Nach Erörterungstermin lässt Antwort von Landrat Peter Bohlmann auf sich warten

Windparks in Giersberg: Gegner wollen gehört werden

Vertreter des „Bürgervereins gegen Windpark Giersberg“ (1. Vorsitzender Dr. Valentin Gramlich, 2. Vorsitzender Johann Blohne und Kassenwart Hartmut Schubert) sprechen mit dem Landtagsabgeordneten Gero Hocker (links) Möglichkeiten der Einflussnahme auf den politischen Entscheidungsprozess durch. - Foto: Duncan

Etelsen - Einen Windpark aus fünf Anlagen mit fast 200 Meter hohen Masten plant das Unternehmen „EcoJoule“ aus Neustadt am Rübenberge auf einer Fläche zwischen Giersberg, Steinberg, Grasdorf und Daverdener Branden. Seit 2008 versucht der „Bürgerverein gegen Windpark Giersberg“ das Großprojekt zu verhindern.

Mit einem Erörterungstermin mit Vertretern des Landkreises Verden erlangte die Gruppe nun zwar einen Teilerfolg. Doch von der Politik fühlt sich der Verein nur bedingt ernstgenommen. Ein Antrag auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung bei Landrat Peter Bohlmann bleibt seit mehr als vier Wochen unbeantwortet. Von dem FDP-Landtagsabgeordneten Dr. Gero Hocker erhofft sich die Initiative Unterstützung.

Im Grunde geht es um zwei Bauvorhaben: den „Windpark Giersberg-West“,dem der Flecken per Ratsbeschluss im Dezember zugestimmt hat, und den „Windpark Giersberg-Ost“, zu dem nun ein Antrag der Firma wpd Windpark zum Betrieb von zwei Windanlagen vorliegt. Insgesamt sieben Anlagen sollen dort entstehen.

In einer amtlichen Bekanntmachung vom 31. Mai 2016 hatte der Landkreis eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für den Windpark Giersberg-Ost als nicht erforderlich abgelehnt. Dabei bezog man sich auf Zahlen aus den Jahren 2003 und 2008.

Fauna und Flora hätten sich aber seitdem durchaus verändert, so die Vertreter des Bürgervereins: „Wir sind der Meinung, dass zwei Windenergieanlagen von über 200 Metern Höhe sehr wohl Tier- und Naturschutz beeinträchtigen. Von negativen Belastungen für Anwohner in 800 Meter Entfernung ganz zu schweigen“, betont Johann Blohme, stellvertretender Vorsitzender des Bürgervereins. Darum nun der Antrag an Bohlmann vom 13. Juni, die UVP doch zu veranlassen.

Ein weiterer Kritikpunkt: Das Ergebnisprotokoll des Erörterungstermins vom 24. Mai ist der Gruppe noch nicht zugegangen. Das sei aber eine wichtige Grundlage für die Weiterarbeit.

Bürger fürchten Wertverlust

Nach Ansicht des Bürgervereins sprechen viele Gründe gegen Windkraftanlagen. Zu den Kritikpunkten zählt die ständige, monotone Geräuschentwicklung, der Schattenschlag durch die Rotorblätter, der ideelle und materielle Wertverlust von Immobilien und Grundstücken, die Landschaftsverschandelung und die Belastung für Mensch, Natur und Tierwelt.

In der Größenordnung wie Giersberg-West geplant ist, sei die Anlage gesundheitsgefährdend. Eine Entfernung von 800 Metern sei bei einer Höhe von 200 Metern nicht vertretbar. Verhältnismäßig wären mindestens 1000 Meter Abstand zu Wohnsiedlungen, betont Schriftführer und Gründungsmitglied Hans-Jürgen Lange.

Apropos Verhältnis: Eine große Windenergieanlage erzeuge weniger Strom als die ausführenden Unternehmen behaupteten. Denn der Strom, der in windreichen Zeiten produziert werde, könne noch nicht effizient gespeichert werden. In ruhigeren Zeiten müsse man auf Reserve-Kraftwerke (oft Gaskraftwerke) zurückgreifen, um die Stromversorgung aufrecht zu erhalten. Lange warnt gar vor einem Blackout, sollte sich Deutschland tatsächlich, wie im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vorgesehen, 2022 von den konventionellen Energiequellen abkoppeln.

Sorgen macht dem Bürgerverein auch die Unfallgefahr durch Erdbeben in dem Gebiet. Zuletzt hatte in Langwedel im April 2016 die Erde mit einer Stärke von 3,2 auf der Richterskala gebebt. Davor hatte es bereits 2012 Erschütterungen mit einer Stärke von 2,9 gegeben. Ein Zusammenhang mit der Erdgasförderung in Völkersen sei nicht auszuschließen, urteilten Behörden. Die Antwort des Landkreises, die für den Windpark vorgesehene Fläche liege nicht in einem typischen Erdbebengebiet, findet die Gruppe nicht zufriedenstellend. Kassenwart Hartmut Schubert ist Leidtragender des Bebens: Seitdem weise sein Haus deutliche Risse auf.

Falsche Investitionen?

Gero Hocker findet, bei der Windenergie-Förderung werde in die falsche Richtung investiert. Die Fördersummen gingen in immer größere Anlagen, statt sie in die Speicherung und Verteilung des Stroms zu stecken.

Um den Bürgerverein zu unterstützen, will sich Hocker nun mit einer kleinen Anfrage an den Landrat wenden. Tenor: Die Argumente des Bürgervereins sollen angehört und die Schreiben berücksichtigt werden. Die Landesregierung solle der Frage nachgehen, welche Auswirkungen ein weiteres Erdbeben auf die Errichtung und den Betrieb einer Windkraftanlage hätte.

Er empfiehlt den hiesigen Akteuren zudem, den Landrat mal auf einen Ortstermin einzuladen. Auch eine Petition an den Landtag wurde im Gespräch mit dem FDP-Politiker angedacht. - ldu

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