Nach 14 Wochen geht Integrationskurs zu Ende

Was kann ich in Deutschland damit anfangen?

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Der Kursabschluss wurde gestern im Feuerwehrhaus Langwedel nach allen Regeln der Kunst begangen. 

Langwedel - Ein normaler Sprachkurs war es ganz sicher nicht. Die 14-wöchige Geschichte hieß ja auch „Ankommen in Beschäftigung“ (AiB). Neben den angestellten Dozenten der „VITAakademie“ engagierten sich viele Ehrenamtliche der Flüchtlingshilfe Langwedel (FLAN). Die 21 Teilnehmer waren samt und sonders Flüchtlinge – und die Geschichte ihrer Flucht brachten sie jeden Tag mit. Heute ist der Kurs vorbei. Das wurde gestern schon gefeiert – im Feuerwehrhaus Langwedel.

Was kann ich? Was will ich? Was sind meine Stärken und was kann ich in Deutschland damit anfangen? Auf diese Fragen sollten die Flüchtlinge aus dem Iran, Irak, Syrien, Afghanistan, Eritrea, Sudan, Kosovo und Burundi ehrlich antworten können.

„Natürlich gab und Probleme“, so Michael Schablow, Leiter von AiB Langwedel. Nur wenige der Teilnehmer haben Zeugnisse, Dokumente über ihre bisherige Ausbildung. Ihre deutschen Sprachkenntnisse sind unterschiedlich ausgeprägt, wie ihre Bildung überhaupt. „Vom quasi Analphabeten bis zum Akademiker war alles dabei.“ Dazu kommen die Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Wie kriegt man die alle unter einen Kurs-Hut?

Zum Abschluss gab es Urkunden, Blumen, Glückwünsche und Dank für Kursabsolventen und Dozenten. - Foto: Wenck

Indem man sehr viel Wert auf Teamgeist und Teamfähigkeit, Respekt, Ausdauer und Durchhaltevermögen (der Flüchtlinge) legt. Und das habe toll funktioniert, ganz im Sinne von „Fordern und Fördern“, befand Michael Schablow. Was mit Sicherheit auch an der großen Gruppe der ehrenamtlichen Helfer gelegen habe. Im Laufe des Kurses musste man aus der Oberschule am Goldbach in die Räume der Feuerwehr Langwedel umziehen, weil die alten Schulgebäude für den Neubau abgerissen wurden. In der Langwedeler Feuerwache konnte man sich bei Bedarf auch mal in Lerngruppen aufteilen, je nach Leistungsstärke und Bedarf. Konflikte, Reibungspunkte der Feuerwehr mit den Flüchtlingen? „Überhaupt nicht“, erklärte gestern Ortsbrandmeister Ralf Holtkamp. Die Wehr hatte während der Unterrichtszeit (wochentags von 8.30 bis 13.30) Einsätze. „Da haben wir wohl für ein bisschen Abwechslung gesorgt und waren interessanter als der Unterricht“, schmunzelte Holtkamp.

„Ich will Ärztin werden“

Aber die Flüchtlingen waren ja auch in diversen Einrichtungen und Betrieben für Praktika unterwegs. Im Domgymnasium, in der Daverdener Apotheke, in einer Arztpraxis, bei DESMA, in einer Etelser Fleischerei oder etwa in der Radiologie des Verdener Krankenhauses. Oder einem Langwedeler Friseursalon. Über die Erlebnisse bei ihren Praktika berichteten die Flüchtlinge gestern selbst.

Zur jungen Rawan waren die meisten Patienten der Arztpraxis sehr nett. Neue deutsche Worte hat sie gelernt. „Laktoseintoleranz. Milchzuckerunverträglichkeit.“ Das löste bei der Feierrunde Heiterkeit aus. Rawan lächelte. Und dann guckte die junge Frau mit dem Kopftuch ganz ernst. Sie hat ein ehrgeiziges Ziel und spricht es laut aus: „Ich will Ärztin werden.“

Ali hat in dem Langwedeler Friseursalon nicht nur erfahren, dass hier auch Frauen an die Köpfe von Männern dürfen und umgekehrt. Und diese Technik in Deutschland. Locken dauern ein bis zwei Stunden. „Zuhause einen ganzen Tag. Es ist nicht immer und überall Strom da.“

Bevor es die Urkunden für den absolvierten Kurs gibt, sagten drei Flüchtlingsfrauen noch ein Gedicht auf, das sie gelernt haben. „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind...“ Den Erlkönig von Goethe. Das ist schließlich ein Stück deutscher Kultur. Die plus deutsche Werte und Normen sollten schließlich auch vermittelt werden. Sowie Umgangsformen und -regeln dazu, was in Deutschland gar nicht geht.

„Durchgängig einfach klasse“, fand Bürgermeister Andreas Brandt das Engagement der Flüchtlinge, der Dozenten und der Ehrenamtlichen. „Ich habe das ja immer wieder mit erleben dürfen.“

Es wurde gestern viel geredet und viel gedankt. Eigentlich war nur einmal kurz alles still, nach einem Raunen im Saal. Als sich Franz-Josef Kettmann, Geschäftsführer der VITAAkademie bei Ortsbrandmeister Ralf Holtkamp für die Gstfreundschaft bedankte. Mit einem Spendenscheck über 1 .000 Euro. 

jw

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