Tagung an IGS Oyten zur Frage „Wie kann gute Schule heute gelingen?“

Die junge Generation zu „Changemakern“ machen

Auch Margret Rasfeld, Mitbegründerin von „Schule im Aufbruch“, gehörte zu den Referenten bei der Tagung zu der Frage „Wie kann gute Schule heute gelingen?“ an der IGS Oyten.

Oyten - Wie kann gute Schule heute gelingen? Mit dieser Frage beschäftigten sich am Freitag rund 160 Lehrkräfte, Eltern und Schüler im Rahmen einer gleichnamigen Tagung, zu der die Integrierte Gesamtschule (IGS) Oyten eingeladen hatte. Die IGS engagiert sich bei „Schule im Aufbruch“, einer Initiative, die Menschen dabei unterstützt, an den Lehrstätten eine „Lernkultur der Potenzialentfaltung“ zu schaffen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die eine Antwort auf die Kernfrage der Tagung gab es nicht. „Workshops und Vorträge machten vielmehr deutlich, dass es vieler motivierter Akteure und Ideen bedarf, um Schule im 21. Jahrhundert ankommen zu lassen und sich den komplexen Aufgaben der Gegenwart zu stellen“, so Maria Schmidt, Oytener IGS-Lehrerin und Tagungsorganisatorin.

Komplexe Aufgaben gibt es reichlich: So sollen die Schüler gewisse Bildungsstandards erfüllen, sich dabei gleichzeitig sogenannte Soft Skills wie Teamfähigkeit, kommunikative Kompetenz, Engagement und Belastbarkeit aneignen. Schule soll Werte vermitteln und Leitbilder geben. Und immer mehr kommt ihr auch die Rolle eines „Familien-Ersatzes“ zu. „Wir bieten Kindern, was sie zu Hause nicht finden“, formulierte es Andreas Meisner, Vorsitzender des Landesverbandes Niedersachsen der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule (GGG).

„Bildung ist nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen“, zitierte Landrat Peter Bohlmann in seiner Begrüßungsrede den griechischen Philosophen Heraklit und goss damit Wasser auf die Mühlen der Referenten.

Der klassische Frontalunterricht mit dem Lehrer als einzigem Aktiven sei aus Schülersicht trist und langweilig, erklärte Stefan Kulakow, Erziehungswissenschaftler von der Uni Greifswald. Wie aber soll es ein Lehrer schaffen, die Ansprüche zu erfüllen, die aus Pisa-Schock, Inklusion und Digitalisierung erwachsen, und gleichzeitig Schüler zu selbstständigem, forschendem Lernen zu animieren? Die gemeinsamen Merkmale innovativer Schulen seien Partizipation und Verantwortung, die Pflege von Beziehungen sowie Lernlandschaften, die Raum böten zum Lernen, zum Ausprobieren, Spielen und Erholen, beantwortete Kulakow die Frage selber. Zur Schaffung solcher Strukturen brauche es „Schulleitungen mit Visionärsgeist“ und engagierte Lehrer. Der Greifswalder sprach den Tagungsteilnehmern Mut zu, einfach mal etwas Neues an den Schulen auszuprobieren.

„Jetzt handeln!“, forderte Margret Rasfeld mit Nachdruck. Die Pädagogin im (Un-) Ruhestand war 39 Jahre lang im Schuldienst tätig, leitete zuletzt die für ihre Innovationen bekannte Evangelische Schule Berlin Zentrum und ist Mitbegründerin von „Schule im Aufbruch“. Ihre Botschaft an die jungen Zuhörer im Saal: „Die Welt braucht euch.“ 17 „Global Goals“ seien Ende September vergangenen Jahres von 193 Staaten unterzeichnet worden, verbunden mit der Maßgabe, sie bis 2030 umzusetzen. Keine Armut und kein Hunger mehr auf der Welt zählen ebenso zu diesen globalen Zielen wie eine inklusive und hochwertige Bildung. Neu seien diese Ziele freilich nicht, betonte Rasfeld und verwies auf die Agenda 21, ein Leitpapier der Vereinten Nationen zur nachhaltigen Entwicklung. Darin geht es auch um eine Neuausrichtung der Bildung. Weg von „höher, schneller, weiter“ hin zu einem schonenden und gerechten Umgang mit den Ressourcen dieser einen Welt.

Deutschland habe die Agenda   21 vor 24 Jahren mitunterzeichnet. Doch die Lehrpläne auszurichten auf das Lernen zum Erwerb von Wissen, das Lernen zusammen zu leben, zu sein und zu handeln, das sei bislang nicht geschehen, bemängelte die Schul-Aktivistin. Dabei habe es noch nie eine junge Generation gegeben, die so veränderungsbereit gewesen sei, sagte sie. Das habe eine Studie der Lüneburger Leuphana Universität zum Nachhaltigkeitsbewusstsein von 15- bis 23-Jährigen ergeben. „Aber die Schulstrukturen drücken das Engagement-Potenzial herunter.“

Es gelte, die junge Generation zu „Changemakern“ zu machen, zu Menschen, die die Welt hin zum Guten verändern, nahm Rasfeld alle Akteure im Bereich Bildung in die Pflicht. „Kreativ genug sind sie. Wir dürfen ihnen den Mut nicht nehmen.“

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