Nach Brand mit zwei Toten in Riede

22-Jähriger gesteht alles

Der 22-jährige Mitangeklagte legte gestern vor dem Landgericht ein Geständnis ab.

Riede/Verden - „Ich wollte nicht, dass Menschen dadurch sterben“, betonte der Angeklagte Aron-Che B. aus Wiesmoor (Kreis Aurich) gestern mehrfach in dem Mordprozess am Landgericht Verden. Er hat gestanden, in den frühen Morgenstunden des 29. November 2015 ein Haus in Riede (Kreis Verden) angezündet zu haben, damit sein ebenfalls in dem Prozess angeklagter Halbbruder die Versicherungssumme kassieren kann. Zwei Bewohner sind bei der Tat ums Leben gekommen. Der wegen Mordes in zwei Fällen angeklagte Toni H. schweigt zu den Vorwürfen.

Fast eine Stunde ließ die Schwurgerichtskammer den 22-Jährigen, der sich wegen Brandstiftung mit Todesfolge verantworten muss, frei erzählen. Er habe von dem Hauskauf gewusst. Sein Bruder hat dafür einen Porsche verkaufen und einen Kredit aufnehmen wollen. Am 11. November habe Toni H. sich dann überraschend mit ihm in Aurich treffen wollen.

An der Wurstbude vor einem Baumarkt habe Toni H. ihm dann von Problemen mit der Finanzierung berichtet. Diese habe er auf „andere Art und Weise“ lösen wollen. „Er hat mich darauf angesprochen, dass ich ihm Geld schulde und ob ich das Haus anzünden würde“, sagte Aron-Che B..

„Im ersten Moment war ich entsetzt“, so der 22-Jährige. Doch bei dem selben Treffen seien schon Details besprochen worden. „Mit Sprit“ habe er das machen sollen. „Das Büro sollte unbedingt brennen, damit alle Unterlagen vernichtet werden.“ Im Gegenzug habe Toni H. ihm Schulden in Höhe von 350 Euro erlassen und später 1500 Euro gegeben. Weiteres Geld sollte der finanziell klamme 22-Jährige bekommen, wenn die Versicherung gezahlt hat. Toni H. habe ihm zudem einen 17 Jahre alten Mercedes Kombi überlassen.

Zweiter Angeklagter schweigt zu den Vorwürfen

Der 22-Jährige berichtete von mehreren Treffen und wie ein Krankenhausaufenthalt in Leer seinem Halbbruder als Alibi dienen sollte. Toni H. habe ihm versichert, dass die Obergeschosswohnung noch nicht bezogen sei. Im Erdgeschoss wohnte der 44-Jährige selbst.

Unmittelbar vor der Tat habe der 22-Jährige einen Rückzieher machen wollen. „Aber ich hatte Angst vor Toni.“ Der verstehe keinen Spaß. Deshalb habe er den Plan seines Halbbruders ausgeführt. Wie er versichert, nicht ahnend, dass sich die 56 Jahre alte Mieterin und ihr 61 Jahre alter Lebensgefährte im Obergeschoss befanden. Beide sind in Folge einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben.

Toni H. habe ihn später davon abhalten wollen, zur Polizei zu gehen und behauptet, dass die Beiden hätten springen können. Doch die Frau hätte wegen Schulden sterben wollen und der Mann habe Krebs gehabt und sei Alkoholiker gewesen. Die als Nebenkläger an dem Verfahren beteiligten Angehörigen reagierten entsetzt auf diese Aussage. „Von der Polizei habe ich später erfahren, dass das nicht stimmt“, so der geständige Angeklagte. Sein Halbbruder habe dann noch im Knast 5 000 Euro als Belohnung ausgesetzt, wenn jemand ihn von einem Geständnis abhält.

„Ich habe die Tat begangen, weil er mein Bruder ist. Ich habe mich ihm verpflichtet gefühlt“, so Aron-Che. B. gestern. Denn mit 17 Jahren sei er von Toni H. aufgenommen worden. Er wisse, dass die Tat nicht zu entschuldigen sei. „Aber ich will, dass die Wahrheit rauskommt“, betonte der 22-Jährige gestern.

Der Prozess soll am 29. Juni fortgesetzt werden.

wb

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