Alte Rosskastanie umgeschlagen / Ina Mahlstedt fordert Transparenz bei Rodungen

Eine Baum-Lobby muss her

Hans-Jörg Wilkens und Ina Mahlstedt stehen fassungslos vor der umgelegten Rosskastanie mitten im Ortskern.
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Hans-Jörg Wilkens und Ina Mahlstedt stehen fassungslos vor der umgelegten Rosskastanie mitten im Ortskern.

Fischerhude - Dass eine rund 120 Jahre alte Kastanie trotz positiven Gutachtens umgeschlagen wurde, erregt in Fischerhude die Gemüter. Der Baum war mit einer Höhe von 20 Metern (die Krone allein betrug 14 Meter) Ortsbild prägend. Die Fischerhuderin Ina Mahlstedt regt sich nicht von ungefähr auf und spricht sogar ganz emotional von „Baummord“. Damit sich ähnliches nicht künftig wiederholt, plant sie nun eine Baum-Initiative zu gründen.

„Ab ist ab, da kann man sich im Nachhinein aufregen und sich auch öffentlich empören, es ist zu spät. Wir haben im Ort nur wenige Kastanien und gerade um diesen Baum ist es schade. Er war erhaltenswert, auch wenn das ein wenig Geld gekostet hätte, das ist durch ein von der Gemeinde in Auftrag gegebenes Gutachten bestätigt“, erläutert Mahlstedt. „Die Rosskastanie war einfach ein wunderbarer Anblick und wurde von vielen Malern im Bild festgehalten. Es ist nicht zu fassen, dass private Interessen sich hier durchsetzen konnten.“

Mahlstedt beklagt den Verlust der alten Kastanie, die seit dem 22. Januar auf dem Gelände der ehemaligen Brandruine am Dieker Ort vor dem Gasthaus Berkelmann ein Bild des Jammers abgibt. Betrübt ist darüber nicht nur Ina Mahlstedt, sondern auch viele andere Bürger. Das geht aus mehreren Unterschriftenlisten hervor, die die Fischerhuderin im Ort ausgelegt hat.

Um ihrer Empörung Luft zu machen, aber auch, um zu erfahren, wie man zukünftig in ähnlichen Fällen vorgehen will, hatte sie mit Hans-Jörg Wilkens vom Arbeitskreis Dorfentwicklung an der Seite, Wilfried Mittendorf von der Freien Grünen Bürgerliste (FGBO) und Ortsbürgermeister, zu einem Gespräch ins Gasthaus Berkelmann eingeladen.

Das bei der Gemeinde seitens der Grundstückseigentümerin ein Antrag auf Rodung des Baumes vorlag, war öffentlich bekannt und wurde im zuständigen Ausschuss thematisiert. Dem Antrag wurde nicht stattgegeben. Vielmehr wurde festgestellt, dass der Baum zu einem Drittel auf öffentlichem Areal und zu zwei Dritteln auf privatem Grund stand.

Die Gemeinde gab darüber hinaus ein Gutachten in Auftrag, das auswies, dass der Baum keineswegs krank, sondern erhaltenswert ist. Bei den Abrissarbeiten an der Brandruine wurde sogar noch dafür gesorgt, dass der Baum eine schützende Ummantelung bekam. Liebhaber der Fischerhuder Großbegrünung wähnten sich auf der sicheren Seite, bis am 22. Januar doch noch die Säge angesetzt wurde.

Der Landkreis hatte einen erneuten Antrag der Eigentümerin positiv beschieden. Obwohl die alte Kastanie im Bebauungsplan geschützt war, kamen die Ausnahmen, dass der Baum bei Krankheit, aufgrund von öffentlichem Interesse oder aufgrund eines Bauvorhaben abgesägt werden kann, zur Anwendung.

„Man findet irgendwie immer ein Argument. Notfalls wird vorab behauptet, dass der Baum krank ist. Hinterher stellt sich dann meistens heraus, dass das ein Irrtum war“, ärgert sich Ina Mahlstedt. Sicherlich

Ausgleichspflanzungen

heilen Verlust nicht

könne eine Ausgleichspflanzung getätigt werden. Aber die wäre dann nicht an gleicher Stelle und könne auch den Verlust eines so wichtigen Teiles der Natur und des historischen Ortsbildes nicht wettmachen. Außerdem würde niemand, der sich an der alten Kastanie erfreut hatte, noch miterleben können, wie die Neupflanzung zu einem stattlichen Baum heranwächst. Dazu würde es 60 bis 80 Jahre brauchen.

Es sei nun dringend an der Zeit, dass zukünftig solche Dinge nicht mehr so einfach geschehen könnten. „Fischerhude benötigt eine Baum-Lobby. Dafür muss man nicht eigens einen Verein gründen. Eine Interessengemeinschaft, die sich Gehör verschafft, erfüllt den gleichen Zweck“, fordert die Bürgerin und hofft dabei auf die Unterstützung von Mitstreitern.

Hans-Jörg Wilkens könnte sich vorstellen, ein Gremium ins Leben zu rufen, das den Bürgern Mitverantwortung und Beteiligungsrechte bei Rodungen einräumen könnte. Nicht der politische Wille, sondern der des Bürgers und somit das Allgemeinwohl müsse darin Vorrang haben. Am 4. Februar um 19 Uhr ist in Körbers Gasthaus ein Treffen für die neu zu gründende Lobby geplant. Alle, denen die Großbegrünung Fischerhudes am Herzen liegt, sind dazu eingeladen.

kr

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