Oytenerin plädiert für Hilfsbereitschaft

Nach Unfall von Passanten ignoriert

Jennifer Ruschmeyers eingegipster Arm.

Oyten - Von Lisa Duncan. Als die Sagehornerin Jennifer Ruschmeyer mit ihrem Motorroller am Donnerstagabend gegen 20.30 Uhr auf nasser Fahrbahn an einer belebten Kreuzung in Oyten ausrutscht, weiß sie zunächst nicht, wie ihr geschieht. Doch der wirkliche Hammer kommt erst noch: Obwohl Menschen unterwegs sind, hält keiner an, um Hilfe anzubieten.

Jennifer Ruschmeyer kommt mit ihrem „Speedfight“-Motorroller auf der Hauptstraße aus Richtung Friedhof als der Sturz auf Höhe der Baustelle beim Penny-Markt passiert. Mit aufgerissener Hose, blutendem Knie und schmerzendem Handgelenk schafft sie es, sich und ihr Gefährt aufzurichten. Neben sich sieht sie einen Autofahrer anhalten, der den Unfall mitbekommen haben muss. Doch als die Ampel auf Grün umspringt, rollt das Fahrzeug davon, ohne sich um die Verletzte zu kümmern, geschweige denn, wenigstens einen Krankenwagen für sie zu rufen.

Das Mädchen will ihren Roller auf den Bordstein stellen, um ihre Mutter anzurufen. Jennifer Ruschmeyers Knie blutet und färbt die Hose rot. Drei Fahrradfahrer kommen auf sie zu. Doch sie bremsen nicht, sondern geben ihr mit Fahrradklingeln zu verstehen, dass sie Platz machen soll. Auch zwei bis drei Fußgänger sind unterwegs Richtung Volksbank. Sie ignorieren die unter Schock stehende 17-Jährige ebenfalls.

Etwa 10 bis 15 Minuten braucht Jennifer Ruschmeyers Mutter von ihrer Wohnung in Sagehorn. Um die Wartezeit zu überbrücken, vor allem aber, um ihre Fassungslosigkeit zu überwinden, ruft die junge Frau eine Freundin an. „Ich fühlte mich ziemlich im Stich gelassen und war enttäuscht von der Welt“, schildert sie die Situation gegenüber unserer Zeitung.

Schließlich kommt die Mutter und fährt das verletzte Mädchen ins Krankenhaus. Die Diagnose: Ein Haarriss im rechten Handgelenk-Knochen. Neben der tiefen Schürfwunde am Knie hat sie Prellungen am ganzen Körper. Der angebrochene Arm ist nun eingegipst.

Zur Polizei ist Jennifer Ruschmeyer bisher nicht gegangen, fragt sich aber, ob das Verhalten der Passanten nicht unterlassene Hilfeleistung ist. Zudem hat sie sich das Kennzeichen des Autofahrers nicht notiert. Mit dem Zeitungsbericht möchte die Oytenerin andere darauf aufmerksam machen, dass man als Unfallopfer auf Hilfe angewiesen ist. „Ich könnte gar nicht schlafen, wenn ich wie der Autofahrer einfach weitergefahren wäre.“

Das Strafgesetzbuch definiert unterlassene Hilfeleistung (§ 323c) folgendermaßen: „Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“

Laut Helge Cassens, Pressesprecher der Polizeiinspektion Verden/Osterholz handelt es sich bei dem, was die Sagehornerin erlebt hat, um einen „Grenzfall“: „Natürlich gehört es zum Anstand zu helfen. Es wäre gut gewesen, sozusagen ein Zeichen von Menschlichkeit, wenigstens zu fragen, wie es der jungen Frau geht.“ Ein eindeutiger Fall von unterlassener Hilfeleistung, sei beispielsweise, nicht einzuschreiten, wenn jemand bewusstlos auf der Straße liegt. Die Tatsache, dass die Betroffene noch selber aufstehen und per Telefon Hilfe rufen konnte, lässt es schon nicht mehr in einem ganz so klaren Licht dastehen. „Das macht den Fall schwer zu ermitteln“, so Cassens. Dennoch rät er der jungen Frau, zur Polizei zu gehen, sofern sie sich noch an irgendein Detail erinnert.

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