Zwischen gutem Miteinander und günstigen Bodenpreisen

Treffen der AG „Gemeinde. Zukunft. Gestalten“

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Moderator Dirk Fornahl vor der Pinnwand, auf der Stärken, Herausforderungen und Ideen auf Zetteln notiert wurden.

Blender - Einkaufen vor der Haustür, ein Café, bessere Radwege und Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr – wo andere Kommunen große Summen ausgeben, um zu definieren, was sie von anderen abhebt, und wie sie ihr Umfeld attraktiver gestalten können, setzt man sich in Blender einfach mal zusammen und redet. So waren deutlich mehr als 100 Teilnehmer zur ersten öffentlichen Versammlung der Arbeitsgruppe „Gemeinde. Zukunft. Gestalten“ in der Blender Mühle erschienen.

Über 100 Teilnehmer hatten sich zum Zukunftsgespräch in der Blender Mühle versammelt.

Die Stimmung im Saal ist konzentriert bis amüsiert. Nicht zuletzt, weil Dirk Fornahl, der die Veranstaltung als Sprecher der AG moderiert, so seine Späßchen macht. Aber man merkt auch, dass es ihm ernst ist: Beruflich kennt sich der Einster als Mitarbeiter am Institut für Projektmanagement und Innovation an der Universität Bremen mit solchen Prozessen gut aus. An drei Pinnwänden, die in die Bereiche „Stärken“, „Herausforderungen“ und „Ideen“ aufgeteilt sind, haften Zettel in Gelb, Türkis und Rosa. Der Laptop hakt, so dass die eigentlich geplante Präsentation ausfallen muss.

Es gehe an diesem Abend darum, „Ideen zu generieren und nicht gleich Lösungen“, ruhig mal „rumzuspinnen“, sagt Fornahl, – sprich: sich nicht jeden Gedanken gleich zu verbieten, weil er nicht von heute auf morgen umsetzbar ist. „Und wir haben noch eine Regel: Wer eine Idee vorträgt, der muss nicht derjenige sein, der sie auch umsetzt“, ergänzt Mitstreiterin Kerstin Lask.

„Geht es hier um unsere Stärken oder den Ist-Zustand?“, wirft ein Redner ein. Ein starkes Vereinsleben, Bildungseinrichtungen, eine Arztpraxis, schöne Natur und Landschaft – so etwas gäbe es doch anderswo auch. „Das sind Begrifflichkeiten. Nenn’ es von mir aus nicht Stärken, sondern Grischna“, schlug Fornahl unter allgemeinem Gelächter ein Fantasiewort vor. Auch die Mutmaßung, ob man nach Blender vor allem wegen der günstigen Bodenpreise zieht, zog heitere Reaktionen nach sich.

Über das, was im Ort fehlt, schien es einen breiten Konsens zu geben: Es gibt keine Apotheke, Einkaufsmöglichkeiten und Cafés fehlen und die Kneipen kann man an einer Hand abzählen. „Blender ist außerdem die am schlechtesten an den öffentlichen Personennahverkehr angebundene Gemeinde“, so Fornahl. „Ich bin trotzdem hierher gezogen.“

Ein Ersatz für den Krämerladen – der pleite ging, weil keiner dort mehr einkaufte – müsse her, darüber waren sich die Besucher einig. Aber welcher Investor soll ihn bauen, wer ihn betreiben? Dirk Fornahl brachte ein genossenschaftliches Modell ins Spiel, vorausgesetzt, Anlieger könnten sich auch vorstellen, dort mitzuarbeiten.

Ein drohendes Problem, nämlich die geplante Sperrung des Intscheder Wehrs ab 2018, wurde ebenfalls angeschnitten. Ob man für diese Zeit nicht eine Ersatz-Erschließung hinbekommen könne, etwa eine auf Pontons schwimmende Brücke, die man auch für den Autoverkehr freigibt? Denn für viele Mini-Jobber und Selbstständige sei das Abgeschnittensein von der anderen Weserseite existenzbedrohend.

Die einzelnen Ortsteile Blenders, Einste, Intschede, Oiste und Holtum-Marsch, kochten zu sehr ihr eigenes Süppchen, bemängelten einige. Den Zusammenhalt könne man doch mittels gemeinsamer Veranstaltungen stärken, fand ein Redner, der es nach eigener Aussage „mehr so mit der Geselligkeit“ hat und schlug vor, das „Fest der Vereine“ regelmäßig alle zwei bis drei Jahre zu veranstalten.

Mehrere merkten an, dass es manchmal die kleinen Dinge sind, die das Leben im Dorf lebenswert machen. Ein Willkommenszeremoniell (etwa von Vereinen) für Neueinwohner, herzlicher sein und allgemein mehr aufeinander zugehen – das wünschten sich viele.

Nächste Schritte nach diesem Treffen: Die Punkte sollen Gruppen zugeordnet werden. Vier Arbeitsgruppen sollen sich mit unterschiedlichen Themenkomplexen befassen: 1. Infrastruktur/Daseinsvorsorge, 2. soziales Zentrum/Miteinander, 3. Mobilität und 4. Wohnen. Auf den Adresslisten, die während der Veranstaltung herumgingen, haben sich laut Fornahl etwa 50 Leute eingetragen. Ein Treffen solle möglichst bald nach Weihnachten erfolgen: „Wir wollen das nicht auf die lange Bank schieben“, betont Dirk Fornahl.

ldu

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