Joachim Volgelsänger (Lüneburg) - Orgel.

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