Museum zeigt Sonderausstellung zum 100. Geburtstag von Christian Modersohn

In Ehrfurcht vor der Natur

Die wechselnden Stimmungen der Wümmelandschaft machen einen Großteil des Werkes von Christian Modersohn aus. - Fotos: kr

Fischerhude - Ein besonderes Stück bereichert das Modersohn-Museum in Fischerhude seit Neuestem: Anlässlich des 100. Geburtstages von Christian Modersohn ist dort eine Büste des Malers zu sehen, die bisher der Öffentlichkeit nicht zugänglich war, weil sie im privaten Bereich der Künstlerfamilie aufgestellt war. „Sie zeigt meinen Vater so, wie er war“, sagt dessen Tochter Antje-Modersohn-Noeres im Gespräch mit Ausstellungsgästen. „In allen Feinheiten, die der Bildhauer Bertrand Freiesleben vor 33 Jahren lebensnah herausgearbeitet hat.“

Als Material verwendete Freiesleben Beton, der durch eine spezielle Oberfläche veredelt wurde. Er hatte zuvor bereits eine Bronze von dessen Vater Otto Modersohn angefertigt. Eine Gemeinsamkeit beider Büsten ist, dass sie jeweils modelliert wurden, als sowohl Otto als auch Christian Modersohn 73 Jahre alt waren.

In unmittelbarer Nähe zum steinernen Abbild Christian Modersohns und direkt vor dem Durchgang zum neuen Museumstrakt, in dem seine Gedächtnisausstellung gehängt ist, präsentiert sich den Gästen eine anrührende Stellage. Eine Staffelei mit einem seiner letzten Aquarelle steht dort wie zufällig, darüber hängt eine kleine Rasche mit Malutensilien und gegenüber sein dreibeiniger Hocker, den er an seine Malplätze mitnahm. Auf diesem liegt seine Jacke als habe er sie gerade eben dort abgelegt, um sie gleich weder anzuziehen.

Antje Modersohn-Noeres mit einer Büste ihres verstorbenen Vaters am Ausstellungseingang.

Angefüllt mit diesen Eindrücken, gingen die Gäste durch die Ausstellung und tauchten ein in das Werk, das sich vornehmlich auf die aquarellierten Wümmebilder konzentriert. Bis zum 2. Januar 2017 können Kunstfreunde fein nuancierte Landschaftsbetrachtungen auf sich wirken lassen, können die Wümmeniederung zu allen Jahres- und Tageszeiten erleben, denn Christian Modersohn malte vornehmlich vor der Natur. Stimmungsvolle Bilder vom Abend an der Wümme mit Blick in die angrenzende Surheide malte er bevorzugt von einem stillen Plätzchen auf der Brücke in Sichtweite zu seinem Haus. Gerne saß er auch in den frühen Morgenstunden an der Staffelei und brachte Eindrücke auf das feine Büttenpapier, das sich so hervorragend für seine Motive eignete und die das Publikum bis heute, sieben Jahre nach seinem Tod, entzücken.

Rainer Noeres zeichnete in seiner Laudatio zur Ausstellungseröffnung vor zahlreichen Besuchern ein feinsinniges Bild vom Leben Christian Modersohns. Er ging bis in dessen Kindheit zurück, die der Maler in Fischerhude verbrachte. Ausführlich behandelte er das Schicksalsjahr 1943, in dem sein Vater Otto starb, sein Bruder Ulrich an der russischen Front fiel und seine Cousine Cato Bontjes van Beek von den Nazis ermordet wurde. Nach Jahren im Allgäu, wo er seine Frau Anna Lipp kennengelernt hatte, ließ sich Christian Modersohn 1957 endgültig in Fischerhude nieder. Er baute ein Haus in der Bredenau und errichtete zusammen mit seiner Frau das Modersohn-Museum zu Ehren seines Vaters, das bis heute von der Familie kontinuierlich erweitert wurde. Wie schon sein Vater verfolgte er zielstrebig die Entwicklung des eigenen Werkes und widmete sich dabei der Natur, die ihn täglich mit all ihren Wundern umgab.

Detailliert ging Rainer Noeres auf die sensible Malweise des Künstlers ein. „Christian Modersohn suchte nach der Brücke, die vom Sichtbaren ins Unsichtbare führt. Wenn man das Unsichtbare begreifen will, muss man so tief wie möglich in das Sichtbare vordringen. Er empfand tiefste Ehrfurcht vor den Erscheinungen der Natur mit ihren Wiederholungen in den vielfältigsten Erscheinungen. Deren Darstellung in Tiefe, Höhe und Breite des Bildraumes war ihm lebenslanges Thema“, sagte Noeres. - kr

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