Reinigungspflichten in Herbst und Winter

Saison mit Kehrseite

Schöner Anblick, viel Arbeit: Da der Etelser Schlosspark von einem Verein betrieben wird, sind Privatleute, und nicht der Bauhof des Fleckens dafür zuständig, die Wege von herabfallenden Blättern zu befreien. Denn gerade bei Nässe birgt Laub Unfallgefahr. - Fotos: Duncan

Langwedel - In vielen Farben zeigt sich zur Zeit der Herbst in der Norddeutschen Tiefebene. Doch die leuchtende Blätterpracht hat – im Wortsinn – ihre Kehrseite: Hauseigentümer sind verpflichtet, Gehweg, Radweg und Straße vor ihrer Haustür von Laub zu befreien. Im Flecken Langwedel betrifft das den Großteil der Flächen. Weitaus geringer sei der Anteil der öffentlichen Flächen, für den der Bauhof der Gemeinde Sorge tragen muss, sagt Sebastian Jüntgen, technischer Sachbearbeiter im Bauamt des Fleckens.

Wunderschön leuchtendes Rot zeigen schon diese Weinblätter, die sich an einer Häuserwand in Langwedel hochranken.

„Wir haben das ziemlich gut im Griff, wobei die Bürger das meiste ja selber wegräumen“, sagt Bürgermeister Andreas Brandt. Hintergrund: Die Gemeinde muss ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen, sonst ist sie im Unglücksfall haftbar. Für die Reinigung der Gehwege an Privatgrundstücken sind aber laut Straßenreinigungssatzung die Anlieger verantwortlich. Eine Pflicht, die übrigens nicht nur im Herbst, sondern ganzjährig gilt. Das würden die meisten Anwohner einsehen, sagt der Verwaltungschef. Wo dies jedoch partout nicht klappt, schaltet sich das Ordnungsamt ein.

„Das muss schon augenfällig sein“, sagt Ordnungsamtsleiter Frank-Peter Adam. Aktiv wird die Behörde nach Hinweisen durch Anrufer oder wenn Mitarbeitern im Außendienst selbst Unrat auffällt. „Das schauen wir uns immer erstmal persönlich an. Denn es kann ja auch ein Nachbarschaftsstreit dahinter stehen“, sagt Adam.

Meist genüge der erste Hinweis. Ändert sich nach einer gesetzten Frist nichts, folgt eine schriftliche Auforderung – erst danach Sanktionen. Das geht los ab einem Bußgeld von 35 Euro. Wird das ignoriert, vehängt das Ordnungsamt ein Zwangsgeld. Erst wenn all diese Maßnahmen wirkungslos bleiben, wird eine Fremdfirma mit der Straßenreinigung beauftragt, die der Eigentümer dann zahlen muss.

Die Pflicht, neben Geh- und Radweg, auch die Fahrbahn vor der Haustür zu räumen, gilt übrigens nur auf Gemeindestraßen. Für Kreisstraßen ist die Kreisstraßenmeisterei Verden, für Landesstraßen die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr zuständig. Öffentliche Flächen wiederum muss die Gemeinde selbst – praktisch: die neun Mitarbeiter des Bauhofs – pflegen.

„Das sind in Langwedel verschiedenste Kleinflächen, etwa das Grün am Bahnhof und die Unterführungen“, sagt Bauhof-Sprecher Sebastian Jüntgen. Auch die Etelser Kita Berkels sowie die Daverdener Kita am Rotdornweg fielen etwa darunter. Ebenfalls unter Gemeindeträgerschaft ist die Schule am Goldbach, deren Außenanlagen im Auftrag der Verwaltung von zwei Hausmeistern gepflegt werden.

An Gerätschaften verfügen die Bauhof-Mitarbeiter über einen Aufsatzmäher, der auch Laub aufnimmt, eine Kehrmaschine, zwei Laubbläser und den „guten alten Rechen“. Für den Winterdienst gibt es zudem einen Unimog als Streufahrzeug, zwei Motorbesen, sowie für die Seitenstraßen ein Schiebeschild, Besen, Schneeschieber und einen Handstreuer für Salz.

Zur Lagerung von Streumaterial hat der Flecken seit rund fünf Jahren ein Salzsilo mit einer Kapazität von 72 Tonnen (drei LKW-Sattelzüge), dazu noch Sackware mit je 25-Kilogramm-Säcken. Derzeit sei das Silo zu einem Drittel gefüllt, sagt Jüntgen.

Das noch vor wenigen Jahren bestehende Lieferproblem bei Streusalz habe sich heute erübrigt. „Wenn's drauf ankommt, würde ich das Silo innerhalb von zwei Tagen voll machen können.“ Das hinge einerseits mit den milderen Wintern der vergangenen Jahre, andererseits mit einer Umstellung der Großlieferanten zusammen.

Zum Vergleich: Im richtig harten Winter 2009/2010 verbrauchte die Gemeinde Langwedel 125 Tonnen Salz, im Januar 2016 wurden nur 29 Tonnen eingelagert, 10 Tonnen (plus 20 Tonnen Sackware) waren vom Vorjahr noch übriggeblieben.

Weniger Schnee heißt auch weniger Überstunden: Während der Bauhof Anfang 2016 rund 750 Stunden Winterdienst machte und im sehr kurzen Winter 2015 nur 183 Stunden, waren es im knackig kalten und niederschlagsreichen Winter 2009/10 satte 3345 Stunden, den der Bauhof mit Winterdienst beschäftigt war. 

ldu

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