Schwester des Angeklagten Belastungszeugin

„Das Wort Mord dreimal gesagt“

Riede - „Wer mit Toni zusammengelebt hat, der weiß, dass man Angst vor ihm haben muss“, sagte gestern eine 22-Jährige aus Detern in dem Mord- und Brandstiftungsprozess am Landgericht Verden.

Sie ist die Halbschwester des 44 Jahre alten Angeklagten Toni H. und Schwester des 22 Jahre alten Angeklagten Aron-Che B.. Dieser habe sie irgendwann nach dem verhängnisvollen Brand am 29. November 2015 in Riede mit zwei Toten angerufen und ihr gestanden, dass er einen Mord begangen habe. „Wörtlich kann ich das nicht mehr wiedergeben. Aber Aron hat dreimal hintereinander das Wort Mord gesagt und, dass ich Toni nicht anrufen dürfe“, berichtete die Zeugin unter Tränen.

Nachdem die Mutter eine Hirnblutung erlitten habe, seien sie zu Toni gekommen, berichtete die junge Frau. Der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk hatte vor der Befragung der Zeugin von „Verfeindungen“ innerhalb der Familie gesprochen. Von der Zeugin aus Detern wollte er wissen, wie das Verhältnis der beiden Angeklagten war. „Ich weiß nicht, ob man das Verhältnis nennen kann“, antwortete die Zeugin und zeichnete ein denkbar schlechtes Bild von dem 44-Jährigen. Selbst hatte er sich an einem der vorherigen Verhandlungstage als großen, selbstlosen Unterstützer seiner Halbgeschwister dargestellt.

„Es war immer so, dass wir alle Angst vor Toni hatten“, berichtet die 22-Jährige. „Er hat uns damals aufgenommen. Am Anfang sei alles okay gewesen, „doch dann haben wir regelmäßig Schläge bekommen. Wenn einer in die Hose gemacht hat, dann wurde er kalt abgeduscht und mit der Duschbrause verprügelt.“ Toni H. hörte aufmerksam zu, schüttelte immer wieder den Kopf.

Aron sei dennoch der Meinung gewesen, dass er Toni etwas schuldig sei, weil er die Halbgeschwister aufgenommen hatte. „Aron ist nicht sehr standhaft und Toni weiß, wie er ihn kriegen kann.“ Konkretes zu Tat und Motiv konnte die Zeugin nicht beitragen. Bei den Nachfragen ging es einmal mehr auch um einen Brand im Jahr 2013 im ostfriesischen Detern. Toni H. bezichtigt seinen Halbbuder, diesen ebenfalls gelegt zu haben.

Bei den weiteren Zeugenaussagen ging es um die gescheiterte Finanzierung des in Riede in Brand gesteckten Hauses. Mit dem Brand habe er die Versicherungssumme kassieren wollen, so der Vorwurf. Dies hat der 22-Jährige in seinem Geständnis bestätigt. Eine Immobilienmaklerin aus Filsum, die von sich behauptet, zudem Finanzmaklerin zu sein, wurde beauftragt. Ein von ihr kontaktierter Finanzmakler habe erst zugesagt, dann wieder abgesagt. Grund sei eine verschwiegene frühere Privatinsolvenz von Toni H. gewesen. Widersprüche in den verschiedenen Aussagen der Maklerin bei der Polizei und vor Gericht ließen sich nicht aufklären.

Ein weiterer freier Finanzmakler kassierte vorab 5 000 Euro von Toni H.. Eine Finanzierung bekam auch er nicht hin, obwohl der 44-Jährige dafür noch Unterlagen gefälscht haben soll. Da hatte Toni H. den Kaufvertrag jedoch schon unterschrieben und in den Umbau des später abgebrannten Objektes investiert. Der Prozess soll am 21. Juli fortgesetzt werden. - wb

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Toni H. hat bisher keinen Cent gezahlt

Rubriklistenbild: © dpa

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