Vorbereitung in der platten Marsch

Drei Etelserinnen gehen zu Fuß über die Alpen

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Sommer in Gipfelnähe in den Alpen – da muss man schon mal mit Schnee rechnen, auch wenn es unten 30 Grad sind.

Etelsen - Ein großes Wiedersehen gab es jetzt für Anne Busse, Ingrid Künzel und Sylvia Mitzig, als sie wieder im heimischen Etelsen ankamen. Das Trio hatte die Überquerung der Alpen hinter sich. Zu Fuß. Zunächst standen nur die Ehemänner Rainer Busse und Wolfgang Mitzig auf den Bahnsteig. Aber die große Überraschung lauerte quasi hinter einem Gebüsch.

Und zwar in Person von diversen Landfrauen. Die drei Alpenbezwingerinnen sind nämlich unter anderem auch im Landfrauenverein Achim aktiv, so dass sie auf dem Etelser Bahnhof von mehreren Landfrauen empfangen wurden - natürlich mit einem Glas Sekt.

Mit dieser ganz besonderen Wanderung hatten sich Anne Busse, Ingrid Künzel und Sylvia Mitzig einen lang gehegten Traum erfüllt.

Anne Busse war bereits einmal im vergangenen Jahr gestartet, musste aber wegen Knieproblemen aufgeben. In diesem Jahr nun überzeugte sie Ingrid Künzel und Sylvia Mitzig, diese einzigartige Tour mitzumachen. Sie wollten einmal von Tal zu Tal und von Gipfel zu Gipfel wandern, dabei drei Länder erleben und staunten jetzt auf ihrem Weg, wie sich die Bergwelt fast stündlich änderte.

Zunächst fuhren die drei engagierten Damen nach Oberstdorf, um an einer von der Bergschule Oberallgäu organisierten Wanderung teilzunehmen.

Am ersten Tag ging es von der Spielmannsau durch den Sperrbachtobel. Es folgte ein acht Kilometer langer Aufstieg – und hier verließ Sylvia Mitzig schon fast der Mut, weiter zu wandern. Doch sie überwand sich, so dass die komplette Gruppe, bestehend aus zehn Frauen und zwei Männern, mit den Bergführern Anja und Klaus die Kemptner Hütte erreichte.

Über eine 200 Meter lange Hängebrücke

Am nächsten Tag ging es über eine 200 Meter lange Hängebrücke zum Mädlejoch, das über einen felsigen Pfad erreicht wurde. An diesem zweiten Tag der Wanderung kamen die Wanderer bereits in das erste Schneefeld. Vom Mädlejoch ging der Abstieg durch das Höllenbachtal ins Lechtal. Ziel war das Kaiserjochhaus, 2310 Meter hoch gelegen.

Am dritten Tag erfolgte der Aufstieg zur Seescharte, um dann gleich wieder durch das Zammer Loch abzusteigen.

Inzwischen hatten sich die Alpenüberquerer an die schmalen Pfade und Kletterpartien gewöhnt, so dass die Wanderung am vierten Tag über die Goglesalm führte, um von dort wieder in das Pitztal abzusteigen. Nachmittags erfolgte dann der Aufstieg zur Braunschweiger Hütte.

Interessant wurde der fünfte Tag. Zunächst ging es wieder hinauf zum Rettenbachjoch, dann erfolgte der Abstieg in das Gletscherskigebiet von Sölden. In Sölden gab es ein besonderes Erlebnis: Die Wanderer rutschten auf dem Hosenboden hinunter in das Skistadion. Am Tiefenbachgletscher begann der schönste und interessanteste Teil der Alpenüberquerung, es ging auf einem einmaligen Panoramaweg bis Vent, Von dort erfolgte ein zweistündiger Aufstieg zur Martin-Busch-Hütte, 2500 Meter hoch.

Temperatursturz über Nacht

Am sechsten Tag der Alpenüberquerung ging es noch höher zur Similaunhütte, die 3014 Meter hoch an der Grenze von Österreich zu Italien liegt. Von dort führte die Tour zunächst zum Hauslabjoch, um die Ötzifundstelle zu besichtigen und dann zurück zur Similaunhütte, wo übernachtet wurde. „Wir haben oben geschlafen, die Toiletten waren im Erdgeschoss. Leichtfüßig stiegen wir die Treppe hinunter und wollten genauso wieder hoch, doch das ging nicht, die Luft war zu dünn“, erinnerten sich die drei Etelserinnen. Über Nacht kam es zu einen Temperatursturz, so dass die Bergführer zunächst den Pfad vom Eis befreien mussten, damit man gefahrlos nach unten gelangen konnte. Minus sechs Grad war es kalt geworden, dazu ein scharfer Wind, so dass dicke Kleidung notwendig wurde. Durch das Tisental ging es zum Vernagt-Stausee in Südtirol. Es wurde immer wärmer, die Alpenwanderer entledigten sich ihrer Jacken: Unten war es 30 Grad warm. Mit dem Bus ging es dann nach Meran, wo erst einmal Shopping auf dem Programm stand.

Es gab viel zu erzählen

Sylvia Mitzig, Ingrid Künzel und Anne Busse wurden nach der Rückkehr von ihrer Tour über die Alpen von den Kolleginnen des Landfrauenvereins Achim empfangen. 

Natürlich gab es viel zu erzählen bei der Ankunft. Alle drei Etelserinnen waren begeistert von der Verpflegung auf den Hütten. Hier gab es nicht etwa schlicht Eintiopf, es wurde ein Drei-Gänge-Menü serviert. Sie schwärmten von der Pflanzenvielfalt mit von Blumen übersäten Wiesen im Allgäu, grünen Wäldern im Lechtal und die Blütenpracht in den Alptälern. „Ihr habt Glück. Vor einer Woche war hier alles noch Schnee und jetzt diese Blütenpracht“, hatte Bergführerin Anja vor Ort wissen lassen. Die Gletscherwelt im Ötztal war ebenfalls überwältigend.

Auf die Frage, was es denn für Höhepunkt gab, antwortete Anne Busse: „Jeder Tag war ein Highlight.“ Sie hörten die Murmeltiere pfeifen und überwanden 4950 Höhenmeter im Aufstieg und 6470 Höhenmeter im Abstieg – bei einer Wanderung über 106 Kilometer.

Für Anne Busse soll es ein einmaliges Erlebnis bleiben, während Sylvia Mitzig sich vorstellen konnte, bei Gelegenheit erneut den zehn Kilogramm schweren Rucksack zu schultern und die Alpen von Oberstdorf aus in Richtung Meran zu überqueren.

Bleibt nur noch die Frage, wie sich die Frauen auf diese Herausforderung vorbereitet hatten. Antwort: „Mit Radfahren und Wandern in der Wesermarsch.“ Und die fehlenden Trainingsberge? „Wir sind vom Schullandheim zum Waldschlößchen geklettert.“ 

hu

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