Gespräche in Langwedel über das Erdbeben vom 22. April

Minister Lies im Keller

Nach der „Elefantenrunde“ zum Thema Erdbeben und der Besichtigung im Rathauskeller diskutieren Wirtschaftsminister Olaf Lies (re.) und Bürgermeister Andreas Brandt mit Vertretern der Bürgerinitiativen. - Foto: Wenck

Langwedel - Wie bekommt man den niedersächsischen Wirtschaftsminister, den Landrat, zwei Bürgermeisterkollegen, eine Bundestagsabgeordnete und dazu noch den Leiter der Unternehmenskommunikation eines Energiekonzerns in den Keller? Indem man dort eine Messstation hat und einen Schaden nach dem Erdbeben vom 22. April 2016 vorzuzeigen hat. Wie Dienstagnachmittag Langwedels Bürgermeister Andreas Brandt.

Während die Gruppe mit Wirtschaftsminister Olaf Lies, Landrat Peter Bohlmann, Mdb Christina Jantz, Lutz Brockmann (Bürgermeister Stadt Verden), Wolfgang Rodewald (Bürgermeister Kirchlinteln) und Uwe-Stephan Lagies (DEA) noch in den Katakomben des Langwedeler Verwaltungsgebäudes auf Ortstermin war, saßen oben im Bürgersaal die Vertreter der örtlichen Bürgerinitiativen, die sich mit dem Tun der Energiekonzerne in den Landkreisen Verden und Rotenburg auseinandersetzen. Die hatte Andreas Brandt noch ganz kurzfristig zur Diskussion mit dem Minister eingeladen.

Thema: das Erdbeben vom 22. April, seine Folgen im Besonderen, die Ergasförderung inklusive Abfackeln und die Entsorgung von Lagerstättenwasser noch dazu.

Ausgerechnet die Messstelle im Langwedeler Rathaus hatte am 22. April die höchste Schwinggeschwindigkeit aller Messstationen aufgezeichnet. „Dabei waren wir hier mit Sicherheit nicht das Epizentrum“, so Andreas Brandt.

Für die Politiker folgt daraus unweigerlich die Forderung nach einem feinmaschigeren System von Messstellen, ein Höhenmesswerk muss her, Bodensenkungen sollen gemessen werden. Was passiert, wenn in Zukunft Lagerstättenwasser, das bei der Erdgasförderung anfällt, in 5000 Meter Tiefe zurückgebracht wird? Da streitet man sich je nach Standpunkt schon mal um die Begrifflichkeit. Für die Bürgerinitiativen ist es ein „Verpressen“, für Unternehmen ein „Versenken“.

„Es muss objektiv untersucht werden, welche Auswirkungen das hat“, so Olaf Lies. Der, wenig zur Begeisterung der BI-Vertreter davon sprach, dass „Lagerstättenwasser wieder dahin zu bringen, wo es her kommt.“ Und es sei herauszufinden, ob diese Vorgehensweise nicht eher wieder zu einer Verfestigung des Untergrundes führe.

„Das haben wir so schon von der Industrie gehört“, warf Andreas Noltemeyer ein, dem aktuell der Fokus auf die oberirdische Entsorgung von Lagerstättenwasser völlig fehlt. Empirische Beispiele aus den USA zeigten, dass die Wahrscheinlichkeit von Beben steigt, wenn verpresst werde, so der Einwand von Gerhard Landzettel.

Was erhöht die Erdbebengefahr, was gefährdet das Trinkwasser? Verpressen oder oberirdische Entsorgung? „Wir müssen doch schlichtweg zugeben, dass wir das alle noch nicht wissen“, meinte Landrat Bohlmann.

Es gehe eben darum, mehr Messstationen zu bekommen, die Industrie genauer zu kontrollieren, Erdbebenbetroffenen leichter und unbürokratischer Hilfe zu kommen zu lassen.

In all diesen Punkten sei man mit der neuesten Gesetzgebung auf dem richtigen Weg. „Ich halte den Beschluss des Bundestages für richtig, es ging auch darum überhaupt, überhaupt ein Gesetz zu haben“, so Lies. Sie stehen dem Gesetz zur Erdgasförderung bekanntermaßen kritisch gegenüber, so Christina Jantz-Hermann. Immerhin sei es auch darum gegangen, den Behörden vor Ort, also den Landkreisen, Instrumente in die Hand zu geben.

Hauptpunkt bei der ganzen Angelegenheit: Es müsse mehr gemessen und untersucht werden. Da seien die Unternehmen gefordert. „Entweder es geht freiwillig... oder verpflichtend“, so Olaf Lies. „Das haben wir ihnen heute auch so mitgegeben.“ Bei dem Ministerbesuch im Rathauskeller.

jw

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