Angehende Kaufleute in der Tagesförderstätte der Waldheim Gruppe

Cluvenhagen: Zwei Welten prallen aufeinander

Das Handels- und Dienstleistungsunternehmen „kwb Germany“ aus Stuhr schickte elf Azubis in die Tagesförderstätten der Stiftung Waldheim, um Verständnis für soziale Arbeit zu wecken. - Foto: Waldheim Gruppe

Cluvenhagen - Zwei Welten prallen aufeinander: Auf der einen Seite elf 18- bis 24-Jährige, die gerade eine Ausbildung zum Kaufmann bzw. zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel sowie in der Lagerlogistik absolvieren, auf der anderen Seite rund 80 Menschen mit Behinderung, die in der Tagesförderstätte am Kuckucksweg in Cluvenhagen, kurz TaK, individuellen Förder- und Beschäftigungsangeboten nachgehen.

Zwar kennt man sich, zumindest dem Namen nach, schließlich arbeiten einige der TaK-Beschäftigten seit nunmehr elf Jahren als externer Dienstleister für die Firma „kwb“ und führen eine Vielzahl einfacher Verpackungstätigkeiten aus. Aber wissen tut man eigentlich wenig voneinander.

Jetzt schickte das Handels- und Dienstleistungsunternehmen für Elektrowerkzeuge und Handwerkzeuge „kwb Germany“ mit Sitz in Stuhr-Seckenhausen elf Azubis in die Tagesförderstätten der Stiftung Waldheim, um Verständnis für soziale Arbeit zu wecken.

„Für uns war es eine gute Gelegenheit, einmal einen Blick hinter die Kulissen eines unserer Lieferanten zu werfen“, sagt Angela Thöle, Personalleiterin bei „kwb“ und erklärt: „Um bei unseren Azubis Verständnis für ganz andere Arbeitsabläufe als die eigenen zu wecken. Auch wollten wir unseren Auszubildenden die Möglichkeit bieten, einmal über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken und gleichzeitig das soziale Bewusstsein zu schärfen.“

Nach zwei Tagen intensiver Planung bei „kwb“, bei der unter anderem Fragen besprochen wurden wie „Welche Erwartungen haben wir von einer Tagesförderstätte für Menschen mit Behinderung?“ oder „Wie gehen wir richtig mit Menschen um, die eine Behinderung haben?“, fuhr der Bus von „kwb“ in der TaK vor. An Bord neugierige und auch etwas unsichere Azubis, die in jeweils kleinen Gruppen zwei Tage lang verschiedenen Beschäftigungsgruppen der TaK zugeteilt wurden. Immer dabei: die qualifizierten Fachkräfte der Stiftung Waldheim.

„Anfangs dachte ich: Wow, mit Behinderten zu arbeiten, ist bestimmt komisch“, sagt Nico Krabbes, Azubi im 1. Lehrjahr bei „kwb“. „Aber schon nach kurzer Zeit habe ich mich sogar wohl gefühlt. Abends freute ich mich auf den nächsten Tag.“ Cord Wicke, 19 Jahre alt, fügt hinzu: „Alle sind total nett miteinander umgegangen.“ Sina Dietrich, Azubi im 3. Lehrjahr ergänzt: „Nach den zwei Tagen wäre ich gern noch ein paar Tage länger geblieben.“

Auch die Beschäftigen der TaK waren gespannt, was sie erwartet. Zwar gibt es häufig neue Praktikanten, die ihre sozialen Kompetenzen in den Tagesförderstätten der Stiftung Waldheim erweitern wollen, aber gleich elf neue Gesichter innerhalb von sechs Tagen, das war etwas völlig Neues.

„Alle haben sich gut vorbereitet“, informiert Lüder Stumpenhusen, Fachdienstleiter Stiftung Waldheim für den Bereich Tagesförderstätten. „Das war zwar für alle Beteiligten recht arbeitsintensiv, die Mühe aber allemal wert. Für uns ist das gelebte Inklusion. Die kwb-Azubis tragen ihre Erfahrungen, die sie bei uns gemacht haben, hinaus in ihre Welt. So werden Hemmschwellen und Berührungsängste gegenüber beeinträchtigten Menschen in der Welt der nicht behinderten Menschen Stück für Stück abgebaut.“

Die Stiftung Waldheim und somit die Tagesförderstätten haben ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem und bieten ihre Dienstleistungen in enger Zusammenarbeit mit den Waldheim Werkstätten unterschiedlichen Unternehmen an. Lüder Stumpenhusen erläutert: „Wir betreuen und fördern hier Menschen, die aufgrund der Art und Schwere ihrer Behinderung noch nicht einen Arbeitsplatz in einer anerkannten Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) einnehmen können. Arbeitsähnliche Prozesse wie wir sie mit der Firma kwb realisieren, sind sehr wichtig für uns, weil wir die Beschäftigten damit auf die Anforderungen in einer WfbM vorbereiten.“

Angela Thöle von „kwb“ ergänzt: „Insgesamt arbeitet kwb derzeit mit sieben Werkstätten für behinderte Menschen und Tagesförderstätten zusammen. Aber noch nie waren wir vor Ort, wie jetzt in der Stiftung Waldheim, um mitzuarbeiten.“

Auch wenn diese Hospitanz eigentlich nicht zum offiziellen Ausbildungsinhalt gehört, kann sich Angela Thöle durchaus vorstellen, soziale Tage als festen Bestandteil ins Ausbildungsprogramm mit auf-zunehmen. „Zwar fehlen die Azubis in dieser Zeit in ihren Abteilungen, aber das was sie aus der Stiftung Waldheim jetzt mitnehmen, ist für ihre Erfahrung von großem Wert. Meine Erwartungen an dieses Pilotprojekt wurden bei weitem übertroffen.“

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