Weitere Taten: Zeugen im Rieder Mordprozess

Die Handschrift des Angeklagten erkannt

Verden - Vor weiteren kriminellen Taten des Angeklagten Toni H. berichtete gestern ein väterlicher Freund in der Fortsetzung des Mord- und Brandstiftungsprozesses am Landgericht Verden. Als der 64 Jahre alte Zeuge aus Schwerinsdorf (Kreis Leer) von dem Brand mit zwei Toten am 29. November vergangenen Jahres erfahren hatte, will er gleich den Angeklagten verdächtigt haben. „Als ich das aus Verden hörte, habe ich zu meiner Frau gesagt: Du, das ist Tonis Handschrift“, so der Zeuge.

Die Vermutung bezog sich auf einen früheren versuchten Versicherungsbetrug, bei dem Toni H. ähnlich vorgegangen sein soll. Dabei habe der 44-Jährige seine Halbschwester damit beauftragt, einen Brand in seiner Wohnung zu legen. Menschen kamen damals nicht zu Schaden. Als die Hausratversicherung nicht zahlte, soll Toni H. dem Zeugen von der Tat berichtet haben.

Bei der Brandstiftung mit zwei Toten in Riede soll der ebenfalls angeklagte Halbbruder von Toni H. den Brand gelegt haben. Aron-Che B. hat die Tat bereits gestanden und ausgesagt, dass Toni. H. den Zeitpunkt bewusst gewählt habe, weil ein Krankenhausaufenthalt ihm als Alibi diente.

Ein Alibi hatte sich Toni H. dem Zeugen zufolge auch bei einem vorgetäuschten Überfall verschafft, der sich 2012 in einem Zoogeschäft im Landkreis Leer ereignet haben soll. Dort habe die damalige Freundin des Angeklagten gearbeitet. Der 44-Jährige sei nach Paris geflogen und für die Tat von dort mit dem Auto nach Ostfriesland gefahren. Toni H. habe ihm dies erzählt, berichtete der Zeuge. Der 44-Jährige habe damals auffallend viel Geld gehabt.

„Der Toni hatte immer Geld“, sagte die spätere Freundin des Angeklagten. Sie hatte er aufgefordert, in den Kaufvertrag für das Haus in Riede einzutreten. Vorgehalten wurde der 47-Jährigen, dass der Angeklagte bereits eine Insolvenz hinter sich hatte. Aber das will sie nicht als Problem angesehen haben. 20 Jahre würden sie sich kennen, nach achtmonatiger Beziehung sei es im August 2015 zur Trennung gekommen. Dennoch habe die Reinigungskraft an Stelle von Toni H. das Haus in Riede kaufen wollen. Sie habe ihm vertraut. „Toni hat immer gesagt, wenn etwas schief läuft. Er macht das schon.“

Eine Finanzierung kam dann aber auch bei ihr nicht zustande. Vor Gericht behauptete sie dennoch, nur zwei Tage vor dem Brand von dem Mitarbeiter einer Bank grünes Licht für die Finanzierung bekommen zu haben. Davon habe sie Toni H. umgehend berichtet. Richter und Staatsanwalt zeigten deutlich ihre Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussagen an. Sie standen im Widerspruch mit anderen Zeugendarstellungen. Das „grüne Licht der Bank“ habe sie damals schriftlich bekommen, behauptete die 47-Jährige, nur leider habe sie kurz darauf versehentlich alle Nachrichten auf ihrem Handy gelöscht. Die Zeugin räumte allerdings ein, dass sie mit dem Angeklagten versucht habe, der Bank ihre Liquidität vorzutäuschen.

Zur Sprache kam dann noch ein weiterer Überfall, den sie vorgetäuscht haben könnte. Das Gericht gewährte der Zeugin deshalb ein Aussageverweigerungsrecht, was der Staatsanwalt deutlich kritisierte. - wb

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