Ortschronist mit Verdienstmedaille ausgezeichnet

„Habe das als Bereicherung meines Lebens empfunden“

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Landrat Peter Bohlmann überreichte heute dem Ottersberger Günther Wiggers (89) die vom Bundespräsidenten verliehene Verdienstmedaille und seiner Frau Gisela, mit der Wiggers seit mehr als 60 Jahren verheiratet ist, einen Blumenstrauß als Dank für die Unterstützung ihres Mannes. 

Ottersberg - Von Petra Holthusen. Das Schlusswort gehörte dem Geehrten: „Ich habe all die gemeisterten Aufgaben nie als Belastung, sondern immer als Bereicherung meines Lebens empfunden“, sagte Günther Wiggers (89) in seiner bescheidenen Art. Was Wiggers in seinem Leben alles für die Allgemeinheit gemeistert und geleistet hat, schilderte zuvor Landrat Peter Bohlmann als Laudator und Überbringer der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Die hohe Auszeichnung verlieh Bundespräsident Gauck dem Ottersberger Ortschronisten und Förderer von Kultur, Kirche und Sportverein für sein beispielhaftes ehrenamtliches Engagement, insbesondere für seinen Beitrag, die Geschichte Ottersbergs zu bewahren. Dieser Beitrag – das sind 6.000 archivierte historische Fotos und die Geschichten dazu, mehr als 100 gehaltene Diavorträge und zahlreiche Publikationen.

Die fröhlich-würdige Feierstunde mit viel Musik und noch mehr warmen Worten voller Zuneigung und Wertschätzung für Günther Wiggers richtete heute der Kulturverein im Rektorhaus für sein Gründungs- und Ehrenmitglied aus. Der Kulturverein hatte auch Wiggers’s Auszeichnung mit der Verdienstmedaille beantragt. Die etwa 50-köpfige Gästeschar aus Familie, Freunden, Wegbegleitern, Vereins- und Gemeindevertretern rückte im gediegenen Ambiente des Rektorhauses eng zusammen und feierte stil- und stimmungsvoll „ihren Günther“. Eigens für ihn hatte der Ottersberger Musiker Reinhard Röhrs ein sonniges Lied gedichtet, und die Lebensleistung von Wiggers brachte Bürgermeister Horst Hofmann als erster Gratulant auf den Punkt: „Du stehst heute hier so da, weil du in deinem ganzen Leben nicht ein einziges Mal zuerst an dich selbst gedacht hast.“

Das Leben von Günther Wiggers ließ Landrat Bohlmann vor dem geistigen Auge der Gäste vorüberziehen. Kindheit und Jugend des 1927 geborenen Ottersbergers wurden von der Nazizeit und vom Krieg geprägt, man könnte auch sagen: zerstört.

„Ottersberger Historie sichtbar gemacht“

Mit 16 Jahren wurde er als Flak-Helfer eingezogen, drei Jahre später kehrte er krank aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. In seinem Buch „Als Junge im Krieg“, das berührende Briefwechsel mit seinen Eltern enthält, hat Wiggers seine Erinnerungen für die Nachwelt bewahrt – „eines Ihrer ersten großen Verdienste für die Allgemeinheit“, so Bohlmann.

Nach seiner Pensionierung als jahrzehntelanger Ottersberger Sparkassenleiter – in dem Amt war Wiggers seinem Vater gefolgt – begann Ende der 80er Jahre seine Leidenschaft für die Geschichte des Fleckens und insbesondere für historisches Bildmaterial zu wachsen. Alte Häuser, Straßen, Plätze, Ortsansichten, Familien, Schulklassen, Vereine, Feste und andere Ereignisse in Ottersberg – über die Jahre trug er mehr als 6000 Bilder in seinem privaten Archiv zusammen, sammelte die Geschichten zu den Fotos und stellte sie zu lebendigen Vorträgen über Alt-Ottersberg und seine Menschen zusammen. Wiggers wirkte beim Kulturverein maßgeblich an der Ortschronik „Ottersberg in den letzten 200 Jahren“ mit, bestückt die „Ottersberger Geschichtshefte“ mit Fotos und natürlich die jährlichen Bildkalender „Historische Ansichten aus Ottersberg“. Alle Erlöse aus Vorträgen und Verkäufen – allein der Kalenderverkauf brachte bis heute 9000 Euro Reinerlös – spendete Wiggers an örtliche Fördervereine. „Sie haben Ottersberger Historie sichtbar gemacht und für die Nachwelt aufbereitet und bewahrt“, betonte der Landrat.

„Du hast dafür gesorgt, dass Geschichte lebendig bleibt, dass uns die Vergangenheit nicht entgleitet“, nannte Friedrich Bartels vom Vorstand des Kulturvereins Wiggers’ Werk „eine vollkommene Form der Heimatpflege“ – die nämlich nicht im Archiv verstaube, sondern die Wiggers den Menschen zugänglich mache. Mit seinem aktiven Einsatz habe er hohen Anteil an der Entwicklung des Ortsgeschehens und seiner Lebensqualität.

Er werde den Orden mit Stolz tragen, sagte Günther Wiggers. Diese Auszeichnung nehme er an als Anerkennung für alle Ehrenamtlichen – denn „was wäre der Staat ohne diese Menschen?“ Den offiziellen Teil des Festakts zu seinen Ehren beschloss der 89-Jährige mit einer Dankes- und Liebeserklärung an seine Frau Gisela, mit der er seit 62 Jahren verheiratet ist.

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