Freiluft-Theatergruppe „Wildwux“ feiert morgen Uraufführung in Quelkhorn

Gleichnis für die Gesellschaft: „Friede, Freude, Pustekuchen“

Das Tournee-Theaterensemble „Wildwux“ führt am Samstag zum ersten Mal sein Stück „Friede, Freude, Pustekuchen“ auf. - Foto: Duncan

quelkhorn - Von Lisa Duncan. Was kommt dabei heraus, wenn neun junge Leute mit unterschiedlichen Fähigkeiten – von Tanz über Akrobatik bis hin zu Feuerspucken – gemeinsam ein Theaterstück erarbeiten? Für die „Wildwüxe“, die zurzeit auf dem Sportplatz des TSV Quelkhorn täglich intensiv proben, zusammen im Bauwagen schlafen, wirtschaften und essen, eine „Turbo-Entschleunigung“. Für das Publikum, das am Samstag um 18 Uhr die Premiere von „Friede, Freude, Pustekuchen“ erleben kann, „eine unterhaltsame und bitter lustige Reise durch Frust und Wohlgefallen, Isolation und Wollust, Gemeinsamkeit und Ignoranz“.

Der Reihe nach. Das Theaterprojekt „Wildwux“, einst vom Bund Deutscher Pfadfinder_innen ins Leben gerufen, will eben mehr sein als „bloß“ Theater. Dazu gehört zwei Wochen und mehr das gemeinsame Zusammenleben zu organisieren, zu gestalten und manchmal auch: auszuhalten. „Auf einem Raum von 16 Quadratmetern und neun Metern Länge schlafen wir mit zeitweise acht Leuten“, erklärt Marius Kehlenbeck. „Aussteigen auf Zeit“, fasse den Ansatz ganz gut zusammen findet er und ergänzt: „Es geht hier nicht um Beine hochlegen, aber man kommt aus seiner täglichen Routine heraus.“

Auch durch die intensive Probenarbeit, die bei diesen Temperaturen übrigens im Dachgeschoss des Vereinsheims stattfindet. „Besser als draußen, da gibt es nämlich keinen Schatten“, sagt Kehlenbeck und lacht. Erste Projekttreffen gab es aber schon vor einem halben Jahr.

Was wird gespielt? Ohne eine Vorlage hat sich ein freier Plot rund um das Motiv „eine Blase als Raum, der uns umgibt“ entwickelt. Ein Gedankenexperiment, das natürlich die Gesellschaft meint, in der wir leben. „Es gibt den Innenraum, in dem es uns gut geht, aber darüber wird der Außenraum schnell vergessen“, führt einer der Akteure aus. „Das Stück hat politischen Charakter, aber das war nicht beabsichtigt. Die Themen haben uns einfach beschäftigt.“ Anklänge an Begriffe wie „Flüchtlingskrise“ und „Lügenpresse“ bleiben nicht aus, werden jedoch nicht klar benannt. „Wir wollen Räume aufmachen und das Publikum zum Nachdenken bringen.“ Darüber hinaus will das Stück auch unterhalten – mit Musik, Artistik, guten Texten und schönen Theaterbildern. Als Requisiten in den akrobatischen und tänzerischen Passagen kommen Fitnessbänder zum Einsatz.

„Wildwux“ setzt sich jedes Jahr anders zusammen, ausgenommen „Wiederholungstäter“ wie Malte Hildebrandt, der seit 2006 mit Unterbrechungen dabei ist. Die wechselnden Konstellationen ergäben immer wieder neue Einflüsse und Ideen. „Die Herausforderung ist, die verschiedenen Leute zusammenzubringen“, sagt Hildebrandt und fügt hinzu: „Jeder kann von jedem etwas lernen.“

So wie Marius Kehlenbeck, der sich selbst das Feuerspucken beigebracht hat und nun andere in seiner Kunst „anlernt“. Auch die gemeinsame Arbeit an den Bauwagen gehört dazu. So hat das Ensemble gerade erst eine Wand an einem der Gefährte komplett ausgebaut und neu gezimmert. Das bestärkte Kehlenbeck in seiner Entscheidung, eine Zimmerer-Lehre zu beginnen.

Das gegenseitig voneinander Lernen erstreckt sich auch aufs Schauspielern, denn nicht alle besitzen Bühnenerfahrung. Kein Problem, das Ensemble, alles junge Leute zwischen 16 und 27 (neun „Bühnenleute“, ein Regisseur, ein Küchenteam, Treckerfahrer, Dokumentarfilmer und andere), versteht sich als gleichberechtigt. Keine Fähigkeit hat Vorrang, Haupt- und Nebenrollen gibt es nicht.

Divenhaft dürfen sich nur die (nicht ganz so) stillen Stars des Ensembles verhalten: die Zugmaschinen, mit denen die Theatertruppe gemächlich über die Dörfer tuckert. „Unsere Trecker haben Charakter“, sagt Kehlenbeck. Mit 25 Stundenkilometern gestaltet sich das Reisen eher langsam – auch eine Form der Entschleunigung.

Das fahrende Theaterprojekt Wildwux ist vom 23. bis 31. Juli auf Tournee im Elbe-Weser-Dreieck. Uraufführung ist am Samstag, 23. Juli, um 18 Uhr im Gemeinschaftsgarten Quelkhorn. Am Mühlenberg, Ecke Wilstedter Kirchweg. Der Eintritt ist frei. Nach der Aufführung werden Spenden gesammelt.

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