Aus allem das Beste machen

Anna Schnitger feiert 100. Geburtstag

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Zum 100. Geburtstag von Anna Schnitger gratulierten gestern auch (v.l.) Urnenkel Mark Thrna, Enkelin Kerstin Thran, Sohn Gerold Rosendahl, Schwiegertochter Annelore Harms und Bürgermeister Lutz Brockmann.

Verden - 100 Jahre sind kein Pappenstiel. Ist dieses Alter bei guter Gesundheit erreicht, dürfen die Feierlichkeiten zu dem besonderen Wiegenfest auch mal ein wenig größer ausfallen. Da macht Anna Schnitger, die gestern 100 Jahre alt wurde, keine Ausnahme.

So fanden sich morgens bereits Sohn Gerold Rosendahl und Schwiegertochter Annelore Harms, Enkelin Kerstin und Urenkel Mark Thran sowie Bürgermeister Lutz Brockmann zum Gratulieren ein. Mittags vergrößerte sich die Gratulantenschar um weitere Mitglieder der großen Familie, zu der neun Enkel, 16 Urenkel und zwei Ururenkel zählen.

Die Nachbarn von einst haben sich für die nächsten Tage angesagt. Und das Kaffeetrinken mit den Mitspielern aus der Seniorenresidenz am Burgberg ist auch schon verabredet.

In der Einrichtung an der Eitzer Straße lebt die Jubilarin seit 2012. Ihre Heimat ist jedoch Butjadingen. In dem Dörfchen Süllwarden kam sie am 15. November 1916 als Anna Bädecker zur Welt. Kindheit und Jugend verbrachte sie in Langwarden, vor der Nordsee vom Deich geschützt. Das nenne man in Butjadingen „vor dem Deich“ leben, klärte sie Lutz Brockmann auf.

Ja, auf den Mund gefallen ist Anna Schnitger nicht. „Meine Oma ist eine selbstbewusste und resolute Dame“, stimmt Kerstin Thran zu. „Sie weiß, was sie will und bringt es auch heute noch jederzeit fertig, ihren Willen, aber auch ihre Rechte durchzusetzen beziehungsweise für sich zu sorgen.“

Eigenschaften, die der 100-Jährigen in der Vergangenheit oft halfen, auch die Widrigkeiten des Lebens zu meistern: den Tod ihres ersten Mannes Bernhard, der 1943 in Russland fiel; die folgenden acht Jahre, in denen sie Sohn Gerold allein großziehen und versorgen musste; die drei Geschwister, die sie zu Grabe tragen musste.

1951 heiratete Anna ein zweites Mal. Sie gab Gustav Schnitger, einem Witwer mit drei Töchtern, das Jawort. 30 schöne Jahre verbrachte das Paar miteinander, unternahm Reisen und pflegte viele Freundschaften. „Weltoffen hat sie noch mit 49 Jahren den Führerschein gemacht“, berichtet Kerstin Thran mit Stolz. So konnte die Großmutter in späten Jahren auch ihren guten Freund Franz im Pflegeheim besuchen. Erst, als die B 212 in Butjadingen ausgebaut wurde und sich dadurch der Straßenverlauf änderte, gab Anna Schnitger ihren Führerschein freiwillig ab.

Aus allem stets das Beste zu machen, das scheint die Devise der Jubilarin zu sein. Als sie 2003 altersbedingt vom Eigenheim in eine kleine Wohnung zog, verpflegte sie sich trotz entsprechender Angebote eines benachbarten Seniorenheims stets selber. Und als es es dann doch nicht mehr alleine ging und Sohn Gerold sie zu sich nach Verdenermoor holte, hielt sie es dort gerade mal drei Monate aus. Mit der Begründung, es sei ihr zu einsam und zu langweilig, zog sie nach Verden in die Seniorenresidenz.

Dort nimmt sie gerne die Angebote des Hauses wahr, spielt Karten und Würfel und war auch schon mal Kohl-Königin. „Langeweile braucht man nicht zu haben“, sagt sie. Und geistig fit halten die Aktivitäten, zu denen auch Zeitung lesen, Kreuzworträtsel lösen und „Wer wird Millionär?“ gucken gehören, obendrein.

Nur einer Leidenschaft hat die 100-Jährige inzwischen abgeschworen. Stand sie früher sogar nachts auf, um einen spannenden Boxkampf am Fernseher zu verfolgen, winkt sie heute dankend ab. „Früher“, sagt sie, „waren die Kämpfe besser. Jetzt ist zu viel Show dabei.“

kp

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