Bürgerforum der SPD zur Kreisel-Kunst 

„Kunst im öffentlichen Raum provoziert immer“

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SPD-Vizechef Hans-Jörg Wilkens begrüßte die knapp 20 Teilnehmer eines Bürgergesprächs zum Thema Kreisel-Kunst. 

Ottersberg - Von Petra Holthusen. Vom Konsens in Sachen Kreisel-Kunst ist Ottersberg weit entfernt. Den Versuch, „über den Dissens neue Wege zu finden“, so Moderator Stefan Bachmann, startete die Ottersberger SPD am Donnerstagabend in der Aula der Hochschule für Künste im Sozialen mit einem offenen Bürgerforum zum Thema. Die angestrebte Versachlichung der gefühlsbeladenen Angelegenheit gelang der Runde ganz gut – neue Wege waren aber nach anderthalb Stunden nicht wirklich in Sicht.

Dafür, dass das Thema im Ort so hochgekocht wird, war die Resonanz bescheiden. Keine 20 Interessierten fanden sich zum Dialog ein. Mit anderweitigen Verpflichtungen entschuldigt hatten sich unter anderem die SPDler Reiner Schnäpp und Annegret Reysen, die im Widerstreit mit ihrer eigenen Partei öffentlich gegen das für den Kreisel ausgesuchte Kunstwerk agieren. Davon hatte sich die SPD offiziell distanziert. Sie bekennt sich zu dem Kunstprojekt und der damit unterstrichenen Zusammenarbeit mit der örtlichen Kunsthochschule.

Zum Einstieg erinnerte SPD-Vizechef Hans-Jörg Wilkens, gemeinsam mit dem akademischen Hochschulgeschäftsführer Prof. Dr. Ralf Rummel-Suhrcke Gastgeber des Abends, an die „Nanas“ in Hannover: Die poppig-drallen Plastiken sorgten einst für gewaltigen Aufruhr an der Leine – heute sind sie kultige Sehenswürdigkeiten, eine Visitenkarte der Hauptstadt.

Das „Camp Inn“ haben Ariane Holz und Susanne Hermes für den Ottersberger Kreisel kreiert.

Die an der Wümme diskutierte Künstlerin heißt Ariane Holz. Sie und ihre Mitstudentin Susanne Hermes setzten sich in dem von der Gemeinde in Auftrag gegebenen und von der Hochschule mit Studierenden umgesetzten Ideenwettbewerb für ein Kunstwerk im Kreisel durch. „Camp Inn“ heißt ihr von der politisch-künstlerisch besetzten Jury ausgewählter Entwurf, den Ariane Holz nochmal vorstellte: Kleine sechseckige Zelte mit Waben-Grundform und bunt lackierten Metallplatten in Mosaik-Optik. Die Zeltarchitektur soll die Beweglichkeit der Hochschule versinnbildlichen, die Wabenstruktur die Logistik des Kreisverkehrs. „Camp Inn“ (grob zu übersetzen mit Zelte-Gasthaus) soll ein einladendes Wortspiel sein. „Wir wollten damit nicht Leute verärgern oder Blumen abholzen – wir haben uns einfach mit der künstlerischen Idee auseinandergesetzt“, sah sich Ariane Holz genötigt hinzuzufügen. Einfach eine belanglose Bronze-Skulptur in den Kreisel zu setzen, sei weder Auftrag noch künstlerischer Anspruch gewesen.

Nachdem die Respektlosigkeiten von Kreisel-Anlieger Manfred Dzubiella gegenüber Kunstwerk und Künstlerin ausgebremst waren, tauschten sich Befürworter und Skeptiker der Kreisel-Kunst in entspannter Atmosphäre über Kunstverständnis und Bürgerbeteiligung aus. Die Skeptiker führten den Verlust der Osterglocken und Rosenbepflanzung ins Feld und das Nichtverständnis der abstrakten Installation. Zur Befindlichkeit von Osterglocken-Vater Heinz Kahrs merkte Hans-Jörg Wilkens an: „Herr Kahrs ist sehr offen. Er nimmt das hin als Prozess der Veränderung. Er hat das nicht verdammt.“

In der Mehrheit waren an dem Abend die Befürworter von „Camp Inn“ im Kreisel. Sie finde das Objekt toll, sagte Brigitte Schwier, beratende Bürgerin der SPD im Kulturausschuss, und hatte kein Verständnis dafür, dass am Ende des zweijährigen Findungsprozesses Vorbehalte wegen der Blumen die Entscheidung blockierten. „Mich spricht das ästhetisch an“, sagte Vize-Ortsbürgermeister Tim Weber (FGBO). „Kunst im öffentlichen Raum provoziert immer – und muss es auch“, benannte Jochen Bertzbach unter allgemeinem Nicken das Gute am Disput. Am Ende überwogen die Meinung, „der Veränderung Raum zu geben“, und der Appell an die Künstlerin, sich „nicht verbiegen zu lassen, sondern etwas Einmaliges zu schaffen“.

Dass ihr Kunstwerk nicht auf grünem Bewuchs funktioniere, hatte Ariane Holz zuvor deutlich gemacht. Höchstens mit Rindenmulch statt Kies als Untergrund, eine Idee von Wilkens, könnte sie sich anfreunden. Mehr Kompromiss aber geht nicht.

„Der Vorgang ist künstlerisch abgeschlossen – der Ball liegt jetzt bei der Politik“, fasste Tim Weber treffend zusammen.

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