St. Petri Oyten diskutiert über Zukunft der Gemeindehäuser

Gemeindeteilung als Lösung?

Zahlreiche Gemeindemitglieder brachten sich mit Bedenken in die Diskussion ein. - Fotos: Keppler

Bassen - Die Zukunft der evangelischen Gemeindehäuser von St. Petri in Oyten und Bassen bewegt die Gemüter. Eine lange Schlange bildete sich am Mittwochabend vor dem zur Disposition stehenden Bassener Gemeindezentrum. Hier hatte der Kirchenvorstand von St. Petri die Gemeinde vor dem Hintergrund knapper werdender finanzieller Spielräume zur Diskussion über Erhalt oder Nicht-Erhalt der kirchlichen Räume eingeladen. Als alle Einlass gefunden hatten, war der Saal schließlich bis auf den letzten Platz besetzt.

Unter der Versammlungsleitung von Birgit Gieschen nahmen sich Superintendentin Elke Schölper und Kai Oevermann, Gebäudemanager im Kirchenkreis, sowie der Oytener Pastor Hans-Jürgen Strübing und Dr. Christiane Michaelis vom St.-Petri-Kirchenvorstand ausführlich Zeit, den Gebäudebedarfsplan im Kirchenkreis Verden und für Oyten im Besonderen zu erläutern. Hintergrund ist die veränderte Zuweisungsverordnung der Landeskirche für die Instandsetzung und Instandhaltung von Gemeindehäusern ab 2017.

Superintendentin Elke Schölper wartete mit Fakten auf.

Bedarfsermittlung und wirtschaftliche Erhebung, die sich an der Zahl der Gemeindemitglieder orientierten, hätten ergeben, dass in St. Petri zu viel Gebäudefläche vorrätig gehalten werde, erläuterte Oevermann. Derzeit seien 7416 Gemeindemitglieder registriert – in 15 Jahren werde die Zahl auf 5910 gesunken sein. Sinkende Einkünfte, steigende Unterhaltungskosten, dazu der Sanierungsbedarf des Oytener Gemeindehauses – das ergebe dringenden Handlungsbedarf, sagte Superintendentin Schölper und sprach von 73 % Überhang an Fläche. Das seien Fakten, denen sich niemand verschließen könne. Als Lösungsansatz nannte sie die verantwortungsvolle Abgabe von Gebäuden und den Rückbau von Altflächen zur Schaffung eines zukunftsfähigen Gebäudebestandes.

„Wir sind keine reiche Gemeinde“

Konkret hieße das, dass der Gebäudebestand reduziert werden müsse. Dafür gäbe es mehrere Möglichkeiten: Abgabe an andere Glaubensgemeinschaften, an die Kommune oder Umnutzung. Auch Verkauf und Rückmietung wurden für das Gemeindezentrum Bassen ins Gespräch gebracht. Die Suche nach einem tragfähigen und langfristigen Nutzungskonzept – mit Vermietung als Besitzer an unterschiedliche Nutzer oder Verkauf unter bestimmten Auflagen – wurde erwogen. Es könnten sich Interessengruppen bilden, eine Kita-Gruppe könnte einziehen und das Grundstück könnte bei Verkauf als Erbpacht im Besitz der Gemeinde bleiben, lauteten Gedankenspiele.

„Wir sind keine reiche Gemeinde. Wenn wir es so erhalten könnten, wie es ist, würden wir es tun“, sagte Pastor Strübing. „Wir haben unsere Fühler in alle Richtungen ausgestreckt und suchen als Ideensammler neue Perspektiven“, ergänzte Schölper. Zur Bassener Nutzungsfrage käme, dass das Gemeindehaus in Oyten so stark sanierungsbedürftig sei, dass ein Abriss und kleinerer Neubau viel wirtschaftlicher seien. Dass neben der St.-Petri-Kirche ein Gemeindehaus stehen müsse, sei keine Frage. Man könne ja klein bauen.

Oyten ist ein schwieriges Pflaster für Pastoren

Dazu käme, dass die vakante Pfarrstelle in Bassen nicht auf Interesse bei möglichen Bewerbern stoße. „Werden wir verkauft für Oyten?“, lautete eine Zwischenfrage aus dem Publikum. „Oyten ist einfach ein schwieriges Pflaster für Pastoren, das hat die Vergangenheit gezeigt“, sagte die Superintendentin. Auch wurde eine mögliche Teilung der St.-Petri-Kirchengemeinde in Erwägung gezogen. Bei knapp 4400 Mitgliedern in Oyten und gut 3000 Mitgliedern in Bassen gäbe es zwei kleine ev. Kirchengemeinden – eine Option, die es zu überlegen gelte, hieß es. Die Aufteilung wäre nicht einfach, aber diskussionswürdig.

In der anschließenden Aussprache meldeten sich verschiedene Gemeindemitglieder zu Wort und bekundeten ihre Sorge, dass es in Bassen künftig kein Gemeindehaus mehr geben könnte. Dabei waren durchaus emotionale Fragen Thema.

Bürgermeister Manfred Cordes signalisierte, dass sich die Kommune in einem Gespräch einbringen wolle und an einer praktikablen Lösung interessiert sei. Eine Nutzung als Kita käme für das Gemeindezentrum allerdings nicht in Frage – dafür müssten zu viele Auflagen erfüllt werden. 

kr

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