Workshop für Maskenbau

An der Werkbank für das erste Entenorchester der Welt

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Um die richtige Mimik zu treffen, modelliert Kunstdozent Hans-Joachim Reich lange an seinem Entenkopf herum. 

Ottersberg/Rotenburg - Von Elke Keppler. Gelbe Quietscheentchen sind niedlich. Viele Menschen nehmen sie mit in die Badewanne und amüsieren sich damit wie in Kinderzeiten. Andere schätzen Enten in chinesischen Restaurants süß-sauer oder knusprig gebraten.

Wiederum andere, darunter Hans-Joachim Reich, Dozent an der Hochschule für Künste im Sozialen (HKS) Ottersberg, sieht in Enten wandelbare Wesen mit mystischem Gesichtsausdruck. In seinem Workshop für Maskenbau und Maskenspiel im diesjährigen Kunstsommer zeigt er, wie Entengesichter in der bildnerischen Darstellung Gestalt annehmen können. Die Ergebnisse zeigt er mit Kursteilnehmern vom 12. bis 14. August beim Rotenburger Straßenzirkusfestival „La Strada – unterwegs“.

„Man formt den Entenkopf zunächst als Tonmodell und umhüllt ihn später, wenn der Ton hart ist, mit speziellem Papier. Dabei hat man jede Gestaltungsmöglichkeit. Es kann eine lustige Ente oder aber eine mit einem strengen Gesicht wie Donald Duck werden. Auch Zorn oder Traurigkeit lässt sich sichtbar machen. Die Augen können riesig und staunend schauen oder listig zwinkern, ganz wie man möchte und was man später mit der Maske im Spiel ausdrücken will“, erklärt Hans-Joachim Reich seinen Schülern.

Ist der Ton ausgehärtet, wird er vorsichtig zerschlagen und durch den Papierhals entfernt, der dann fest, aber dennoch leicht ist. Mit Farbe bekommt der Entenkopf ein ausdrucksstarkes Gesicht, das in einem Maskenspiel eine tragende Rolle

„Enten sind dehnbarer als man denkt“

einnimmt. „Jede Maske ist anders, obwohl in diesem Workshop das Thema Ente vorgegeben ist. Die Figuren werden aber dennoch individuell entwickelt und auch die Rolle, die sie im Spiel einnehmen“, erklärt Reich.

Es wird sich dabei an der Umgangssprache orientiert, wobei das Wort Ente in vielen Begriffen vorkommt. Es gibt Wortspiele wie Zeitungsente, Dokumente, Badeente, Fragmente, Sakramente, hässliche Enten, Fisimatenten und vieles mehr. „Enten sind dehnbarer als man denkt und die Begriffe, in denen sie vorkommen, ebenso“, sagt Hans-Joachim Reich.

Die Masken sind allerdings nicht das einzige Entenprojekt, an dem der Dozent derzeit arbeitet. Als Tüftler und Ideengeber hat er sich die Watschelenten für Kinder zum Vorbild genommen, die mit platschenden Gummifüßen und einem hölzernen Entenkörper auf zwei Rädern mit einem Stock geschoben werden können. Je nach Geschwindigkeit platschen dann die Entenfüße hörbar auf den Boden. Hans-Joachim Reich schweben Watschelenten im Großformat vor, die mit hölzernen Kabeltrommeln, verbunden durch eine Achse, in Bewegung gesetzt werden sollen.

Im Rahmen der beliebten Veranstaltung „La Strada – unterwegs“ in Rotenburg haben die Masken- und Entenbauer die Möglichkeit, sich vom 12. bis 14. August selbst als Darsteller in einem Masken-Walkact einzubringen.

„Vielleicht modelliere ich noch eine überlebensgroße Nacktschnecke als Ergänzung zum Entenprojekt, denn Enten fressen liebend gerne Schnecken. Das unterstreicht noch einmal den besonderen Humor, mit dem die Enten unterwegs sein werden,“ sagt der Künstler.

Bei La Strada gibt es Livemusik mit Karin Christoph und der Dorfkapelle, die das Ententreffen mit Instrumenten von Flöte bis Tuba begleitet. Geplant ist das erste Enten-Orchester der Welt, das den Bereich zwischen Pferdemarkt, Heimathaus und Stadtkirche zu einem Entenzirkus werden lässt. Einbezogen werden Bewohner der Rotenburger Werkstätten und der Lebenshilfe, mit denen Hans-Joachim Reich schon seit vielen Jahren in künstlerischen Projekten zusammen arbeitet.

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