Podiumsdiskussion mit Spitzenkandidaten auf Parzival-Hof

Die menschliche Seite der Wahl

Fischerhuder Ortsratskandidaten hatte sich die Lebensgemeinschaft des Parzival-Hofs zum Kennenlernen und Befragen eingeladen: (am Podium v.re.) Horst Köntges, Michael Kallhardt, Hans-Jörg Wilkens, Cornelia Wolf-Becker und Wilfried Mittendorf. - Foto: Holthusen

Quelkhorn - Von Petra Holthusen. „Stellt ruhig viele Fragen – die Politiker sollen sich ja nicht langweilen!“ Mit verschmitztem Lächeln gab Timo Wolf, Sprecher des Bewohner-Rats auf dem Quelkhorner Parzival-Hof, die Podiumsdiskussion frei – und erntete prompt die ersten „Bravo“-Rufe des Abends von seinen Mitbewohnern.

Wie immer vor Wahlen hatte die betreute Lebens- und Arbeitsgemeinschaft von gut 60 Menschen mit geistiger Behinderung örtliche Politiker zum Kennenlernen und Befragen zu sich auf den Parzival-Hof eingeladen. Und wie immer wurden die Kandidaten offen, neugierig und herzlich empfangen. Steifes Runterbeten von Parteiprogrammen hat in dieser unbefangenen Runde, die alle Äußerungen mit viel Humor und Empathie quittiert, keine Chance – gefragt sind von den Kandidaten Authentizität und Spontaneität. 

Insofern bestand die Gefahr von Langeweile keine Minute bei der Podiumsdiskussion, zu der am Dienstagabend auch Beschäftigte der Einrichtung sowie einige Bürger aus Fischerhude/Quelkhorn und Parteivertreter aus Ottersberg als Besucher gekommen waren.

Bevor die Bewohner des Parzival-Hofs am Sonntag in ihr Wahllokal marschieren, um ihr Wahlrecht wahrzunehmen, wollten sie das Prozedere dieser Kommunalwahl verstehen und Kandidaten kennen lernen – „als Menschen kennen lernen“, wie Heimleiter Stefan Bachmann betonte, der den Abend moderierte. 

Der Einladung zum Kennenlernen gefolgt waren die Spitzenkandidaten der Parteien für die Ortsratswahl in Fischerhude: Cornelia Wolf-Becker (Bündnis 90/Die Grünen), Michael Kallhardt (CDU), Hans-Jörg Wilkens (SPD), Wilfried Mittendorf (FGBO) und Horst Köntges (FDP). Einen ersten Eindruck von den Kandidaten vermittelte die Vorstellungsrunde, in der sie von Bachmann begonnene Sätze vervollständigen mussten – zu Familie, Hobbies und Haustieren, aber auch zu politischen Fragen mit Relevanz für behinderte Menschen: etwa mit 190 Euro im Monat auskommen zu müssen oder vorgeschrieben zu kriegen, wo man zu wohnen hat. 

Anerkennende Ohs und Ahs aus dem Publikum begleiteten die persönlichen Schilderungen – etwa von Rehen und Hasen als „Haustieren“ in Köntges' Garten. Bei politischen „Herzensangelegenheiten“ waren sich alle fünf einig in dem Wunsch, dass Menschen aus dem Ort mit Fragen, Anregungen oder Ärgernissen immer unbedingt zu ihnen kommen sollten. Kräftiger Applaus.

Stichwort Ärgernis: Als störend und gefährlich empfinden die Bewohner vom Mühlenberg, die zu Fuß und mit dem Rad unterwegs sind, die großen Trecker und Landmaschinen des benachbarten Lohnunternehmens: „Wir haben Angst!“ Dass das im Wohngebiet unzumutbar sei und man seit Jahren auf die längst geplante Aussiedlung des Unternehmens warte, bestätigte Wilfried Mittendorf, amtierender Ortsbürgermeister. Der Bau der neuen Halle sei absehbar, beschwichtigte Michael Kallhardt, der Unternehmer Dirk Gieschen, Parteikollege und ebenfalls Kandidat, gut kenne und auf das Fahrverhalten seiner Angestellten ansprechen wolle.

Raser auf der Landstraße, nötige Geschwindigkeitsbeschränkungen und beängstigend tiefe Löcher in der Straße Mühlenberg waren weitere Sorgenthemen der Parzival-Hofbewohner, die sie den Kandidaten ans Herz legten. Dass am Mühlenberg noch vor der dunklen Jahreszeit etwas geschehen müsse durch den kommunalen Bauhof, bekräftigte Hans-Jörg Wilkens.

Beifall erntete auch der Vorschlag von Cornelia Wolf-Becker, für samstags Mitfahrgelegenheiten aus Fischerhude nach Posthausen zu Dodenhof zu organisieren. Eine Bewohnerin hatte geschildert, dass sie sonst keine Möglichkeit hätten, samstags dorthin zu kommen.

Unbeantwortet blieb eigentlich nur eine Frage: „Was könnt ihr tun, damit Werder nicht absteigt?“ Tja, außer Hoffen und Anfeuern nichts, so die Signale vom Podium.

Zum Ende wurde es dann bundespolitisch: Dr. Georg Argyropoulos, Vater eines Bewohners, gab den Parteienvertretern die Aufforderung mit, zusammen mit Eltern und Interessensverbänden für die Korrektur des fehlerhaften Entwurfs zum Bundesteilhabegesetz zu kämpfen.

Mehr zum Thema:

Sane und Gnabry treffen für Werder

Sane und Gnabry treffen für Werder

Hundeschwimmen in Wagenfeld

Hundeschwimmen in Wagenfeld

Mehrere Schwerverletzte nach Klinikbrand außer Gefahr

Mehrere Schwerverletzte nach Klinikbrand außer Gefahr

Luftangriff auf nordsyrische Stadt Aleppo trifft Klinik

Luftangriff auf nordsyrische Stadt Aleppo trifft Klinik

Meistgelesene Artikel

Um 14 Uhr ist endgültig Schluss

Um 14 Uhr ist endgültig Schluss

Eltern besuchen ihre Kita

Eltern besuchen ihre Kita

Hyäne bald außer Dienst

Hyäne bald außer Dienst

„Besser geht es nicht“

„Besser geht es nicht“

Kommentare