Martin Skorupa ist im parlamentarischen Austausch in den USA und berichtet

Verdener erlebt die US-Wahl in den Staaten direkt mit

Der Verdener Martin Skorupa in der US-Vertretung bei den Vereinten Nationen in New York.

Verden/Berlin - Das Spektakel rund um die Präsidentschaftswahl in den USA erlebt der Verdener Martin Skorupa direkt mit. Er verbringt gerade ein Austausch-Jahr in North Dakota und erklärt, warum ausgerechnet an einem Dienstag gewählt wird und wo die Unterschiede zum deutschen Wahlsystem liegen.

Die heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Christina Jantz-Herrmann hatte den Verdener im Rahmen des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms, kurz PPP, für den Aufenthalt ausgewählt. Mit der Wahl steht ein weltweit bedeutendes Ereignis an und Martin Skorupa ist ausgerechnet jetzt dort: „Seit Monaten wird über die Präsidentschaftskandidaten diskutiert. Jetzt wird es nun ernst: Die Elections in Amerika stehen an“, schreibt der Kaufmann. Warum unter der Woche, wenn jeder arbeiten muss? Dafür gebe es eine einfache, wenn auch nicht mehr ganz zeitgemäße Antwort: „1845 wurde vom Kongress der Dienstag nach dem ersten Montag im November als Wahltermin festgelegt.“

Hintergedanke sei gewesen, dass Farmer zu diesem Zeitpunkt ihre Ernte schon eingefahren haben. „Es sollte nicht zu spät im Jahr sein, damit man bloß nicht auf dem Weg zum Wahllokal im Schneegestöber verloren geht.“ Ein Sonntag habe es nicht sein sollen, damit nicht der Besuch der Kirche verhindert würde. Der Montag scheide aus, weil viele einen Tag zur Anreise benötigten. 

Damals habe es deutlich weniger Wahllokale gegeben. Die seien oft weit entfernt gewesen, und so musste auch noch ein Tag für die Rückreise einkalkuliert werden. Donnerstags hätten die Engländer gewählt und freitags musste der Markttag am Sonnabend vorbereitet werden. Man musste noch ausschließen, dass die Wahl am ersten Tag des Monats stattfindet, denn da wurde vielerorts Gericht gehalten, und am 1. November ist Allerheiligen. So sei es zu der Entscheidung gekommen.

Ausmalen statt kreuzen

„Das amerikanische Wahlsystem unterscheidet sich von Grund auf von dem deutschen“, findet Skorupa. Zunächst einmal würden gar keine Kreuze gesetzt. In Amerika sei es vorgeschrieben, die Felder der Kandidaten, für die man sich entscheidet, auszumalen. „Es ist unfassbar aufwendig und kompliziert, da nicht den Durchblick zu verlieren, denn es wird deutlich mehr als nur der Präsident gewählt. Vorab wird zwar ein 150-seitiges ,Voters'‘ Pamphlet’ an alle Haushalte verteilt, wirklich aufschlussreich ist das aber nicht bei allen Kandidaten.“

Nachdem man sich über alle – oder auch nicht alle – Kandidaten in diesem Voters‘ Pamphlet informiert habe, stelle sich die Frage: Über was wird abgestimmt? Zunächst gehe es um einige Initiativen, die ähnlich wie Volksentscheide gehandhabt werden. Da gebe es zum Beispiel Abstimmungen zum Thema Mindestlohn, Umweltschutz oder die Wahlkampffinanzierung durch Firmen.

Neben den Senatoren, den Abgeordneten des Repräsentantenhauses, dem Gouverneur, dem Vize-Gouverneur und Richtern des Oberen Gerichtshofes gebe es natürlich auch die Wahl zum Präsidenten samt Vizepräsidenten.

Jeder Kandidat darf sich in dem Wahlhandbuch mit seinem Vizepräsidenten eine Seite teilen und neben einem kleinen Aufsatz ein kurzes Statement über seine/ihre Bildung, politische Erfahrung, sonstige Erfahrung und ehrenamtliche Arbeit abgeben.

Kompliziertes System 

„Die Wahlen in den USA laufen also komplex ab“ hat der Verdener festgestellt. „Von Deutschland ist man ein einfacheres System gewohnt. Wirklich erstaunlich ist es, dass es schon vor den Wahlen einen großen Unterschied gibt: Man wird nicht automatisch benachrichtigt, wenn man wählen möchte, sondern muss sich eigenständig als Wähler registrieren.“

Es zeige sich also, dass deutlich mehr als nur der Präsident der Vereinigten Staaten gewählt werde, meint Skorupa. „Die Frage die jetzt im Raum steht: benötigt das Wahlsystem der USA eine Grundüberholung? Da viele Amerikaner in solchen Angelegenheiten jedoch sehr traditionell, gar konservativ eingestellt sind, wird es schwierig werden, dafür eine Mehrheit zu finden. Im Sinne des Bürgers wäre eine Reform sicherlich gut, da die Wahl so ausgesprochen einfacher und übersichtlicher werden könnte. Zudem wäre eine höhere Wahlbeteiligung zu erwarten.“

Die US-Wahl im News-Ticker

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