Erich Roseland verlässt nach 44 Jahren den Gemeinderat

Etelsen und gesunde Finanzen

Beim Geld der Gemeinde hatte Erich Roseland die Hand drauf: Jahrzehntelang war er Vorsitzender des Finanzausschusses. - Foto: Mix

Langwedel/Etelsen - Von Michael Mix. Als 1972 sein geliebter Heimatort Etelsen gerade seine Selbstständigkeit verloren hatte, zog Erich Roseland erstmals in den Gemeinderat ein, in den Langwedeler. Schon bald zählte der Sozialdemokrat zu den maßgeblichen politischen Figuren im Flecken. Bis heute gehört der langjährige stellvertretende Bürgermeister und Vorsitzende des Finanzausschusses dem Rat an. „Ich wurde immer direkt von der Bevölkerung gewählt, bin nie über die Liste eingezogen“, sagt Roseland stolz. Nun hört er auf.

„Ich bin jetzt 76, es reicht“, verweist der Etelser, der seit 1965 mit Ehefrau Hedi verheiratet ist und deren Tochter Sabine (50) längst eine eigene Familie hat, auf sein Alter. Und nach 44 Jahren ehrenamtlichen Engagements in der Kommunalpolitik darf auch mal Schluss sein.

Die alte Etelser Gemeindeflagge mit den Schlosszinnen drauf weht auf Roselands Grundstück an der Alten Aller. Umso schmerzlicher war es für den Lokalpatrioten, als der von ihm gewünschte Zusammenschluss mit Baden und Posthausen nicht klappte und die Gemeinde Etelsen mit den Ortsteilen Cluvenhagen, Hagen-Grinden und Steinberg bei der niedersächsischen Gebietsreform 1972 dem Flecken Langwedel zugeschlagen wurde. „Das Thema Eingemeindung und mein Großvater, der für die SPD im Gemeinderat und im Kreistag gesessen hatte, haben mich politisiert“, berichtet Erich Roseland im Gespräch mit dieser Zeitung.

Der Speditionskaufmann, der als Verkaufsleiter bei der Desma in Achim-Uesen „um die halbe Welt gereist“ ist, 27 Jahre Vorsitzender des Schützenvereins Etelsen war und auch beim TSV Etelsen einst als Fußballer und Funktionär mitmischte, legte sich in seiner knapp bemessenen Freizeit also im Langwedeler Rathaus für seinen Wohnort ins Zeug. „Es gab immer einen Kampf zwischen den Ortschaften, besonders zwischen Langwedel und Etelsen“, erinnert Roseland an vergangene Schlachten, auch und gerade innerhalb der eigenen Partei und Fraktion. Trotzdem sei die Zusammenarbeit insbesondere mit den SPD-Größen Joachim Stünker (Langwedel) und Johann Intemann (Holtebüttel) „konstruktiv“ gewesen.

Rund 30 Jahre lang gestaltete Erich Roseland als stellvertretender Bürgermeister und als Vorsitzender des Finanzausschusses die Politik im Flecken entscheidend mit. Zusammen mit Bürgermeister Stünker und Fraktionschef Intemann bildete er die berühmt-berüchtigte Führungstroika der SPD, die in den 80er und 90er Jahren im Rat die Marschroute vorgab.

Manches sei, auch im Zusammenspiel mit dem politischen Gegner, erreicht worden, „der Flecken hat eine gute Entwicklung genommen“, stellt Roseland fest. „Besonders gesunde Finanzen sind mir immer wichtig gewesen.“ Als weitere Erfolge nennt er die Ausweisung von Wohngebieten, die Ansiedlung von Gewerbe, die Schaffung der Kanalisation und speziell für Etelsen und Cluvenhagen den Bau von Kindergärten und Sporthallen. Die Bebauung des Etelser Dorflandes habe er leider nicht verhindern können.

„Ganz, ganz schlimm“ war für den Finanz-Fachmann, der von 1981 bis 2006 auch dem Kreistag angehörte und fast ebenso lange im Verwaltungsrat der Kreissparkasse Verden ein Wörtchen mitredete, davon zehn Jahre als Vorsitzender, die Dax-Affäre Ende der 90er Jahre. Hinter dem Rücken von allen, sagt er, habe der damalige Kämmerer Heino Hasselhoff durch Spekulationsgeschäfte an der Börse fast eine Million DM Gemeindegeld verzockt.

Nicht geglückt ist Erich Roseland der Sprung auf den Chefsessel im Rathaus. Die Niederlage bei der Wahl zum ersten hauptamtlichen Langwedeler Bürgermeister 2001 gegen Andreas Mattfeldt (CDU) „tat schon weh“, räumt der Etelser ein. Nur gut 30 Stimmen hätten ihm zur Stichwahl gefehlt. „Es war ein Fehler, dass Joachim Stünker auf Platz eins unserer Liste stand und nicht ich als Bürgermeister-Kandidat.“

Auch aus Groll über den damaligen SPD-Bundestagsabgeordneten trat Roseland 2008 aus der SPD aus. Dass für eine private Altersversicherung, für die er regelmäßig Sozialversicherungsbeiträge entrichtet habe, auf Beschluss der rot-grünen Bundesregierung noch mal für zehn Jahre Abgaben fällig wurden, macht den langjährigen Sozialdemokraten bis heute wütend.

Kurzzeitig engagierte sich Roseland in der Rentnerinnen- und Rentner-Partei, bis er 2011 für die Unabhängige Bürgerliste Langwedel (UBL) kandidierte und erneut in den Gemeinderat einzog. Zunächst an der Seite von Siegfried Schmidt, ebenfalls ein früherer SPD-Mann. Nach dessen Rückzug ist der 76-Jährige ein Einzelkämpfer. „Ohne Fraktionsstatus habe ich kaum Mitwirkungsrechte, das finde ich nicht in Ordnung“, beklagt Roseland, mit dessen Abgang aus der Kommunalpolitik zum Ende der Wahlperiode am 31. Oktober übrigens auch die UBL Geschichte ist.

Langeweile wird Erich Roseland aber auch künftig nicht haben. Das Geschehen im Flecken und speziell in Etelsen will er weiter im Blick behalten – und viel an frischer Luft arbeiten. „Den großen Garten in Ordnung zu halten, schaffe ich kaum.“

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