Jäger und Landwirte schaffen Refugien für Tiere in intensiv genutzter Feldflur

Hudern und schlemmen im Blütenmeer am Ackerrand

Wolfgang Mohr, Uwe Bohling, Dirk Gieschen und Hans-Jürgen Hennjes (v.li.) präsentieren den Blühstreifen am Kambrucher Weg in Quelkhorn – eine Naturschutzmaßnahme der Jägerschaft in Zusammenarbeit mit örtlichen Landwirten. - Foto: Holthusen

Quelkhorn - Ohne die Bestäubungsarbeit von Bienen, echten volkswirtschaftlichen Nutztieren, sähe es um einiges düsterer aus bei landwirtschaftlichen Erträgen und natürlicher Artenvielfalt. Damit es in der Natur fleißig summt und brummt, gilt es ordentlich den Tisch zu decken: Ein üppiges Nahrungsangebot finden Insekten in Feld und Flur auf bienenfreundlichen Ackerrand-Blühstreifen, die die Jägerschaft seit 2008 kreisweit in Kooperation mit örtlichen Landwirten anlegt – auf inzwischen 359 Hektar.

1,5 Hektar davon liegen dieses Jahr in Quelkhorn – auf Ackerrandflächen, die Landwirt Dirk Gieschen sowie der Bio-Landwirtschaftsbetrieb des Parzival-Hofs für die Naturschutzmaßnahme zur Verfügung gestellt und dafür vorübergehend aus ihrer eigenen Bewirtschaftung genommen haben. Die Anlage von Blühstreifen/-flächen, die gefährdeten Arten in der intensiv genutzten Feldflur Nahrung und Schutz bieten, ist – neben Biotopen und Wildunfallverhütung – ein Projekt des „Verdener Hegefonds“, des Natur- und Artenschutzprogramms der Kreisjägerschaft und der Naturschutzbehörde des Landkreises Verden. Die Umsetzung vor Ort übernehmen die Revierpächter in enger Partnerschaft mit den Landwirten. In Quelkhorn haben die Jäger Wolfgang Mohr und Hans-Jürgen Hennjes mit den Landwirten Dirk Gieschen sowie Uwe Bohling (Parzival-Hof) aufgeschlossene Mitmacher in Sachen Blühstreifen gefunden.

Am Beispiel einer 3800 qm großen Ackerrandfläche zwischen Gieschens Maisfeldern am Kambrucher Weg stellten Jäger und Landwirte gestern einen der besagten Blühstreifen vor. Einen Huder- & Blühstreifen, um genau zu sein. Denn neben Bienen und Insekten dient die luftig gesäte bunte Mischung aus Sonnenblumen, Buchweizen, Hafer, Klee und einer Art Lupinen auch Fasanen und anderen Hühnervögeln zum Hudern – zum Staubbaden. Weil der Blühstreifen am Kambrucher Weg mit einer sich selbst wieder aussäenden Mischung auf zwei Jahre angelegt ist, hoffen die Initiatoren, dass die Vögel ihr kleines Huder-Paradies auch als Brutstätte für sich entdecken.

Als Landwirt habe er auch ein Auge auf Flora und Fauna – „und sowas kann man mal gut in die Fruchtfolge mit einbauen“, sagt Dirk Gieschen zum Blühstreifen. Wirtschaftlich sei die Anlage für ihn weder Verlust noch Gewinn. Fünf Cent im ersten Jahr und acht Cent im zweiten Jahr, so erläutert Wolfgang Mohr, erhalten die Landwirte pro Quadratmeter, den sie zur Verfügung stellen. Und dazu die Saat: „Wir haben verschiedene Mischungen für verschiedene Ackerböden.“ Einen einjährigen Ackerrand-Blühstreifen hat der Parzival-Hof angelegt. „Nächstes Jahr nehmen wir dann eine andere Fläche“, signalisiert Uwe Bohling weiteres Interesse an der Naturschutzmaßnahme.

Die finanziert die Jägerschaft des Kreises aus dem „Verdener Hegefonds“, den der Landkreis jährlich mit 25 000 Euro für fachlich begleitete Naturschutzprojekte ausstattet. Weitere Geldgeber sind die Bingo-Umweltstiftung des Landes und regionale Sponsoren wie Banken.

„Alle unsere Aktionen leben vom Mitmachen“, betont der Quelkhorner Revierpächter Mohr, der auch dem Vorstand des „Verdener Hegefonds“ angehört. Aktuell bemüht sich die Kreisjägerschaft um Sponsoren für ihr neuestes Programm: die gezielte Bejagung von Beutegreifern wie Fuchs und Dachs mit Fallen zum Schutz von Wiesenbrütern wie Kiebitz, Schnepfe und Wachtelkönig. 

pee

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