Nachbarschaftskonflikt führt zur Kandidatur in Oyten

„Alleingelassener“ will anderen helfen

Jürgen Sembach. - Foto: Brodt

Oyten - Jürgen Sembach hat von der Kommunalpolitik bis heute nicht groß Ahnung, aber er kandidiert trotzdem für den Oytener Gemeinderat. Seine Motivation ist eine besondere, ein jetzt eineinhalbjähriger Konflikt mit einer Nachbarsfamilie aus dem Kosovo, bei dem ihm niemand helfen will oder kann.

Vor 27 Jahren hatte der frühere CNC-Fräser bei der Achimer Desma zusammen mit seiner Frau das dreigeschossige hellhörige Reihenhaus in Bockhorst erworben, in dem jetzt auch die Tochter und das Enkelkind leben. Anfang 2015 zog die besagte Familie, eine 33-jährige Mutter mit sieben Kindern im Alter von heute zehn bis 18 Jahren, ins Nebenhaus ein und wohnt Wand an Wand mit ihnen. Lärmterror Tag und Nacht, Beleidigungen und Bedrohungen beklagt er und hat sich an die verschiedensten Stellen gewandt. Zunächst landete der Nachbarschaftskonflikt vor der früheren Oytener Schiedsfrau Lore Cordes. In dem Verfahren hatte die Frau aus dem Kosovo umgekehrt ihrem deutschen Nachbarn Beschimpfungen und Bedrohungen unterstellt. Man einigte sich, dass man nicht nach 22 Uhr lärme, sich nicht beschimpft und bedroht und das nach einem Vierteljahr überprüft. Drei Monate später stelllte die Schiedsfrau dann fest, dass alles wie vorher und das Schiedsverfahren erfolglos war.

Erfolglos war auch die Strafanzeige von Frau Sembach gegen einen jugendlichen Nachbarn wegen Bedrohung, weil es sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft um ein jugendtypisches Verhalten handele, das nicht nachweisbar sei, kein öffentliches Interesse an Strafverfolgung bestehe und eine Privatklage gegen Jugendliche nur in besonderen Fällen möglich sei.

Genauso unnbeweisbar die Strafanzeigen wegen übler Nachrede und Verleumdung.

Von der Schiedsfrau und Justiz wanderte Jürgen Sembach zur Politik, wandte sich schriftlich und telefonisch an Landrat Peter Bohlmann und ist bitter enttäuscht, dass er von ihm nie eine direkte Antwort erhalten hat. Statt dessen hat ihm der Fachbereichsleiter des Kreises Bernd Dannheisig geantwortet, dass der Kreis den Familien nicht einfach eine Wohnung zuweisen könne, denn es handele sich nicht um eine gerade angekommene Flüchtlingsfamilie, für die der Kreis Wohnraum zu beschaffen habe, sondern um eine seit mehreren Jahren im Kreis lebende Familie, die ihren Wohnsitz selbst bestimmen könne. Die auch eingeschaltete niedersächsische Landesregierung konnte nicht erkennen, „dass das Benehmen des Landkreises respektlos und unwürdig“ sei. Der Vertreter des Innenministeriums schrieb: „Mir ist jedoch unter keinem rechtlichen Aspekt ersichtlich, wieso Nachbarn darüber entscheiden sollen und dürfen, wer in der Nachbarschaft Wohnraum anmieten darf.“

Jürgen Sembach fühlt sich alleingelassen und wird wütend, wenn er nur hört, dass wir das schon schaffen. Fremde müssten sich doch an unsere Kultur anpassen, fordert er. Nun will er selbst politisch aktiv werden als Parteiloser auf der Oytener FDP-Liste.

„Warum nicht bei der AfD?“, fragen wir. Sembach lacht: „Ich war nie rechts, bin Arbeiter, habe immer SPD gewählt, bin aber von deren Repräsentanten in Oyten und im Kreis maßlos enttäuscht. Ich bin nicht ausländerfeindlich und schere nicht alle über einen Kamm. Mit manchen meiner früheren türkischen Kollegen bei der Desma treffe ich mich heute noch.“

Er will als dann 68-jähriger Ratsherr anderen Mitbürgern helfen, damit es ihnen nicht so ergeht wie ihm. 

mb

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