Informationsabend der St. Sigismund-Stiftung zum Thema Demenz

Wenn aus Angehörigen Fremde werden

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Dr. Hans-Hermann Prüser (re.) bedankte sich im Namen der St. Sigismund-Stiftung und der Gäste bei den beiden Referentinnen Dr. Liane Wilkens und Kathrin Behrens.

Langwedel - Demenz und Alzheimer werden in unserer älter werdenden Gesellschaft ein immer größeres Problem. Für die St. Sigismund-Stiftung Anlass, einen Informationsabend im Bürgersaal des Langwedeler Rathauses zu veranstalten. Dr. Hans-Hermann Prüser, Vorsitzender der Stiftung, begrüßte die Gäste: mit einem Kuscheltier.

Ein Studiengang der Jadehochschule Oldenburg hat besagtes Kuscheltier elektronisch aufgearbeitet. Es soll Stimmen erkennen und später einmal helfen, die Bedürfnisse eines an Demenz erkrankten Menschen zu ermitteln. Nach der kurzen Einleitung gehörte das Podium den beiden Referentinnen des Abends, Dr. Liane Wilkens und Kathrin Behrens.

Aus Verden war die Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie Dr. Liane Wilkens gekommen. 1,2 Millionen Menschen sind zur Zeit in Deutschland an Demenz erkrankt, bis 2050 werde sich diese Zahl verdoppeln.

Eine Demenzerkrankung beginnt unauffällig mit Konzentrationsstörungen, endet aber im Gegensatz zu einer normalen Vergesslichkeit im schweren Stadium damit, dass aus Angehörigen Fremde werden und die eigene Wohnung nicht mehr erkannt wird.

Eine Heilung von Demenz mit Medikamenten ist nicht möglich. Man könne Neuroleptika verschreiben, so Wilkens, aber dieses nur in kleiner Dosis, um Unruhen und Aggressionen entgegenzuwirken.

Wichtig sei Bewegung an frischer Luft, die Einhaltung eines geregelten, normalen Tagesrhythmus sollte gefördert werden, so Dr. Wilkens. Auch solle eine Erinnerungstherapie versucht werden, in dem mit dem Erkrankten etwa alte Fotoalben durchblättert werden.

Auf jeden Fall müssten potentielle Unfallquellen im Haus beseitigt werden. An Demenz Erkrankte wirken oft wie Fremde. Bei „Fehlern“ seitens der Erkrankten sollte Ruhe und Gelassenheit bewahrt werden, Belehrungen unterlassen werden. Eine Beschäftigungstherapie hilft und ebenso wichtig ist Körperkontakt, der beruhigend wirkt. Hilfe ist in Selbsthilfegruppen möglich, so Dr. Liane Wilkens. Lieber einen Erkrankten rechtzeitig abgeben, so ihr Rat, denn eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung erfordere viel Kraft. Auch riet sie, voneinander Urlaub zu nehmen und die Erkrankten dann in Kurzzeitpflege zu geben.

Damit es erst gar nicht zur Demenz-Erkrankung kommt, sollte auf den normalen Blutdruck geachtet und Übergewicht vermieden werden. Nicht nur das Lösen von Rätseln ist als Vorbeugung wichtig, sondern echte Neugier auf etwas Neues, wenn Mensch in Rente oder Pension geht.

Den zweiten Teil der Veranstaltung übernahm Kathrin Behrens von der Diakoniestation Langwedel/Kirchlinteln.

Sie stellte mögliche finanzielle Unterstützung durch die Pflegekasse vor, erläuterte Begriffe sie Tagespflege, Kurzzeitpflege, Pflege zu Hause oder Verhinderungspflege im Heim. Unterstützung können Angehörige von Erkrankten durch Pflegedienste (wie die Diakoniestation) etwa bei der Körperpflege, Hilfe bei der Ernährung oder Behandlungspflege bekommen.

Behrens stellte Orientierungshilfen vor, bei der die gewohnte Ordnung beibehalten werden sollte. Auch sollten die Angehörigen für eine sichere Umgebung sorgen und die Erkrankten beschäftigen, sei es beim gemeinsamen Singen, Hilfe in Haus und Garten oder Spaziergängen. Auf Korrekturen von Fehlern sollte verzichtet und Streitigkeiten vermieden werden. „Wir müssen die Erkrankten dort abholen, wo sie stehen“, stellte sie abschließend fest.

hu

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