Havekost hat Leidenschaft für Fossilien und die Paläontologie

Langwedeler findet elf Millionen Jahre alte Robbe

Die 11 Millionen Jahre alten Knochen eines Robbenskeletts waren auf einer Präsentation an der Ausgrabungsstelle zu sehen. - Foto: Markus Scholz/dpa

Langwedel/Pampau - Wer sucht, der will auch etwas finden. Manchmal findet Mensch nur mal einfach so etwas – und dann entwickelt sich eine ganz große Leidenschaft, für die die Bezeichnung „Hobby“ eigentlich nicht mehr reicht. Uwe Havekost haben es Fossilien aus der Urzeit angetan. Dabei gelang dem Langwedeler ein Fund, den Wissenschaftler als „kleine Sensation“ einstufen.

In einer Kiesgrube in Groß Pampau (nördlich von Hamburg im Kreis Herzogtum Lauenburg) förderte Havekost gut erhaltene Knochen einer gut elf Millionen Jahre alten Robe zu Tage. „Das Tier war etwa 1,70 Meter lang und dürfte zu einer Art gehört haben, die den heute lebenden Robben ähnelt, so aber nicht mehr vorkommt“, so Havekost. Skelette von Walen und Haien, die im mittleren Miozän in der Ur-Nordsee lebten, finden die Paläontologen öfter – aber Robben sind wirklich selten. Havekost, gebürtiger Bremer und in Achim aufgewachsen, attestiert sich eine frühe „Affinität zur Natur“.

„Ich hab schon mit zwölf in Achim auf einem Kieshaufen gesessen.“ Sein erster Fund: ein Haifischzahn. Er schließt sich einer Bremer Gruppe von Hobbypaläontologen an, rund 30 Jahre ist eine Kiesgrube zwischen Achim und Thedinghausen sein bevorzugtes Forschungs- und Suchgebiet. Er findet Haizähne, Walknochen, Muscheln, Schnecken. Dann spricht der Eigentümer der Grube ein Sammelverbot aus, Schluss ist es mit der Suche vor Ort.

Havekost trifft seinen guten Freund Andreas Malchow aus Hamburg, der erzählt von der Kiesgrube Groß Pampau, in der Hobbypaläontologen seit 1984 immer wieder Entdeckungen machen, ein Grabungsteam von Ehrenamtlichen ist hier am Werk. „Du, kann ich da mitmachen?, habe ich ihn gefragt.“ Aber sicher konnte Havekost mitmachen. Seit 2012 ist er in Groß Pampau dabei.

In dem Jahr haben sie einen Wal gefunden, respektive das Skelett, 2013 auch, 2014 war nicht so dolle, 2015 gab es Wal- und Delphinreste – und in diesem Jahr die Robbe.

Auch wenn die Kiesgrube das bevorzugte Forschungsgelände von Uwe Havekost darstellt – der Mann ist europaweit unterwegs. 2013 zum Beispiel war Havekost bei niederländischen Fossiliensammlern zu Gast, die sich als „Werkgroep voor Tertiaire en Kwartaire Geologie“ (WTKG) zusammengeschlossen haben.

„Die reißen alle zehn Jahren einen Acker auf.“ Und dann gehen niederländische, deutsche, englische, französische Hobbypaläontologen gemeinsam auf die Suche. Freizeitforscher wie Uwe Havekost belassen es nicht beim Graben. Havekost hat schon wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht. Über eine Plattform für Laien, aber vor der Veröffentlichung von ausgebildeten Wissenschaftlern geprüft – also auch auf einem entsprechenden Niveau. Ein bisschen in Dänemark und in Italien hat der Langwedeler auch schon geforscht.

Beruflich hat Havekost übrigens einen Weg eingeschlagen, der mit seinem Hobby so gar nichts zu tun hat. Nach seinem Hauptschulabschluss in Achim hat er Schlosser gelernt. Dabei ist es aber nicht geblieben. Heute ist der 49-Jährige Industriemeister für Metallbearbeitung bei einem Unternehmen in Bremen.

Wie die anderen Funde aus Groß Pampau soll auch das Robbenskelett, nachdem es entsprechend präpariert wurde, im Lübecker Museum für Natur und Umwelt ausgestellt werden. Natürlich hat Uwe Havekost aus seiner Jahrzehnte langen Paläontologenkarriere auch den einen oder anderen Fund bei sich zu Hause in der Sammlung. „Das wird auf Sicht später noch in ein Museum gehen.“  

jw

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