Bremer Salonorchester nimmt Gäste mit auf Reise durch Europas musikalische Vergangenheit

„Die Menschen damals waren höflicher“

Einen wunderbaren Abend bereiteten die Musiker des Salonrorchester ihren Zuhörern im Bürgersaal des Langwedeler Rathauses. - Foto: Hustedt

Langwedel - Zu einer Reise durch die Kaffeehäuser Europas luden der Langwedeler Kulturverein und das Bremer Salonorchester am Samstagabend in den Bürgersaal des Rathauses ein, und über 100 begeisterte Besucher gingen mit auf die Fahrt durch die musikalischen Metropolen des 18. und 19. Jahrhunderts. Die feine Akustik des Bürgersaals trug noch ihren entsprechenden postiven Anteil bei.

Für den Kulturverein begrüßte Dr. Wolfgang Ernst die Gäste, erinnerte an den Auftritt des Bremer Salonorchesters im vergangenen Jahr im Häuslingshaus, als dort wegen Überfüllung viele Gäste abgewiesen werden mussten. Daher fand jetzt das Konzert im Rathaus statt. Ernst bedauerte, dass Birgit Dennog aufgrund einer Handverletzung nicht dabei sein konnte.

Die Künstlerin hatte Wolfgang Ernst, der nach einem Sturz selbst momentan auf Gehhilfen angewiesen ist, noch scherzhaft auf eine gemeinsame Reha angesproche, doch da spielten die Krankenkassen nicht mit.

Mit Paul Bialek, ein Geigenlehrer aus Wopswede, der in Lilienthal wohnt, wurde aber für Dennog ein vollwertiger Ersatz gefunden.

Hans-Jürgen Osmers am Klavier, der Ungar Zsolt Dombovari (Cello) und Paul Bialek (Violine) begannen die musikalische Reise in Bukarest, Hans-Jürgen Osmers stellte die Unterhaltungsmusik vergangener Zeiten informativ vor.

Das Trio spielte einen Walzer, der in Bukarest zur Weltausstellung 1898 geschrieben wurde. „Die Walzer hatten damals eine längere Einleitung, damit die Herren Zeit hatten, die Damen aufzufordern, bevor der Tanz begann“, erläuterte Osmers. „Die Menschen damals waren eben höflicher.“

Es ging die Donau aufwärts nach Belgrad und Budapest. Übrigens kam auch der gebürtieg Hamburger Johannes Brahms nach Budapest, schrieb ungarischen Weisen um und hatte damit größten finanziellen Erfolg.

Die musikalische Reise führte weiter nach Wien. Neben Paris und Berlin vor 100 Jahren eine der musikalischen Metropolen. Dort musizierten sowohl Vater Johann Strauss (von dem vor allem der Radetzky-Marsch in Erinnerung blieb) und sein Sohn Johann Strauss, der durch die Unterhaltungsmusik seiner Zeit berühmt wurde. Später führte die Reise weg von der Donau nach Amsterdam und zur Frage, ob der Tango mit seiner erotischen Musik erlaubt sei. Im deutschen Kaiserreich war er verboten, so Hans-Jürgen Osmers. Quasi in Kopenhagen wurde vor der Pause ein streitbares Stück in Moll und danach die Versöhnung in Dur gespielt wurde.

In Paris suchten viele Komponisten ihr Glück, wie Osmers ausführte. Auch Jaques Offenbach, den Erfinder der Operettenmusik, zog es nach Paris. Über Italien führte die musikalische Reise durch die Kaffeehäuser Europas weiter nach Spanien, wo der musikalische Einfluss der Mauren aus Nordafrika durchaus spür- und hörbar ist.

Schlusspunkt war Berlin, wo es zunächst nach preußischer Tradition Marschmusik gab und dann Paul Linckes (der Vater der Berliner Operette) „Das ist die Berliner Luft“.

Hans-Jürgen Osmers, Zsolt Dombovari und Paul Bialek sorgten an diesem Abend immer wieder für schöne Höhepunkte und wurden erst nach einem großen Beifall entlassen. - hu

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