MK Prototyping stellt zwei Geflüchtete als Auszubildende ein

Mit dem Lehrvertrag eine Zukunftsperspektive geschaffen

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Marcus Kuphal, Geschäftsinhaber von MK Prototyping, nimmt die Flüchtlinge Robel Gebregziabher Tesfo und Hussein Mohammed Hamud (v.l.) unter Lehrvertrag. 

Oyten - Zwei technische Modellbauer möchte das Unternehmen MK Prototyping aus Oyten zum neuen Lehrjahr ausbilden. So weit, so erfreulich für das Unternehmen. Die Besonderheit bei diesem Arbeitsvertrag ist, dass es sich bei den beiden neuen Lehrlingen um junge Geflüchtete handelt.

Den 26-jährigen Hussein Mohammed Hamud und Robel Gebregziabher Tesfo (20 Jahre) aus Eritrea. Ein erster Schritt zur Integration durch eine echte Zukunftsperspektive.

Es begann mit einem Praktikum, das Hussein Mohammed Hamud von November 2015 bis April 2016 in dem Oytener Unternehmen absolvierte. Etwas zeitversetzt stellte Torsten Garbrecht, ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer, den in Sagehorn lebenden Eritreer Robel Gebregziabher Tesfo bei MK Prototyping vor.

Ein Jahr Probezeit

„Dabei haben sie viel handwerkliches Geschick gezeigt. Ich war sofort begeistert“, sagt Geschäftsinhaber Marcus Kuphal. „Nun kommt es darauf an, wie sie sich in der Berufsschule bewähren.“ Die müssen die angehenden Auszubildenden mit Lehrgängen in Alfeld (Landkreis Hildesheim und dem hessischen Bad Wildungen besuchen, um die dreieinhalbjährige Lehrzeit zu bestehen. Das alles geschieht im Rahmen einer Einstiegsqualifizierung, wie es bei der Agentur für Arbeit heißt. Praktisch eine einjährige Probezeit, die aber tariflich entlohnt wird. „Wenn es nach mir ginge, kämen sie jetzt schon durch“, gibt sich Kuphal hocherfreut.

MK Prototyping, ein mittelständischer Betrieb, der im Gewerbepark Oyten seinen Sitz hat, bietet Holz-, Metall- und Kunststoffverarbeitung an. Ein größerer Auftrag ist zurzeit die Herstellung einer Titan-Tankverkleidung für die Rakete Ariane 6.

Kuphal hält zwei Holzfiguren in die Höhe, die die beiden jungen Leute nach eigenen Entwürfen gefertigt haben: Eine Mörserschale und ein Würfel auf einem Podest. „Die sind von Hand gefertigt, diese Oberflächen sind picobello. Die können's einfach.“

Kuphal sieht in einer dauerhaften Erwerbstätigkeit nicht nur den Schlüssel zur Integration für Flüchtlinge, sondern auch eine einmalige Chance für die deutsche Gesellschaft: „Wenn wir damals im Wirtschaftswunder keine Gastarbeiter gehabt hätten, dann gäbe es jetzt keinen Italiener oder Griechen an der Ecke. Das ist heute ein Stück Lebensqualität.“ Genauso sei es notwendig, die vor Krieg und Verfolgung nach Deutschland geflüchteten Menschen „so schnell wie möglich in Arbeit zu vermitteln, wenn wir harmonisch miteinander umgehen wollen.“

Seit zwei Jahren leben Tesfo und Hamud in Deutschland. Ein halbjähriger Sprachkurs bei den Berufsbildenden Schulen (BBS) Verden bereitete auf das Praktikum vor. Die Verständigung funktioniere bereits gut, findet Kuphal. Und die Freude an der Tätigkeit ist offenbar auch vorhanden: „Es gefällt mir sehr gut“, erzählt Robel Gebegziabher Tesfo, der übrigens schon über handwerkliche Berufserfahrung verfügt. Fünf Jahre lang habe er neben der Schule bereits in der Möbeltischlerei seiner Eltern gearbeitet, erzählt Torsten Garbrecht.

Trotz solcher bereits vorhandenen Qualifikationen sei es für Arbeitgeber immer noch mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden, Flüchtlinge in Lehrverträge aufzunehmen. „Das ist für jeden Neuland, keiner weiß Bescheid“, stellt Kuphal fest. Dessen Hartnäckigkeit zahlte sich aus. 

Die Handwerkskammer Stade habe kürzlich zugesagt, dass das erste Lehrjahr bei Flüchtlingen auf den Lehrvertrag angerechnet werde, statt es bloß als verlängertes Praktikum zu werten. Kuphal wünscht sich zudem, dass die Ämter die Einstellungstermine der Unternehmen etwas mehr berücksichtigen würden und die Laufzeiten von Deutschkursen daran angleichen würden. Im schlimmsten Fall müsste sonst der Ausbildungsbeginn um ein Jahr verschoben werden.

Das gilt nicht für die beiden Eritreer: Tesfo beginnt seine Ausbildung zum 1. August und Hamud zum 1. September. Wenn sich die beiden bewähren, so Kuphal, finanziert MK Prototyping ihnen auch den Führerschein. 

ldu

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