Wie der ehemalige Juister Kantor nach Daverden kam / Wer wird hier beschenkt?“

Carl Haxsen: Ein Orgelkonzert zum 70. Geburtstag

Carl Haxsen spielte an seinem 70. Geburtstag ein Orgelkonzert in der Daverdener St. Sigismund Kirche. Organisten kennen eben keinen Ruhestand. - Foto: Wenck

Daverden - Von Jens Wenck. Ob das jetzt alles so seine Richtigkeit hat? Carl Haxsen feiert an diesem Tag seinen 70. Geburtstag und geht dann abends noch arbeiten. Quasi. Daverdens Pastor Lars Quittkat ist auch ins Grübeln gekommen. „Wie feiert man seinen Geburtstag? Mit Menschen. Und man wird beschenkt. Eigentlich ist das dann heute Abend hier ja verkehrte Welt.“

Die Annäherung an Carl Haxsen an diesem Abend verlief wirklich vorsichtig. Ganz offensichtlich hat das Geburtstagskind auf der Empore in der Daverdener St. Sigismund-Kirche noch zu tun. Er sitzt an der Orgel, spielt. Steht wieder auf, hantiert. Spielt wieder. „War ich zu laut?“ Adja Hesse, Leiterin des Singkreises St. Sigismund, schüttelt den Kopf. Alles gut, nicht zu laut.

Ah, die Zeitung... „Wir haben gerade die Orgel noch ein bisschen gestimmt“, erzählt Haxsen. So ein Instrument klingt bei unterschiedlichen Temperaturen immer anders. Heute Abend soll sie beim Geburtstagskonzert in Bestform sein. „Doch, doch. Eine ganz schöne Barockorgel haben sie hier. Von wann die genau ist, weiß ich aber gar nicht. Da müssen sie den Pastor fragen.“

Die Daverdener Orgel ist von 1650, gebaut von Hermann Kröger. 1988/89 wurde sie komplett restauriert. Aber das nur als Anmerkung.

Eh man es sich versieht, erklärt Carl Haxsen die Daverdener Orgel. „Hier, diese Pfeifen klingen wie ein Dudelsack.“ Der Mann legt so eine offene Begeisterung an den Tag, erzählt so liebevoll und leidenschaftlich von der Musik, da ist das dezent ungute Gefühl, den Künstler kurz vor seinem Konzert angegangen zu sein, fix verflogen.

40 Jahre lang war Haxsen Kantor, Diakon und Organist auf der Nordseeinsel Juist. Nach seiner Pensionierung ist er weggezogen. Nach Bücken. Zum Einen ist das nicht ratsam, seinem Nachfolger gewissermaßen wie ein Qualitäts- und Vergleichsschatten zu folgen. Und dann: Als Pensionär auf Juist eine Wohnung mieten oder gar kaufen? „Da müssen sie Millionär sein.“ Was an Wohnraum da ist, wird überwiegend zur Kapitalanlage in Form einer Ferienwohnung. Normaler, bezahlbarer Wohnraum ist knapp. „Aber das Problem haben sie auf allen Inseln.“

Gar kein Problem ist es für Haxsen mal eben schnell das Programm zu erklären, das er spielen wird. „So ein reines Orgelkonzert ist ja nicht jedermanns Sache.“ Aber hier, Johann Sebastian Bach, Präludium und Fuge D-Dur (BWV 532), damit wird er anfangen. „Ein Jugendwerk von Bach.“ Noch spielerischer als in späteren Werken. Johann Chr. Schmügel (1727 bis 1798) und Ernst Köhler (1799 bis 1847) und ihre Stücke dürften da eher nicht so bekannt sein.

Frédéric Chopin (1810 bis 1849) und sein „Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen“ ist da schon bekannter.

„Hier, ein bisschen verrückt ist es ja schon, das zu spielen. Eigentlich ist es für Klavier geschrieben. Ravel hat es für Orchester gemacht.“ Haxsen spricht von Modest Mussorgskis (1839 bis 1881) „Bilder einer Ausstellung“ aus dem er spielen wird. Da sind dann auch die Dudelsackpfeifen wieder zu hören.

Stellt sich jetzt nur noch, wenn es erlaubt ist, die Frage: Wie kommt der langjährige Juister und jetzt im Landkreis Nienburg wohnende Musiker dazu, an seinem 70. Geburtstag ein Konzert in Daverden zu geben?

Die Frage ist erlaubt. „Eine alte Freundschaft.“ Die Daverdener Chorleiterin Adja Hesse hat als 20-Jährige in Hannover im Chor von Carl Haxsen gesungen. Da hat der Student als Kirchenmusiker seine Brötchen verdient. „So kommt das.“

Es wird dann ein ganz, ganz feines Konzert in der Daverdener Kirche. Carl Haxsen wird für seinen Vortrag gefeiert, muss eine Zugabe spielen. Dann bekommt er seinen Blumenstrauß – und ein wunderbares Geburtstagsständchen vom Daverdener Singkreis.

„Ruhestand als Organist? Das gibt es sowieso nicht“, hatte Pastor Quittkat schon bei der Begrüßung der Konzertbesucher gewusst. „Und an seinem Geburtstags soll man machen, was einem Spaß macht.“ Den hatte Carl Haxsen offensichtlich, und die musikalisch beschenkten Geburtstagsgäste definitiv auch. An diesem Abend hatte alles seine Richtigkeit.

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